Die Bibel kommt von der Katholischen Kirche


Protestant verteidigt die "Apokryphen" als inspiriert!


Die Schrift allein?

Sola Scriptura biblisch widerlegt!

»Und gleichwie die Bibel niemals ein Gegenstand des Glaubens sein kann ohne die Kirche, so kann sie auch ohne dieselbe nie und nimmer als Regel des Glaubens gelten.«
- Giovanni Perrone SJ, Der Protestantismus als Glaubensregel.
Sola scriptura - »die Schrift allein« -, so lautet eines der Hauptprinzipien, auf die sich der Protestantismus stützen will. Ist dieses Fundament tragfähig? In "Die Schrift allein?" unterzieht Joel Peters es einer Belastungsprobe, gleich 21mal. Dabei geht er sachkundig und mit unbestechlicher Logik vor. Das Ergebnis ist eindeutig: Das Sola-Scriptura-Prinzip ist ein menschliches Konstrukt und hat mit der von Jesus Christus gestifteten Religion nichts zu tun. Es steht im absoluten Widerspruch zur Heiligen Schrift, den historischen Fakten und dem gesunden Menschenverstand. Es sind die stillen Worte, die den Sturm bringen - wie es in dieser kleinen apologetischen Schrift geschieht. Sie liefert Sprengstoff, der geeignet ist, einen Grundpfeiler des Protestantismus restlos zu dekonstruieren.

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Die Dunkelmänner

Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte

Die Wahrheit über die Kirchengeschichte. Zahlreiche Angriffe und Vorurteile gegen die Katholische Kirche und den katholischen Glauben beruhen nicht auf Irrtümern, sondern auf beabsichtigten Verzerrungen historischer Tatsachen. Diese werden in diesem Buch des Historikers Michael Hesemann überführt. Zur Bestellung bitte auf das Bild klicken.


Martin Luther

Wie er leibte, lebte und starb

 


Ablasshandel bis Zölibat

Mit Klischees über die Kirche müssen sich viele Menschen in Diskussionen auseinandersetzen. In persönlichen Gesprächen oder in den sozialen Kommunitäten im Internet begegnen einem die immer gleichen Angriffsformationen. Das »Sündenregister« der Katholischen Kirche ist in den Augen des modernen, aufgeklärten, religionsfernen Menschen ellenlang. Die Kirche wird von außen mit Kritik und Forderungen konfrontiert und muß auch innerhalb ihrer Mauern manche Zerreißprobe bestehen.
Der Philosoph und Publizist Josef Bordat nimmt sich 36 populäre religions- und kirchenkritische Thesen vor und setzt ihnen mit Kenntnisreichtum und Besonnenheit historische und systematische Fakten entgegen. So entsteht eine sachliche und differenzierte Darlegung von Geschichte und Wesen der Katholischen Kirche, die allen Diskussionsteilnehmern zu einem begründeten Urteil über eine der umstrittensten, aber auch wichtigsten Einrichtungen der Menschheit bieten. Zur Bestellung bitte auf das Bild klicken.


Märtyrer der Reformation

Die viel gefeierte Reformation in Deutschland löste nicht nur eine Kirchenspaltung, sondern auch zahlreiche gewalttätige Auseinandersetzungen aus. In diesem Buch stellt der Herausgeber Glaubenszeugen vor, die als Märtyrer der Reformation ihr Leben verloren. Erschütternde und bewegende Schicksale, die zeigen, dass die Reformation viel Leid und Unheil verursachte. Zur Bestellung bitte auf das Bild klicken.


Der Papst der Hitler trotzte

Die bevorstehende Seligsprechung Papst Pius XII. hat die Debatte um seine Rolle während des Zweiten Weltkriegs neu angeheizt. Hätte der Papst die Greueltaten Hitlers stoppen können, indem er Krieg und Judenverfolgung öffentlich verurteilte?
Michael Hesemann zeichnet ein Bild Pius XII. im Licht der neuesten historischen Forschung - und kommt zu einem aufregenden Ergebnis: Pius XII. hat dem deutschen Diktator getrotzt, der Papst war ein subtiler Gegenspieler des Nazi-Terrors.

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Luther und die protestantische Revolution

(Deutscher Untertitel)


Der Papst und der Holocaust

Pius XII. und die geheimen Akten im Vatikan

Kaum ein Vorwurf kann schwerwiegender sein: Papst Pius XII. habe geschwiegen, als er von Hitlers Plan erfuhr, die Juden Europas zu vernichten. Er habe sogar tatenlos zugeschaut, als praktisch unter seinem Fenster die römischen Juden in die Todeslager deportiert wurden. Doch diese Version, auch bekannt als ,,schwarze Legende", ist falsch. Die Beweise, dass es ganz anders war, lagen ein halbes Jahrhundert im Geheimarchiv des Vatikans unter Verschluss. 2018 endlich werden die vielen 100.000 Akten der Forschung zur Verfügung stehen. Dr. h. c. Michael Hesemann hat als einer der ersten Historiker überhaupt Zugang zu den brisantesten Dokumenten des 20. Jahrhunderts erhalten. Im Rahmen seiner umfassenden Aufarbeitung dieses dramatischsten Kapitels der jüngeren Kirchengeschichte werden sie in diesem Band weltexklusiv veröffentlicht. Zur Bestellung auf das Bild klicken.

Ich habe dieses sehr wichtige Buch, das ich geschrieben habe, einigen katholischen Verlagen vorgelegt. Keiner dieser Verlage war daran interessiert. Würde mein Name nicht "Stjepan Vucina", sondern "Michael Hesemann" lauten, wäre es ohne zu zögern mit Kusshand angenommen worden! So aber nicht! Denn wer ist schon Stjepan Vucina?!

MARIA - WAS DIE BIBEL WIRKLICH ÜBER SIE SAGT (Buch)

  

 

 

Meinen lieben Freunden Udo Beutel († 2009) und Odilia Kostka († 2015)

Mögen sie im Frieden der Liebe Gottes ruhen

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

 

1. Vorwort

 

2. Der protestantische Antimarianismus

2.1 Wie der Großteil der Protestanten zu Maria steht

2.2 Ist die Mutter Jesu ein Hindernis zwischen uns und Gott?

2.3 Ist Maria wegen seltenen Erwähnungen im Neuen Testament unbedeutend?

2.4 Mk 3,31-35: Lehnt Jesus seine Mutter als Mutter ab?

2.5 Lk 11,27: Verneint Jesus die Seligkeit seiner Mutter?

2.6 Lk 11,27: Stellt Jesus seine Mutter auf dieselbe Stufe mit uns?

2.7 Joh 2,4: Hat Jesus seine Mutter wie den Teufel behandelt?

2.8 Satans Wasserstrom gegen Maria

2.9 Der antimarianische Protestantismus ist vom Propheten Simeon prophezeit

 

3. Verhältnis biblischer Personen zu Maria

3.1 Die Bedeutung Mariens für Apostel Paulus

3.2 Die Bedeutung Mariens für Lukas

3.3 Die Bedeutung Mariens für Apostel Johannes

3.4 Die Bedeutung Mariens für Elisabeth

 

4. Mariens Bedeutung, Größe und Erhabenheit

4.1 Die Bibel verkündet Mariens außergewöhnliche Größe

4.2 Maria, die Königin des Himmels

4.3 Maria, die Lade des Neuen Bundes

4.4 Maria im Allerheiligsten des himmlischen Tempels

4.5 Mariä leibliche Aufnahme in den Himmel

4.6 Wir brauchen Maria

4.7 Maria, die Mittlerin

 

5. Mariens persönliche Eigenschaften

5.1 Mariens außergewöhnlicher Glaube

5.2 Mariens mystische Gnadengaben

5.3 Mariens immerwährende Jungfräulichkeit

5.4 Maria, die Gottesmutter

5.5 Maria, die Sündlose

5.6 Dürfen wir Maria um Hilfe bitten?

 

 

 

 

 

1. Vorwort

Die katholische Lehre über Maria ist ein großes Ärgernis für viele moderne Protestanten, besonders jene unter ihnen mit evangelikaler Prägung. Dabei steht die Gottesmutter wahrlich nicht in Konkurrenz zu ihrem Sohn und unserem Herrn Jesus Christus, wie es viele Freikirchler befürchten, sondern sie hat von Gott ihre ganz eigene Rolle im Heilsgeschehen erhalten. Alles bei Maria verweist uns dabei auf Jesus.

 

In diesem Buch werden die typischen biblischen Einwände entkräftet, die immer wieder gegen die katholische Mariologie vorgebracht werden. Es werden Bibelstellen genauer unter die Lupe genommen, die in diesem marianischen Themenkomplex zunächst merkwürdig klingen und

Protestanten davon abhalten, sich tiefgründiger mit Maria zu beschäftigen.

 

In diesem Buch lernen wir viel über Marias Bedeutung, Größe und Erhabenheit und wie andere biblische Charaktere zu ihr standen. Was hat es mit der Himmelskönigin auf sich? Ist Maria die neue Bundeslade? Kann Maria leiblich in den Himmel aufgenommen worden sein, oder war sie doch nur eine normale Sünderin und vielleicht auch gar keine dauerhafte Jungfrau? Wozu brauchen wir Maria überhaupt, wenn doch Jesus Christus unser einziger Mittler zu Gott ist? Dieses Buch lässt keine der gängigen protestantischen Fragen ungeklärt!

 

Der Katholisch.com-Autor Stjepan Vucina ist dabei wie immer sehr direkt und zeigt dem Leser ohne großes Ausschweifen die biblischen Grundlagen für die katholische Marienfrömmigkeit. Mit seiner einfach verständlichen Sprache führt er den Leser anhand der Schrift zu Maria und scheut sich dabei auch nicht die Dinge beim Namen zu nennen.

 

Dieses Buch ist ein Muss für jeden katholischen Apologeten im deutsch-sprachigen Raum und ein ideales Geschenk für jeden Protestanten guten Willens. Ich habe viel aus den Schriften von Stjepan lernen dürfen und bin immer wieder überrascht, welche versteckten Schätze er aus der Heiligen Schrift hebt.

 

- Dennis B. Spiess -

 

 

 

 

 

2. DER PROTESTANTISCHE ANTIMARIANISMUS

2.1 Wie der Großteil der Protestanten zu Maria steht

 

Maria, die Mutter unseres Herrn Jesus Christus, ist das liebenswürdigste Geschöpf, voller Liebe, Güte und Barmherzigkeit, und doch wird sie im Protestantismus weitgehend abgelehnt und bekämpft. Dies drückt sich besonders in Beschimpfungen und auch in der Zerstörung ihrer Statuen aus. Bei manchen Protestanten mag es zwar so erscheinen, als hätten sie eine grundsätzlich positive Einstellung zu Maria, z.B. wenn sie über sie sagen, sie sei eine gläubige, fromme, ehrwürdige und großartige Frau gewesen, doch trügt der Schein, wenn man bedenkt, dass sie das äußerst selten sagen, und zwar immer nur dann, wenn sie die Marienverehrung angreifen. Sonst aber wird sie keines Blickes gewürdigt. Folglich halten diese Protestanten genauso wenig etwas von Maria, wie die anderen, die das offen und ehrlich sagen. Sie alle, bis auf einige Ausnahmen, mögen Maria nicht. Das sollte nicht so sein, weil auch das „erste Tier“ nach Offb 13,6 eine Abneigung gegen sie als einer Himmelsbewohnerin haben wird:

 

Und es tat sein Maul auf … zu lästern … die Bewohner des Himmels.“

 

Beachten wir dagegen Lk 1,28:

 

Und der Engel trat zu ihr (Maria) hinein und sprach: ‚Sei gegrüßt,

Kecharitomene, der Herr ist mit dir!“ (Lk 1,28)

 

Anders als das „erste Tier“ ist Gott mit Maria. Seien daher auch wir mit ihr, wie Gott mit ihr ist, statt, wie das „Tier“, gegen sie!

 

 

 

2.2 Ist die Mutter Jesu ein Hindernis zwischen uns und Gott?

 

Aufgrund der Ablehnung der Mutter Jesu sind die antimarianischen Protestanten grundsätzlich der Meinung, dass Maria Gottes Konkurrentin sei; sie würde mit Gott konkurrieren und daher zwischen ihm und uns einen Keil treiben und somit ein Hindernis darstellen. Deshalb sei Maria äußerst gefährlich. Man müsse sich vor ihr hüten. Dass das so wäre, steht aber nirgendwo in der Heiligen Schrift. Nirgendwo steht in der Heiligen Schrift, dass ein wahrer Christ einem anderen Menschen auf Gott hin ein Hindernis wäre, weshalb man ihn wie einen Dämon behandeln müsse. Stattdessen lesen wir in 1 Kor 12,22:

 

Das Auge kann nicht zur Hand sagen: ‚Ich brauche dich nicht‘, oder wiederum das Haupt zu den Füßen: ‚Ich brauche euch nicht.“

 

Alle wahren Christen brauchen einander, weil sie Glieder des Leibes Christi sind, also auch Maria, weil auch sie eine wahre Christin und somit ein Glied des Leibes ihres Sohnes ist. Diese Bibelstelle verneint also die antimarianische Philosophie, dass Maria als Glied des Leibes ihres Sohnes uns übrigen Gliedern seines Leibes ein Hindernis wäre! Ein Hindernis auf Gott hin sind Dämonen, aber nicht sie, nicht ein Glied des Leibes Christi! Die Glieder des Leibes Christi arbeiten für Christus, das Haupt, und für seine Ziele an einem Strang, und legen daher niemandem Steine in den Weg! Das bestätigt der Apostel Paulus auch in seinem Brief an die Hebräer:

 

Ihr seid vielmehr hingetreten … zu ungezählten Engeln … zu Gott … zu den Geistern der vollendeten Gerechten … zu Jesus ...“ (Hebr 12,22-24)

 

Der wahre Christ ist also hingetreten „zu den Geistern der vollendeten Gerechten“ im Himmel, also auch zu Maria, weil auch sie sich als wahre Christin im Himmel befindet! Somit ist jeder wahre Christ auch zu ihr hingetreten!

 

Diese Bibelstelle vermittelt uns noch den folgenden Aspekt: Unser Hingetreten Sein sowohl zu Gott und Jesus als auch zu seinen Engeln und Heiligen im Himmel wird in einem Zuge genannt und schließt somit jedes Hindernis zwischen uns und Gott durch die Engel und Heiligen und somit durch Maria aus! Wie 1Kor 12,21, so verneint auch diese Schriftstelle die protestantische Philosophie, dass die Engel und Heiligen, insbesondere Maria, ein Hindernis zwischen uns und Gott wären. Was dahingehend speziell Maria betrifft, wird das in den Evangelien nach Lukas und Johannes mehrfach bestätigt:

 

1. Nach Lk 1,26-27 sandte Gott seinen Engel zu Maria, um ihr anzukündigen, dass sie die Mutter seines Sohnes, des Messias, werden sollte. Maria stellte sich dem Willen Gottes nicht in den Weg, sondern sagte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort!“ (Lk 1,38)

 

2. Nachdem Maria zugestimmt hatte, eilte sie gemäß Lk 1,39 zu ihrer Base Elisabeth und begrüßte sie (Lk 1,40). Durch ihren Gruß und den Klang ihrer Worte erfüllte der Heiland Elisabeth und ihr Ungeborenes mit Heiligem Geist (Lk 1,41-44.15).

 

3. Nachdem Elisabeth von Heiligem Geist erfüllt worden war, pries sie Maria mit den Worten: „Gebenedeit bist du mehr als alle anderen Frauen“ (Lk 1,42). Maria beließ es aber nicht bei der eigenen Ehre, die ihr vom Heiligen Geist durch Elisabeth zuteilgeworden war, sondern sie pries ihrerseits Gott: „Hochpreist meine Seele den Herrn …“ (Lk 1,46-55)

 

4. Nach Joh 2,1 fand in Kana eine Hochzeitsfeier statt. Maria, Jesus und seine Jünger waren dort. Als der Wein ausgegangen war, sorgte Maria dafür, dass ihr Sohn dem Gastgeber geholfen hat. Das führte dazu, dass die Jünger an ihn glaubten (Joh 2,11).

 

5. Als Jesus seinen Leidensweg ging, um die Menschen zu erlösen, stellte sich Maria, seine Mutter, dem nicht in den Weg, wie das etwa Petrus im Namen der anderen Jünger versucht hat (vgl. Mt 16,22).

 

Alle fünf biblischen Zeugnisse bezeugen uns, dass Maria keineswegs Gottes Konkurrentin ist, sondern seine treue Magd, dass sie keinen Keil zwischen uns und ihm treibt und somit kein Hindernis für uns darstellt! Stattdessen ist sie als gläubige und treue Christin ein sehr wertvolles Glied des Leibes Christi, ihres Sohnes, das somit – gemäß 1 Kor 12,22 und Hebr 12,22-24 – nicht gehasst, verachtet, abgelehnt, erniedrigt, beschimpft und gelästert werden darf! Wer das dennoch tut, der widerstrebt dem Leib Christi, der nicht in Konkurrenz zu sich selbst steht!

 

 

 

2.3 Ist Maria wegen seltenen Erwähnungen im Neuen Testament unbedeutend?

 

Im Protestantismus betrachten Viele Maria entgegen der Heiligen Schrift nicht nur als Hindernis zwischen uns und Gott, sondern man hält sie auch für unbedeutend, weil in der Bibel nur wenig über sie berichtet würde. Denn je bedeutender eine Person sei, desto öfter würde Gott von ihr berichten. Hier wird die eigene Vorstellung einfach auf Gott übertragen: So, wie ich mir die Dinge vorstelle, so stellt sie sich Gott vor! Auf diese Weise werden sich nach den eigenen Begierden und Maßstäben eigene Gottesbilder geschaffen, die dem eigenen ICH entsprechen. Wie Gott jedoch wirklich ist, interessiert nicht viele! So schrieb mir einer dieser Protestanten in diesem Sinne:

 

Zu Maria gebe ich Ihnen mal einen Tipp. Nehmen Sie mal bitte Ihre Bibel und einen Marker und markieren Sie alles, was mit Maria zu tun hat, dann werden Sie feststellen, dass gar nicht so viel über sie in der Bibel steht.“

 

Doch Gott nimmt die Dinge anders wahr als ein antimarianischer Protestant. Er zählt nichts ab, außer die Sünden. Deshalb ist in seinem Schriftwort folgender Tatbestand zu verzeichnen: Über den Propheten Moses berichtet er über 500-mal, während er über den Propheten Johannes den Täufer unter 20-mal berichtet. Und doch ist der Täufer nach Mt 11,11 größer und bedeutender als Moses:

 

Wahrlich, ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.“

 

Es kommt also zwar für die antimarianischen Protestanten darauf an, wie oft über jemanden in der Bibel berichtet wird, aber nicht für Gott! Gott geht es um die Funktion einer Person. Hat eine Person, wie der Täufer, eine höhere, bedeutendere und erhabenere Funktion im Hinblick auf Christus, so ist sie größer, bedeutender und erhabener als eine Person, die eine niedrigere, nicht so bedeutende Funktion auf Christus hin besitzt.

 

Die Funktion des Täufers ist nun deshalb höher, bedeutender und erhabener als die des Moses, weil der Täufer im Gegensatz zu Moses der Vorläufer des Messias war. Seine große Aufgabe im Hinblick auf Christus bestand darin, die Juden auf sein Erscheinen vorzubereiten, und ihm auf diese Weise den Weg zu bereiten. Das war ein höherer und erhabenerer Dienst als der von Moses! Und so ist es auch mit der Mutter des Herrn: Als die Mutter des Messias, die ihn zur Welt brachte, hatte sie eine höhere, bedeutendere und erhabenere Funktion als der Täufer, der dem von ihr zur Welt gebrachten Messias

nur den Weg bereitete. Deshalb ist die Messias-Mutter größer, bedeutender und erhabener als der Messias-Wegbereiter, und somit größer als alle übrigen Propheten!

 

Die Anzahl der in der Bibel vorkommenden Erwähnungen hat mit alledem nichts zu tun! Das ist oberflächliche Schmalspur-Theologie antimarianischer Protestanten, die nicht so tief in Gottes Wort vorzudringen vermögen, um es klarer und deutlicher aufzufassen!

 

 

 

2.4 Mk 3,31-35: Lehnt Jesus seine Mutter als Mutter ab?

 

Der Antimarianismus geht bei vielen Protestanten so weit, dass sie ihn auf Jesus Christus projizieren und daher bestimmte Jesus-Aussagen in den Evangelien entsprechend begreifen, und dann froh sind, uns gläubigen Katholiken sagen zu können: „Seht, selbst Jesus war gegen seine Mutter eingestellt!“ Letztlich aber beruht auch hier wieder alles nur auf oberflächlicher Schmalspur-Theologie. Eine dieser Bibelstellen, die dafür herhalten muss, ist Mk 3,31-35. Dort steht:

 

Und es kamen seine Mutter und seine Brüder, blieben draußen stehen und schickten zu ihm, um ihn rufen zu lassen. Es umlagerte ihn eine Menge Volk, als man ihm sagte: ‚Siehe, deine Mutter und deine Brüder sind draußen und suchen dich.‘ Er antwortete ihnen: ‚Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?‘ Und er blickte auf die rings um ihn Sitzenden und sprach: ‚Seht meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter.'“

 

Hier sagen diese Protestanten, dass Jesus seinen Blick von seiner Mutter und seinen Brüdern ab- und seinen Jüngern und Jüngerinnen zuwenden und sich einzig zu ihnen als seinen Brüdern, Schwestern und Müttern bekennen würde. Er hätte Maria als Mutter abgewiesen. Somit hätte Maria für Jesus keine Bedeutung gehabt, weshalb sie auch für uns keine Bedeutung haben dürfe. Und genau das ist besagte oberflächliche Schmalspur-Theologie! Wenden wir uns daher von dieser unbrauchbaren Theologie ab

und der tiefgründigen Theologie zu:

 

1. Ein solches Verhalten, welches diese Protestanten Jesus zuweisen, widerspricht dem Eltern-Gebot, mit dem jedes Kind von Gott dazu verpflichtet wird, Vater und Mutter zu verherrlichen: „Du sollst Vater und Mutter verherrlichen, damit du lange lebst in dem Lande, das der Herr, dein Gott, dir gibt.“ (2 Mo 20,12) Hätte Jesus seine Mutter als Mutter abgelehnt und abgewiesen und durch seine Jüngerinnen ersetzt und sie dadurch entehrt und erniedrigt, dann hätte er das Gebot gebrochen und damit schwer

gesündigt, womit dann Gottes Wort Hebr 4,15, wonach Jesus ohne Sünde war, lügen würde. Da aber Gottes Wort Hebr 4,15 nicht lügt, wird Jesus seine Mutter nicht erniedrigt und ihr ihr Muttersein abgesprochen und sie durch seine Jüngerinnen ersetzt und damit entehrt und so das vierte Gebot

gebrochen und damit gesündigt haben, sondern sie immerfort verherrlicht haben!

 

2. Jesus selbst bezeugt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen aufzuheben, sondern in Erfüllung zu bringen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein einziges Jota oder ein einziges Häkchen vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.“ (Mt 5,17-18) Jesus sagte also selbst, dass er die Gebote vollständig erfüllt hat! Hätte Jesus seine Mutter als Mutter abgelehnt und abgewiesen und durch seine Jüngerinnen ersetzt und sie dadurch entehrt und erniedrigt, dann hätte er mit seinen Worten Mt 5,17-18 gelogen und in Anbetracht Punkt 1 somit doppelt schwer gesündigt. Da aber Gottes Wort Hebr 4,15 und Jesus Christus nicht lügen, wird er seine Mutter nicht erniedrigt und ihr ihr Muttersein abgesprochen und sie durch seine Jüngerinnen ersetzt und damit entehrt und so zwei Gebote gleichzeitig gebrochen und damit gesündigt haben, sondern sie immerfort verherrlicht haben!

 

3. Jesus sagte zu seinen Jüngern im Hinblick auf die Pharisäer: „Tut und befolgt darum alles, was sie euch sagen; aber nach ihren Werken richtet euch nicht. Denn sie reden zwar, handeln aber nicht danach.“ (Mt 23,3) Jesus fordert seine Jünger mit diesen Worten auf, alles zu befolgen, was ihnen die Pharisäer sagen, nämlich die mosaischen Gebote, und somit das Eltern-Gebot zu befolgen. Wird nun Jesus wie ein Pharisäer gewesen sein, der von den Menschen verlangt, dass sie das Eltern-Gebot erfüllen, während er es selbst gebrochen hat? Unmöglich! Deshalb wird er seine Mutter nicht erniedrigt und ihr ihr Muttersein abgesprochen und sie durch seine Jüngerinnen ersetzt und damit entehrt und so zwei Gebote gleichzeitig gebrochen und damit gesündigt haben, sondern sie immerfort verherrlicht haben!

 

4. Jesus sagte zu den Pharisäern: “Warum übertretet ihr selbst Gottes Gebot um eurer Überlieferung willen? Gott hat doch geboten: ‚Du sollst Vater und Mutter verherrlichen!‘, und: ‚Wer Vater oder Mutter schmäht, soll des Todes sterben‘. Ihr aber sagt: ‚Wer zu Vater oder Mutter sagt: Was dir von mir zugutekommen sollte, erkläre ich zur Opfergabe!‘, der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht mehr zu verherrlichen. So setzt ihr Gottes Gebot um eurer Überlieferung willen außer Kraft.” (Mt 15,1-6) Wird nun Jesus ein Super-Pharisäer gewesen sein, da er den Pharisäern hier etwas vorhielt, was er selbst getan hat? Unmöglich! Deshalb wird er seine Mutter nicht erniedrigt und ihr ihr Muttersein abgesprochen und sie durch seine Jüngerinnen ersetzt und damit entehrt und so zwei Gebote gleichzeitig gebrochen und damit gesündigt haben, sondern sie immerfort verherrlicht haben!

 

Wir sehen, dass das Eltern-Gebot, Gottes Wort Hebr 4,15 und Jesu eigene Worte unter Punkt 2, 3 und 4 es nicht erlauben, anzunehmen, dass er mit seiner Reaktion und seinen Worten Mk 3,31-35 seine Mutter als Mutter abgewiesen und abgelehnt, ihr ihr Muttersein abgesprochen und sie durch seine Jüngerinnen ersetzt haben konnte. Er hat das besagte Gebot allzeit bis zur äußersten Neige erfüllt! Deshalb sind seine Reaktion und seine Worte Mk 3,31-35 gänzlich anders zu verstehen, als die antimarianischen Protestanten meinen. Und wie das im Lichte des bisher Dargelegten nun richtig zu verstehen ist, ist ganz einfach:

 

Die Mutter Jesu und seine Brüder wollten Jesus wieder sehen und mit ihm reden (Lk 8,19-20, Mt 12,46-47), was ja ganz normal ist, wenn ein geliebter Angehöriger einige oder längere Zeit fort war. Aus genau diesem Grund suchten sie das Haus auf, in dem sich Jesus befunden hat. Als man Jesus dann mitgeteilt hat, dass Draußen seine Mutter und seine Brüder stünden, die nach ihm verlangten, konnte er diese Situation nutzen und auf dieser entstandenen Basis, die ihre Ursache in der Liebe seiner Angehörigen

zu ihm hatte, ansetzen und von hier aus jene Anwesenden, die nicht zu seiner Jüngerschar gehörten, geschickt auf seine anwesenden Jünger und Jüngerinnen verweisen, um sie dann über diese Jünger und Jüngerinnen zu motivieren, in ihre Fußstapfen zu treten und ihm so, wie sie, Jünger und Jüngerinnen und so geistige Brüder, Schwestern und Mütter zu werden. Christus wollte hier also nichts anderes, als neue Jünger und Jüngerinnen gewinnen! Um nichts anderes ging es ihm! Das bedeutet, dass Jesus jede Gelegenheit nutzte, um Jünger und Jüngerinnen zu gewinnen, und nicht,

um seine Mutter (grundlos) als Mutter abzulehnen! Sein Ziel war nicht, seine Mutter als Mutter abzulehnen, und damit Gottes Eltern-Gebot zu brechen und somit zu sündigen, sondern Seelen zu gewinnen! Und genau dafür bot sich ihm in diesem Fall die Situation mit seinen Angehörigen an, die ja erst aufgrund ihrer Liebe zu ihm diese Situation zu dieser direkten Missionierung ermöglicht haben! Ohne sie und ihre Liebe hätte Jesus die Anwesenden nicht einladen können, seine Jünger und Jüngerinnen zu werden! Ohne sie wäre diese Missionierung nicht möglich gewesen! Wie viele der besagten Anwesenden er nun Dank seiner Mutter und seinen Brüdern zu seinen Jüngern und Jüngerinnen machen konnte, teilt uns die Heilige Schrift nicht mit!

 

Wenn also Jesus die Anwesenden, die nicht zu seiner Jüngerschar gehörten, eingangs rhetorisch fragt: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?“ und sie anschließend auf seine geistigen Mütter und Brüder verweist, dann verweist er auf das Wichtigste: Den Willen Gottes tun! Denn genau dies war es ja, was seine Mutter erst zu seiner leiblichen Mutter gemacht hat: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38) Dadurch, dass Maria als Gottes Magd immer den Willen Gottes tat, war sie allzeit Jesu geistige Mutter! Erst diese ihre geistige Mutterschaft hat es dann ermöglicht, dass sie seine leibliche Mutter wurde! Und so ist sie ihm im Gegensatz zu seinen Jüngerinnen doppelt Mutter, weshalb dann der Heilige Geist durch Elisabeth zu ihr sprach: „Selig, die geglaubt hat, dass in Erfüllung geht, was ihr gesagt worden ist vom Herrn.“ (Lk 1,45) Eine oberflächliche Schmalspur-Theologie nützt nichts! Mit ihr wird man biblisch nie weiterkommen, sondern stattdessen nur irreführende, wirre und der Heiligen Schrift widersprechende Lehren produzieren!

 

 

 

2.5 Lk 11,27: Verneint Jesus die Seligkeit seiner Mutter?

 

Die andere Bibelstelle, mit der man Jesus als Antimarianisten darstellen will, ist Lk 11,27 im folgenden Wortlaut:

 

Da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und sprach zu ihm: Selig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast! Er aber sprach: Vielmehr selig, die das Wort Gottes hören und befolgen.“

 

Man sagt, mit seinem benutzten Wort „vielmehr“ habe Jesus die Seligsprechung seiner Mutter verneint; denn es seien, so Jesus, vielmehr die selig, die, anders als seine Mutter, „das Wort Gottes hören und befolgen.“ Somit habe Jesus gesagt, dass Maria Gottes Wort nicht gehört und befolgt habe, weshalb sie nicht selig sei. Unabhängig davon, dass Jesus seine Mutter niemals in aller Öffentlichkeit, vor allen Leuten schlecht gemacht und bloßgestellt und so das Eltern-Gebot gebrochen und damit gesündigt hätte, heißt es gemäß dem griechischen Text in Wirklichkeit:

 

Da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und sprach zu ihm: Selig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast! Er aber sprach: Gewiss, selig, die das Wort Gottes hören und befolgen.“

 

Denn das griechische Wort „menoun“ ist kein verneinendes Wort, sondern ein bejahendes und bedeutet „gewiss“. Jesus Christus bestätigt also mit dem von ihm benutzen Wort „gewiss“ die Seligsprechung seiner Mutter durch jene Frau. Sie ist selig, weil sie dem Willen Gottes, dass sie die Mutter seines Sohnes sein sollte, zustimmte:

 

Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort!“ (Lk 1,38)

 

Weil Maria Gottes Wort – vermittelt durch den Engel – hörte und ihm zustimmte, wurde sie selig, was dann der Heilige Geist durch Elisabeth bestätigt hat:

 

Selig, die geglaubt hat, dass in Erfüllung gehen wird, was ihr gesagt worden ist vom Herrn.“ (Lk 1,45)

 

Hier sehen wir, wie der Herr mit dem Heiligen Geist korrespondiert und gemäß dem Elterngebot seine Mutter öffentlich vor allen anwesenden Leuten geehrt, gewürdigt und verherrlicht hat, so, wie es sich für ein gutes Kind gehört! Wenn dann Jesus nach seiner Bestätigung der Seligkeit seiner Mutter mit dem Wort „gewiss“ dann noch sagt: „selig, die das Wort Gottes hören und befolgen“, dann erweitert er mit diesen Worten die Seligkeit auch auf alle übrigen Menschen, die Gottes Wort hören und befolgen.

 

Wir sehen: Von einer Nicht- oder Unseligkeit Mariens findet sich in Lk 11,27 keine Spur! Dieser merkwürdige Gedanke beruht auf einer Bibelfälschung, bei der man das Wort „menoun“ („gewiss“) unterschlägt. Diese Bibelfälschung hat ihre Ursache im Antimarianismus!

 

Aber man beachte auch hier: Jesus beschränkt sich, wie aufgezeigt, seinen Zuhörern gegenüber nicht allein auf die Seligkeit seiner Mutter, sondern auch auf die Seligkeit aller übrigen Wort-Gottes-Befolger. Mit dieser erweiterten Aussage lädt er auch diesmal seine Zuhörer ein, diese Seligkeit anzustreben! Hätte sich jene Frau wie ein Antimarianist verhalten, und daher Maria nicht seliggesprochen, hätte Jesus diese Evangelisierung nicht vornehmen können! Der Antimarianismus erweist sich damit als sehr hinderlich für Gottes Ziele, der Marianismus hingegen sehr förderlich, womit wir sehen, dass Maria und die Marienverehrung kein Hindernis zwischen Gott und den Menschen darstellen!

 

 

 

2.6 Lk 11,27: Stellt Jesus seine Mutter auf dieselbe Stufe mit uns?

 

Die genannte Bibelstelle wird von anderen antimarianischen Protestanten anderweitig gebraucht, um Maria zu erniedrigen, weil diese Protestanten nicht so weit gehen wollen, dass griechische Wort „menoun“ zu unterschlagen. So schrieb mir einer von diesen Protestanten:

 

Dass jedoch Maria selbst irgendeine besondere Bedeutung hätte, wird schlagend dadurch widerlegt, welchen Stellenwert Jesus selbst dem ‚Marienlob‘ in Lukas 11,27 einräumt: ‚Da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und sprach zu ihm: Glückselig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast! Er aber sprach: Gewiss, glückselig, die das Wort Gottes hören und befolgen.‘ Anders gesagt: Jeder, der das Wort Gottes hört und befolgt, wird hier von Jesus ausdrücklich auf die gleiche Stufe wie Maria gestellt. Jesus sagt lapidar, dass Maria nicht ‚glückseliger‘ ist als alle anderen, die Gottes Wort hören und befolgen.“

 

Und genau das stimmt nicht:

 

1. Mit seiner Erweiterung auf alle übrigen Personen, die Gottes Wort hören und befolgen, geht es Jesus nicht darum, seine Mutter zu erniedrigen, sondern, wie im vorhergehenden Text dargelegt, die Zuhörenden dazu einzuladen, der Gruppe der Seligen, der Geretteten, beizutreten. Jesus nutzte jede Möglichkeit und jede Gelegenheit, so viele Menschen, wie nur möglich, für Gott zu gewinnen, und nicht, um seine Mutter zu erniedrigen! Wer das im letztgenannten Sinn begreift, statt im erstgenannten Sinn, hat von Gott, seinem Willen und seiner Botschaft nichts verstanden!

 

2. Jesus spricht gemäß Lk 11,27 nicht vom Seligkeitsgrad, den angeblich alle wahren Christen in gleichem Maße hätten, sondern von der Seligkeit, die sie alle haben. Jesu Worten zufolge sind also alle wahren Christen, und somit auch seine Mutter, selig. Dass aber alle wahren Christen den gleichen Seligkeitsgrad hätten, darüber äußert sich Jesus ganz einfach nicht. Da Jesus gemäß Lk 11,27 nicht vom Seligkeitsgrad spricht, so ist aus seinen Worten nicht ersichtlich, dass alle wahren Christen denselben Seligkeitsgrad wie seine Mutter hätten und damit auf derselben Stufe mit ihr stünden. Dieser Sachverhalt ist hier völlig offen, so dass keiner sagen kann, dass jeder, der das Wort Gottes hört und befolgt, auf derselben Stufe mit seiner Mutter stünde, vor allem vor dem Hintergrund, dass nicht alle, die das Wort Gottes hören und befolgen, es in gleichem Maße hören und befolgen, weshalb der Apostel Paulus ausdrücklich zwischen den in der Heiligkeit unvollendeten Gerechten und den in der Heiligkeit vollendeten Gerechten unterscheidet. In Hebr 12,22-24 schreibt er:

 

Ihr seid vielmehr hingetreten … zum himmlischen Jerusalem … zu den Geistern der vollendeten Gerechten …“

 

Paulus spricht hier von diesen Himmelsbewohnern nicht als von „den vollendeten Gerechten“, sondern als von „den Geistern der vollendeten Gerechten“, um sie zu unterscheiden von dem, was sie jetzt im Himmel sind, nämlich Geister, und von dem, was sie einst auf Erden waren, nämlich vollendete Gerechte, womit er impliziert, dass es auf der Erde auch unvollendete Gerechte gibt, d.h. Gerechte, die im Gegensatz zu den vollendeten Gerechten in ihrer Heiligkeit unvollendet sind, weshalb er die unvollendeten Gerechten mahnt:

 

Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, wollen wir uns von aller Befleckung des Fleisches und auch des Geistes reinigen und unsere Heiligung in der Furcht Gottes vollenden.“ (2 Kor 7,1)

 

Somit sind die vollendeten Gerechten aufgrund ihrer vollkommenen Befolgung des Wortes Gottes seliger als die unvollendeten Gerechten aufgrund ihrer unvollkommenen Befolgung, und stehen aufgrund dessen auf einer höheren Stufe als die unvollendeten. Und selbst unter den unvollendeten Gerechten gibt es Abstufungen, weil unter ihnen die einen das Wort Gottes besser befolgen als die anderen:

 

1. Beispiel: Es gibt „unvollendete Gerechte“, die andere Menschen wegen ihres anderen Glaubens hassen und verachten, weshalb sie sie nonstop angreifen, diskriminieren, erniedrigen, beschimpfen und beleidigen und allerlei Lügen über sie erfinden und verbreiten, und damit Gottes Wort, seine Gebote, brechen! Dann gibt es noch unvollendete Gerechte, die so etwas Böses überhaupt nicht tun. Diese unvollendeten Gerechten sind aus diesem Grund seliger und auf einer weit höheren Stufe als die erstgenannten „unvollendeten Gerechten“, die noch zutiefst fleischlich sind.

 

2. Beispiel: Es gibt „unvollendete Gerechte“, die andere Menschen wegen ihren Sünden hassen und verachten und sie wegen diesen Sünden richten, verurteilen und verdammen und an den Pranger stellen und Steine auf sie werfen, vor allem, wenn es sich bei diesen Menschen, die von ihnen an den Pranger gestellt werden, um deren angebliche Feinde oder Gegner handelt, die sie auf diese Weise so schlecht wie möglich präsentieren wollen, um sie zu diskriminieren und damit Gottes Wort, sein Gebot, zu brechen, welches sagt: „Richtet nicht!“. Dann gibt es noch unvollendete Gerechte, die so etwas Böses überhaupt nicht tun. Diese unvollendeten Gerechten sind aus diesem Grund seliger und auf einer weit höheren Stufe als die erstgenannten „unvollendeten Gerechten“, die noch zutiefst fleischlich sind.

 

3. Beispiel: Es gibt „unvollendete Gerechte“, die sich über die Engel und vollendeten Gerechten, die Heiligen, erheben und sie deshalb nonstop erniedrigen und klein und gering und bedeutungslos machen. Sie selbst wollen die Größten im Universum sein. Dann gibt es noch unvollendete Gerechte, die so etwas Böses überhaupt nicht tun, sondern sich über ihre Vollendung freuen. Diese unvollendeten Gerechten sind aus diesem Grund seliger und auf einer weit höheren Stufe als die erstgenannten „unvollendeten Gerechten“, die noch zutiefst fleischlich sind.

 

Wie wir sehen, gibt es die unterschiedlichsten Seligkeitsgrade, die sich aus der jeweiligen Befolgung des Wortes Gottes, der heiligen Gebote, ergeben. Wer Gottes Wort, die Gebote, nun besser befolgt, und wer nicht, diese Frage stellt sich Jesus in Lk 11,27 nicht! Ihm geht es an dieser Stelle allein darum, die Außenstehenden in den Kreis der Seligen einzuladen, um sie erst einmal für Gott zu gewinnen! Welchen Seligkeitsgrad sie dann erreichen werden, ist vor diesem Hintergrund unbedeutend! Hauptsache sie sitzen erst einmal im sicheren Boot! Das ist hier das Augenmerk Jesu, und nicht die Erniedrigung seiner Mutter!

 

 

 

2.7 Joh 2,4: Hat Jesus seine Mutter wie den Teufel behandelt?

 

Die letzte Bibelstelle, die von vielen antimarianischen Protestanten gegen Maria verwendet wird, ist Joh 2,4. Gemäß dieser Stelle habe Jesus zu seiner Mutter die folgenden furchtbaren Worte gesprochen:

 

Frau, was habe ich mit dir zu schaffen?“ (Joh 2,4)

 

So, wie Jesus mit dem Teufel nichts zu tun und zu schaffen hatte (vgl. Mt 4,1-11), so hätte er auch mit seiner Mutter nichts zu tun und zu schaffen gehabt. Und als ob diese schlimme Sünde, die gegen das Elterngebot verstößt, nicht ausgereicht hätte, hätte Jesus gegenüber seiner Mutter noch eins draufgesetzt, indem er sie nicht mit „Mutter“, sondern mit „Frau“ angeredet hätte, um seinem Ausdruck, dass er mit ihr, wie mit dem Teufel, nicht zu tun und zu schaffen hätte, Nachhaltigkeit zu verleihen. Was ist dran an dieser unschönen Reaktion, die einem, dem das Elterngebot ins Herz geschrieben ist (5 Mo 6,6, Ez 11,19-20), das Blut in den Adern gefrieren lässt? Dieser Frage gehe ich jetzt nach.

 

Das Neue Testament liegt uns in Altgriechisch vor, und nicht in Deutsch. Deshalb ist nicht eine angebliche Übersetzung interessant, sondern der griechische Text; und siehe da, dort lesen wir etwas ganz anderes, nämlich: „ti emoi kai soi“ = „Was mir und dir?“ Da ist man erstaunt! Eine völlig andere Aussage als die, die wir in protestantischen Bibeln finden! Die Phrase „Was mir und dir?“ war in biblischen Zeiten eine Redewendung, mit der man demjenigen, dem gegenüber man positiv eingestellt war, Respekt und Hochachtung zollte, und demjenigen, dem gegenüber man ablehnend eingestellt war, eine Ablehnung zum Ausdruck brachte! Dies möchte ich zur Verdeutlichung an einigen Bibelstellen aufzeigen: So z.B. benutzte der Hethiter Ephron diese Redewendung gegenüber Abraham, dem er äußerst positiv gesinnt war:

 

Nicht doch, mein Herr, höre mich an! Ein Stück Land, das 400 Silberstücke wert ist, was mir und dir?“ (1 Mo 23,15)

 

Auch einer der größten Propheten – Elias – benutzte diese Redewendung, und zwar gegenüber Elischa, den er soeben zu seinem Prophetenjünger berufen hat:

 

Als er (Elias) von dort weggegangen war, traf er Elischa … Elias trat zu ihm heran und warf seinen Mantel über ihn (er berief ihn zu seinem Jünger). Sogleich … eilte er Elija nach und sagte: ‚Ich möchte nur noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben, dann will ich dir folgen. Jener antwortete ihm: ‚Geh hin, kehre um, was mir und dir?‘ Dann wandte er (Elischa) sich um und ging weg … Dann machte er sich auf, folgte Elias nach und wurde sein Diener.“ (1 Kön 19,19-20)

 

Mit seinen Worten „Geh hin, kehre um, was mir und dir?“ zollte der Prophet seinem von ihm soeben berufenen Jünger Respekt und Hochachtung, weil dieser das Elterngebot erfüllt hat! Elischa liebte seine Eltern und wollte ihnen gegenüber nicht gleichgültig sein und einfach so frech aus ihrem Leben verschwinden, ohne dass sie wüssten, was mit ihm geschehen ist, und ihnen dadurch unnötige Ängste und Sorgen zu bereiten. So dermaßen böse und respektlos verhält man sich in Anbetracht des Elterngebots seinen Eltern gegenüber einfach nicht! So etwas macht man nicht! Deshalb hat der Prophet die gute, vorbildliche Einstellung und Gesinnung Elischas im Hinblick auf das Elterngebot mit seinen Worten „Geh hin, kehre um, was mir und dir!“ hoch gewürdigt! Elischa freute sich über diese Worte des Propheten, kehrte um, verabschiedete sich von seinen Eltern, ging dann von ihnen weg und folgte dem Propheten nach und wurde später sein ihn stellvertretender Nachfolger, der in seinem Geist und in seiner Kraft weiterwirkte!

 

In anderen Fällen wurde diese Redewendung wiederum negativ, ablehnend und zurückweisend verwendet, wie z.B. vom soeben berichteten Propheten Elischa gegenüber dem König von Israel:

 

Elischa aber sprach zum König von Israel: ‚Was mir und dir? Geh zu den Propheten deines Vaters und deiner Mutter!‘ Doch der König von Israel antwortete ihm: ‚Nicht doch! …“ (2 Kön 3,13)

 

In welchem Sinn hat nun Jesus diese Worte gebraucht? Auf dieselbe Weise, wie Ephron und Elias, oder auf jene Weise, wie Elischa? Diese Frage ist einfach zu beantworten, wenn man (a) die Heilige Schrift kennt und (b) im Heiligen Geist weiß, was gut und was schlecht ist:

 

1. Die Schrift bezeugt über Jesus, dass er ohne Sünde war (Hebr 4,15)! Jesus hat, anders als es die besagten antimarianischen Protestanten darstellen, nicht gesündigt, weshalb er seine Mutter auf der Hochzeit zu Kana nicht abgelehnt und zurückgewiesen, sondern verherrlicht hat!

 

2. Jesus sagte, er habe die Gebote und somit das Gebot, Vater und Mutter zu verherrlichen, erfüllt (Mt 5,17-18). Jesus war, anders als es die besagten antimarianischen Protestanten darstellen, kein Lügner, weshalb er seine Mutter auf der Hochzeit zu Kana nicht abgelehnt und zurückgewiesen, sondern verherrlicht hat!

 

3. Er hielt den Pharisäern vor, dass sie das Eltern-Gebot brechen (Mt 15,3-5). Er war, anders als es die besagten antimarianischen Protestanten darstellen, kein Heuchler, kein Super-Pharisäer, weshalb er seine Mutter auf der Hochzeit zu Kana nicht abgelehnt und zurückgewiesen, sondern verherrlicht hat!

 

4. Wenn wir Joh 2,1-3 präzise lesen, statt oberflächlich, stellen wir fest, dass die Mutter Jesu auf der Hochzeit zu Kana nichts Böses getan hat. Sie praktizierte Nächstenliebe, indem sie an die Hochzeitsgäste und an den Gastgeber dachte, der aufgrund des fehlenden Weines ein Riesenproblem hatte. Des Weiteren bezeugte sie ihren Glauben an ihren göttlichen Sohn, indem sie glaubte, dass nur er in dieser ausweglosen Situation helfen könne, weshalb sie ihn auf die entstandene Problematik aufmerksam machte, damit er in seiner göttlichen Weisheit und mit seiner Allmacht einschreiten und

helfen wolle!

 

Alle diese vier Punkte, besonders der letzte Punkt, zeigen, dass Jesus die besagte Redewendung gegenüber seiner Mutter im positiven Sinn gebraucht hat. Er zollte ihr wegen ihrer Nächstenliebe und ihrem Glauben Respekt und Hochachtung, und keine Ablehnung und Zurückweisung, wie beim Teufel (Mt 4,10)! Aus diesem Grund ist auch der Titel „Frau“, mit dem Jesus seine Mutter bezeichnet, nicht ablehnend und zurückweisend gemeint, sondern verherrlichend, was auch besonders gut in Joh 19,26 zu sehen ist:

 

Als nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger, den er liebte, sprach er zu seiner Mutter: 'Frau, siehe dein Sohn!““

 

Ausdrücklich bezeugt der Heilige Geist durch Johannes, dass Maria nach wie vor Jesu Mutter ist, weshalb man nicht sagen kann, dass Jesus mit dem Titel „Frau“ seine Mutter als Mutter ablehnen wollte. Denn dann wäre hier der Heilige Geist, der Johannes bei der Niederschrift dieses Verses inspirierte, gegen Jesus positioniert. Doch der Heilige Geist ist mit Jesus eines Sinnes, weshalb Jesu Betitelung seiner Mutter mit „Frau“ in einem anderen, im positiven Sinn zu verstehen ist, in welchem dieser Titel ihre Mutterschaft nicht ablehnt! Ihre Mutterschaft ist somit in dem Titel „Frau“ inbegriffen! Und das ist auch aus einem anderen Grund so, weil Jesus nicht fleischlich dachte, wie ein Sünder, der das Elterngebot bricht, sondern biblisch, wie ein Gerechter, der das Elterngebot erfüllt! Er dachte, als er seine Mutter mit „Frau“ anredete, an die von seinem himmlischen Vater in 1 Mo 3,15 gegebene Weissagung, die ihn und seine Mutter ankündigte:

 

Und Gott, der Herr, sprach zur Schlange: ‚… Feindschaft werde ich stiften zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen …“

 

Mit der Bezeichnung seiner Mutter mit dem Titel „Frau“ hat Jesus sie zur großen Frau der Verheißung erhoben, die in universeller Feindschaft mit Satan steht! Er ist stolz auf sie! Er ist stolz darauf, ihr Same, ihr Kind, zu sein! Ihre Mutterschaft ist in dieser Bezeichnung inbegriffen, weil sie – die Frau – hier als die Mutter ihres Samens, des Messias, offenbart ist! Besser konnte Jesus seine Mutter nicht verherrlichen, um Gottes Elterngebot bis zur äußersten Neige zur Erfüllung zu bringen! Denn was ist von seiner hohen Warte aus gesehen schon dabei, die eigene Mutter mit „Mutter“ anzureden? Nichts! Denn das tun ja selbst die Heiden gegenüber ihren Müttern! Deshalb wollte er, um das Gebot bis zur Neige zu erfüllen, seine Mutter nicht mit dem profanen Alltagstitel „Mutter“ anreden, sondern ihr etwas Besseres geben, sie mit ihrem “messianischen” Hoheitstitel „Frau“ anreden, den ihr sein Vater nach dem Sündenfall Evas gab!

 

Jesus Christus verherrlicht seine Mutter auf der Hochzeit zu Kana von A – Z und bringt so, wie er es nach Mt 5,17-18 später selbst bezeugt hat, das Elterngebot bis zur äußersten Neige zur Erfüllung! Er sollte unser Vorbild sein!

 

 

 

2.8 Satans Wasserstrom gegen Maria

 

In 1 Mo 3,14-15 lesen wir: „Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: … Feindschaft werde ich stiften zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen …“ Dieser Vers ist, was Maria und den Antimarianismus betrifft, sehr aufschlussreich. Gott spricht von der Frau und ihrem Samen, wobei Gott die Frau als Satans Widersacherin einsetzt. Diese Frau wird nun von vielen Protestanten als die sog. „Gemeinde“ oder als Israel aufgefasst, obwohl biblisch gesehen nichts darauf hindeutet. Sie unterstellen das einfach! Was sagt aber die Heilige Schrift, wer diese Frau, Satans Widersacherin, ist? Die Offenbarung nach Johannes greift 1 Mo 3,15 mit folgenden Worten auf:

 

(1) Ein großes Zeichen erschien im Himmel: eine Frau, mit der Sonne umkleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. (2) Sie war gesegneten Leibes … (5) Und sie gebar ein Kind, einen Knaben, der alle Völker hirten wird mit eisernem Stabe. (6) Doch es wurde ihr Kind entrückt zu Gott und zu seinem Thron.

[…]

(13) Als der Drache sah, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte. (14) Der Frau aber wurden die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, so dass sie in die Wüste fliegen konnte, an ihren Ort (der Kirche Christi), wo sie Unterhalt bekommt eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit, weit weg von der Schlange. (15) Und die Schlange schleuderte aus ihrem Rachen hinter der Frau Wasser her, gleich einem Strom, um sie vom Strom wegschwemmen zu lassen; (16) doch die Erde kam der Frau zu Hilfe: die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom … (17) Da wurde der Drache zornig über die Frau und machte sich auf, Krieg zu führen mit den übrigen ihres Samens, mit denen, die Gottes Gebote erfüllen und festhalten am Zeugnis Jesu …“

 

Nach Offb 12 ist die Frau aus 1 Mo 3,15 diese sonnengehüllte und sternengekrönte Frau, die nach Offb 12,13-16 mit Satan in Feindschaft steht. Ihr Same, von dem in 1 Mo 3,15 die Rede ist, ist ihr Sohn in Offb 12,5-6, sowie der Rest ihres Samens in Offb 12,17, die Christen, die, „die Gottes Gebote erfüllen und festhalten am Zeugnis Jesu“ (vgl. Lk 11,27). Schon hier wird deutlich, dass es sich bei der Frau nicht um die sog. „Gemeinde“ handelt, weil die „Gemeinde“ hier in Vers 17 vergeben ist. Die „Gemeinde“

ist der Rest des Samens der Frau, nicht die Frau.

 

Auch wenn hier 1 Mo 3,15 aufgegriffen und entfaltet wird, wird immer noch nicht direkt mitgeteilt, wer die Frau ist. Doch das wird hauptsächlich über andere Bibelstellen ersichtlich. Lassen wir deshalb die Bibel selbst sprechen:

 

1. In Offb 12 werden die Frau, ihr Sohn, ihre geistigen Kinder, Satan, seine Engel, der Erzengel Michael und seine Engel genannt. Äußerst unwahrscheinlich, dass hier unter den Personen gerade die Frau keine Person sei!

 

2. In der Offenbarung werden uns drei Frauen präsentiert, die Frau in Offb 12, die Frau auf dem scharlachroten Tier (Offb 17 u. 18) und die Frau des Lammes (Offb 19 u. 21). Hier beobachten wir, dass in der Offenbarung jene Frauen, die keine Personen sind, umgehend als das bezeichnet werden, was sie symbolisch darstellen: die Frau auf dem scharlachroten Tier (Hure Babylon) ist eine irdische Siebenhügelstadt; und die Frau des Lammes ist das himmlische Jerusalem. Nur die Frau in Offb 12 bekommt keine solche Zuweisung, weil sie ganz einfach das ist, was sie ist: eine Person, die den Knaben empfangen hat und schließlich gebiert, welcher alle Völker hirten wird mit eisernem Stabe.

 

3. Nach Offb 12,5 gebiert diese Frau einen Sohn, der alle Völker hirten wird mit eisernem Stabe; und ihr Sohn, der alle Völker hirten wird mit eisernem Stabe, ist nach Offb 19,11-15 der Logos; und der Logos ist nach Joh 1,1-14 Jesus Christus, und Jesus Christus ist nach Mt 1,16 von Maria, seiner Mutter,

empfangen und geboren worden, wie das in Offb 12,1-5 bezeugt ist, womit sich hier der Kreis schließt.

 

4. Des Weiteren bezeichnet der Apostel Johannes in Offb 12,1 die schwangere himmlische Frau, die Christus empfangen hat und gebiert, als “großes Zeichen” und knüpft so an Jes 7,14 an, wo eben diese schwangere Frau wiederum als “Zeichen” bezeichnet wird, und der Apostel Matthäus diese Jesaja-Stelle in der schwangeren Maria erfüllt sieht (Mt 1,22-23). Auch hier schließt sich der Kreis!

 

So enthüllt uns die Heilige Schrift selbst, wer die Frau in Offb 12 ist: Maria, die Mutter des Herrn, und nicht die sog. „Gemeinde“ oder Israel. Maria ist gemäß der Bibel also die in 1 Mo 3,15 genannte Frau. Von ihr sagt Gott, dass sie Satans Widersacherin ist; und weil sie in feindlicher Opposition zu Satan steht, verfolgt dieser sie:

 

Als der Drache sah, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte. Der Frau aber wurden die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, so dass sie in die Wüste fliegen konnte, an ihren Ort (der Kirche Christi), wo sie Unterhalt bekommt eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit, weit weg von der Schlange. Und die Schlange schleuderte aus ihrem Rachen hinter der Frau Wasser her, gleich einem Strom, um sie vom Strom wegschwemmen zu lassen; doch die Erde kam der Frau zu Hilfe: die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom …“ (Offb 12,13-16)

 

Satan hasst Maria und versucht sie durch den „Wasserstrom“ aus seinem Rachen wegzuschwemmen, und zwar, weil sie seine Feindin ist, weil sie ihm und seinen Zielen gefährlich ist. Aus seinem Inneren, aus seinem Wesen, kommt also dieser „Wasserstrom“, um Maria zu vertilgen. Dieser „Wasserstrom“ aus Satans Inneren ist der Antimarianismus. Mit ihm versucht Satan Maria, seine Feindin, innerhalb der Christenheit „wegzuschwemmen“, damit in der Christenheit nichts mehr von ihr übrig bleibt, und er eine vollkommen freie Fahrt hat! Doch Satan wird sein Ziel, Maria in der Christenheit „wegzuschwemmen“, nicht erreichen; denn symbolhaft heißt es, dass die „Erde“ ihren „Mund“ auftun und den Antimarianismus „verschlingen“ wird:

 

„… doch die Erde kam der Frau zu Hilfe: die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom …“ (Offb 12,16)

 

Das bedeutet das Ende des Antimarianismus und den Triumph Mariens über Satan, ihren Feind, für die Ziele ihres Samens, des Messias.

 

 

 

2.9 Der antimarianische Protestantismus vom Propheten Simeon prophezeit

 

Für die antimarianischen Protestanten ist die Mutter des Herrn ein Stein des Anstoßes. Diese Protestanten lehnen sie entgegen der Heiligen Schrift ab und erniedrigen sie und bekämpfen sie ohne Grund. Und genau das ist in der Heiligen Schrift, genau genommen vom Propheten Simeon, prophezeit worden; er sprach zu Maria:

 

(34) Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. (35) Aber auch durch deine Seele wird eine Klinge dringen. Damit sollen die Gedanken aus vielen Herzen enthüllt werden.“ (Lk 2,34f.)

 

Die letzten beiden Sätze dieser Prophezeiung besagen, dass „die Gedanken aus vielen Herzen“ dadurch enthüllt werden würden, dass durch die Seele Mariens eine Klinge dringt, also eine Klinge, die ihre Seele zutiefst verwundet. In Verbindung mit dem letzten Satz bedeutet das, dass ihr das durch die Lieblosigkeit vieler Menschen zuteil würde. Deren Lieblosigkeit werde Mariens Seele wie eine Klinge verwunden. Um diese Prophezeiung Gottes zunichtezumachen, hat man sich daran gemacht, den letzten Satz in Vers 35 vom ersten Satz in demselben Vers abzukoppeln, und zwar dadurch, dass man den ersten Satz von Vers 35 in Klammern setzt oder als Einschub kennzeichnet, oder willkürlich zum letzten Satz macht; hier drei Beispiele:

 

Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. (Aber auch durch deine Seele wird eine Klinge dringen.) Damit sollen aus vielen Herzen die Erwägungen enthüllt werden.“ (Konkordantes Neues Testament – Protestantisch)

 

Siehe, dieser ist bestimmt zum Fall und zum Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen -, damit offenbar werden die Gedanken aus vielen Herzen.“ (Hamp, Stenzel, Kürzinger)

 

Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ (Einheitsübersetzung)

 

Das aber steht im griechischen Text nicht, sondern einfach:

 

... Aber auch durch deine Seele wird eine Klinge dringen. Damit sollen die Gedanken aus vielen Herzen enthüllt werden.“

 

Dem Bibeltext nach sollte also nicht nur Jesus Christus Stein des Anstoßes werden, sondern auch Maria, seine Mutter, da die Lieblosigkeit Vieler wie eine Klinge ihre Seele durchdringen werde. Und genau diese biblische Prophezeiung erfüllt sich im antimarianischen Protestantismus. Die

antimarianischen Protestanten greifen Maria unentwegt an. Sie lehnen sie – ein Glied des Leibes Christi – ab, und viele von ihnen hassen, verachten, schmähen, beleidigen, erniedrigen und bekämpfen sie ohne Grund und

verwunden dadurch ihr Herz!

 

Somit ist gemäß der Schrift neben Jesus Christus auch seine Mutter von Gott zum Stein des Anstoßes gesetzt worden, an der sich die Geister scheiden sollen: So, wie Gott die Menschen durch Jesus Christus scheidet, so scheidet er die „Christen“ durch Maria; er scheidet sie in Christen, die Maria von Herzen lieben, und in „Christen“, die Maria hassen, verachten, angreifen, bekämpfen, erniedrigen und klein und gering und bedeutungslos machen und sie als „Götze“, „Hure“, „Sünderin“, „größte Sünderin“ (schlimmer also als Hitler), „zweitgrößte Sünderin“, Ungerechte“, „Hexenmutter“, Tote“,

irgendwelche Leute“, „heidnische Göttin“, „Dämon“ oder sogar als „Teufel“ beschimpfen:

 

Und es öffnete sein Maul … zu lästern … die Bewohner des Himmels.“ (Offb 13,6)

 

Achten wir also darauf, dass wir zu jenen „Christen“ gehören, die die Mutter des Herrn von ganzem Herzen lieben und sie daher annehmen, erheben und verherrlichen und dadurch ihr liebendes Mutterherz erfreuen!

 

 

 

 

 

 

3. DAS VERHÄLTNIS BIBLISCHER PERSONEN ZU MARIA

 

 

3.1 Die Bedeutung Mariens für Apostel Paulus

 

Einige antimarianische Protestanten sind der Meinung, dass Maria, die Mutter des Herrn, für den Apostel Paulus keine Bedeutung gehabt hätte, weil er sie in seinen zahlreichen Briefen nicht erwähnen täte. Das ist unbiblisch! Schauen wir, was die Bibel sagt:

 

Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geworden aus einer Frau …“

 

Wenngleich Paulus also innerhalb seiner zahlreichen Briefe die Mutter des Messias nur dieses eine Mal erwähnt, so zeigt dieses eine einzige Mal, dass er sie als sehr bedeutend einstufte, und zwar deshalb, weil er sie in Gal 4,4 im Zusammenhang mit ihrem Sohn, dem Herrn Jesus Christus, überhaupt nicht hätte erwähnen müssen, wie das auch der Apostel Johannes nicht getan hat, als er schrieb:

 

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt …“ (Joh. 1,14)

 

Denn Johannes hätte hier ja schreiben können:

 

Und das Wort ist Fleisch geworden aus einer Frau und hat unter uns gewohnt …“

 

Daher hätte Paulus nach dem johanneischen Muster einfach schreiben können:

 

Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, Fleisch geworden und geboren unter der Ordnung des Gesetzes“

 

und nicht:

 

Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geworden aus einer Frau und geboren unter der Ordnung des Gesetzes …“

 

Indem Paulus die Mutter des Messias hier aber trotzdem mit einbringt, obwohl er das aus besagtem Grund nicht hätte tun müssen, vor allem vor dem Hintergrund, dass eh alle Christen wussten, dass Jesus von Maria, seiner Mutter, empfangen und geboren wurde, weshalb sie schon deshalb hier nicht hätte erwähnt werden müssen, enthüllt er, wie er zu Maria wirklich gestanden hat: Sie war ihm sehr wichtig, so wichtig, dass er sie unbedingt erwähnen wollte, und das nicht einfach mal so nebenher, sondern ganz zentral im Zusammenhang mit der Menschwerdung Gottes im Hinblick auf das Heil der Menschen!

 

Was hätten nun die antimarianischen Protestanten hier anstelle des Apostels Paulus getan? Hätten auch sie Maria hier mit eingebracht? Aufgrund ihrer antimarianischen Einstellung ist nicht davon auszugehen! Sie hätten sie an dieser Stelle völlig ausgeblendet:

 

Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, Fleisch geworden und geboren unter der Ordnung des Gesetzes …“

 

Das enthüllt den Kontrast zwischen ihnen und Apostel Paulus!

 

 

 

3.2 Die Bedeutung Mariens für Lukas

 

Lukas, der Schreiber des Evangeliums und der Apostelgeschichte, war ein enger Mitarbeiter des Apostels Paulus. Auch er lässt erkennen, wie er zu Maria, der Mutter Jesu, gestanden hat. Liest man seine beiden Schriften im Hinblick auf Maria oberflächlich, wird man dies übersehen. Liest man sie jedoch aufmerksam, fällt es auf! Es geht dabei nicht um die Tatsache, dass sich Lukas in seinem Evangelium weit mehr auf Maria bezieht als die anderen Evangelien-Schreiber, da es, wie bereits im ersten Kapitel aufgezeigt, nicht darauf ankommt, wie oft man von einer Person spricht, sondern darauf, welche Funktion und Bedeutung sie im Heilsplan Gottes im Hinblick auf Jesus Christus hat. Bei Lukas zeigt sich seine Position zu Maria, genau wie bei Paulus, an nur einer einzigen Stelle. Es handelt sich dabei

um Apg 1,14:

 

"Diese alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern."

 

Lukas, vom Heiligen Geist inspiriert, weiß genau, was er hier schreibt. Es wäre schlimm, wenn man einen Text verfasst, und dabei nicht wissen würde, was man schreibt. So, wie ich als Autor dieses Buches weiß, was ich schreibe, so wusste das auch Lukas, vor allem im Lichte des Heiligen Geistes! Hier teilt uns Lukas nun mit, wie er zu Maria positioniert war. Inspiriert vom Heiligen Geist nennt er die Gruppe der gläubigen und heiligen Frauen, erwähnt Maria aber gesondert. Da gibt es für Lukas also auf der einen Seite die Gruppe der gewöhnlichen gläubigen und heiligen Frauen, und auf der anderen Seite Maria, die er nicht zu ihnen zählt! Sie ist für ihn so bedeutend, dass er sie in der Gruppe der anderen Frauen nicht untergehen lassen wollte, wie Maria Magdalena. Sie war für ihn ein einzigartiges Juwel, das er auf besagte Weise hervorleuchten lässt! Die antimarianischen Protestanten hätten anstelle von Lukas anders gehandelt. Sie hätten an seiner Stelle geschrieben:

 

Diese alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Jesu Brüdern.“

 

So sähe das bei ihnen aus! Sie hätten Maria in der Gruppe der anderen Frauen untergehen lassen! Welch ein Kontrast zu Lukas, der vom Heiligen Geist inspiriert war?!, ein Kontrast, der zeigt, wie sehr die antimarianischen Protestanten mit ihrem Antimarianismus von Lukas und somit von der Heiligen Schrift und letztlich vom Heiligen Geist abweichen!

 

 

 

3.3 Die Bedeutung Mariens für Apostel Johannes

 

Dasselbe betrifft den Apostel Johannes. Auch er lässt in seinem Evangelium erkennen, wie er zu Maria gestanden hat. Er schreibt:

 

Darauf zog er (Jesus) hinab nach Kapharnaum, er und seine Mutter und seine Brüder und Jünger ...“ (Joh 2,12)

 

Auch Johannes wusste, was er schreibt, vor allem vor dem Hintergrund, dass auch er vom Heiligen Geist erleuchtet und inspiriert war, wie Lukas. Zunächst stellen wir fest, dass er Maria, die Mutter Jesu, hier mit einbringt. Das muss hervorgehoben werden, weil ein antimarianischer Protestant dies niemals tun würde; er würde Maria, und vermutlich auch Jesu Brüder, völlig ausblenden:

 

Darauf zog er mit seinen Jüngern hinab nach Kapharnaum ...“

 

Auch hier zeigt sich der Kontrast zwischen den antimarianischen Protestanten und einem Jünger Jesu und der Heiligen Schrift! Doch wir sehen hier noch mehr: Johannes bringt Maria nicht einfach nur mit ein, sondern räumt ihr nach Jesus, ihrem Sohn, den ersten Platz ein: Zuerst nennt er Jesus, dann sie und zuletzt seine Brüder und Jünger, und somit sich selbst! Während Lukas Maria einzigartig über alle gläubigen Frauen erhebt, verleiht ihr Johannes nach Jesus den ersten Platz! Das ist seine Rangordnung: Zuerst Maria und dann die Jünger Jesu und seine Brüder! Das ist die Position, die ihr die Katholischen Kirche verleiht: Zuerst Jesus, dann seine Mutter und zuletzt seine Brüder und Jünger! Doch damit belässt es Johannes nicht. Er wollte uns noch mehr über seine Position und Einstellung zu Maria zeigen, und zwar, indem er seinen Lesern unbedingt mitteilen wollte, dass ihm Jesus seine eigene Mutter zur Mutter gegeben hat:

 

Als nun Jesus seine Mutter sah und neben ihr stehend den Jünger, den er liebte, sprach er zu seiner Mutter: 'Frau, siehe dein Sohn!' Darauf sprach er zum Jünger: 'Siehe, deine Mutter!' Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger in sein Eigenes!“

 

Als Betroffener war es ihm sehr wichtig von dieser Begebenheit zu berichten, weil ihm Maria, Jesu Mutter, von nun an näher war als jemals zuvor! Doch auch zuvor hatte er eine enge Beziehung zu ihr gehabt, weil er ausdrücklich bezeugt, dass er die ganze Zeit „neben ihr“ unter dem Kreuz gestanden hat. Er hat sich eng an sie, Jesu Mutter, gehalten. Doch von nun an, als Jesus sie ihm als Mutter vor Augen gestellt hat, war er mit ihr noch enger verbunden! Er nahm sie als seine Mutter in sein Eigenes auf, in sein Herz, in sein Leben und in sein Haus und lebte fortan mit ihr in einer liebenden Mutter-Kind-Beziehung! Als ihr Kind orientierte er sich an seinem Meister und gab ihr die Ehre und Verherrlichung, die ihr auch sein Meister gab, zu der Beide gemäß dem Elterngebot ihr gegenüber verpflichtet waren, aber nicht, weil es der Buchstabe sagt und anordnet, sondern weil dieses Gebot in ihren Herzen eingeschrieben war! Wie hätte anstelle des Apostels Johannes ein antimarianischer Protestant reagiert? Er hätte zu Jesus am Kreuz gesagt: „Ich will sie nicht! Mein Herz gehört nur Dir!“

 

 

 

3.4 Die Bedeutung Mariens für Elisabeth

 

Noch eine weitere Person in der Bibel sticht in Bezug zu Maria besonders hervor: Elisabeth, die Mutter des Täufers. Nachdem Maria vom Engel Gabriel besucht worden war und sie durch den Heiligen Geist den Heiland empfangen hatte, ging sie die mit Johannes schwangere Elisabeth besuchen:

 

Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und ging in das Gebirge in eine Stadt Judas. Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.“ (Lk 1,39-40)

 

Alsdann geschah folgendes:

 

Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib, und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt, erhob laut ihre Stimme und rief: 'Gepriesen und gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gepriesen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?'“ (Lk 1,41-43)

 

Elisabeth wird in diesem Moment mit dem Heiligen Geist erfüllt, der sie dazu antreibt, Maria und Jesus zu preisen. Hier werden unter der Inspiration und unter dem Antrieb des Heiligen Geistes Maria und Jesus gleichermaßen verehrt und verherrlicht! So etwas würde ein antimarianischer Protestant nie tun; stattdessen würden von ihm nur die folgenden Worte zu verzeichnen sein:

 

Gepriesen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!“

 

Und das wäre es schon! Auch hier zeigt sich also ein gewaltiger Kontrast zwischen einem antimarianischen Protestanten und der vom Heiligen Geist inspirierten Mutter des Täufers! Auch zwischen ihnen besteht also ein himmelhoher Unterschied! Des Weiteren sieht Elisabeth im Lichte des Heiligen Geistes, dass sie nicht würdig ist, von Maria, der Mutter ihres Herrn, ihres Gottes, besucht zu werden, weshalb sie ausruft:

 

Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt!“

 

Und das, obwohl sie nach Lk 1,6 eine vollendete Gerechte war:

 

Beide (Zacharias und Elisabeth) waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn.“

 

Somit stellt sich Elisabeth als vollendete Gerechte unter der Inspiration des Heiligen Geistes nicht nur unter Jesus, ihren Herrn, ihren Gott, sondern auch unter Maria, seine Mutter! Auch das würde ein antimarianischer Protestant niemals tun! Und so verstehen wir jetzt, warum der Apostel Johannes in Joh 2,12 Maria nach Jesus auf den ersten Platz stellt, während er sich selbst den letzten Platz einräumt, so wie es hier Elisabeth tut, indem sie sich als nicht würdig erachtet, von Maria besucht zu werden. Und so verstehen wir auch, warum Lukas in Apg 1,14 Maria unter den gläubigen Frauen einzigartig hervorleuchten lässt, wie es hier Elisabeth tut, wenn sie sie mehr als alle anderen Frauen als gesegnet und gepriesen erkennt. Und wir verstehen nun auch, warum es Paulus im Heiligen Geist als notwendig erachtet hat, in Gal 4,4 Jesus zusammen mit seiner Mutter zu nennen, so wie es hier Elisabeth in ihrem Lobpreis tut. Wir sehen, wie Paulus, sein Mitarbeiter Lukas, Johannes und Elisabeth im Heiligen Geist Maria würdigen, ehren, erheben und verherrlichen, während die Antimarianisten das Gegenteil tun; sie tun sie verachten, erniedrigen und klein und gering und bedeutungslos machen und unter sich stellen. Das sollte, weil es antibiblisch ist, nicht länger so sein! Daher sei den Antimarianisten die marianische Gesinnung Elisabeths, Johannes', Lukas' und Paulus' zu empfehlen!

 

 

 

 

 

 

4. MARIENS BEDEUTUNG, GRÖßE UND ERHABENHEIT

 

 

4.1 Die Bibel verkündet Mariens außergewöhnliche Größe

 

Maria wird von den antimarianischen Protestanten klein, gering und bedeutungslos gemacht. Das ist nun das genaue Gegenteil von dem, was uns die Heilige Schrift bezeugt. Maria sprach:

 

Hochpreist meine Seele den Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter; er schaute gnädig herab auf die Niedrigkeit seiner Magd … Große Dinge hat an mir getan der Mächtige, und heilig ist sein Name.“ (Lk 1,46-49)

 

Maria sieht, dass Gott ihre Niedrigkeit beseitigt und sie groß gemacht hat, indem er sie zur Mutter seines göttlichen Sohnes gemacht hat. Diese Tatsache wird umso deutlicher, wenn wir diese Aussage im Zusammenhang mit Lk 1,52 sehen, wo Maria sagt: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“ Gott hat sie also erhöht und groß gemacht, größer als die Machthaber, weshalb sie, wie sie weiterhin sagt, von allen christlichen Generationen seliggepriesen würde: „siehe, von nun an werden mich alle Geschlechter glückselig preisen.“ (Lk 1,48) Maria war also ursprünglich eine einfache jüdische und gläubige Frau ohne irgendeinen gesellschaftlichen Stellenwert. Sie war gesellschaftlich gesehen eine Frau, wie jede andere gläubige jüdische Frau, ohne jegliches Ansehen, doch ab jetzt, seit sie die Mutter des HERRN ist, nicht mehr; ab jetzt ist sie durch den in ihr Mensch gewordenen Gott groß, ab jetzt ist sie eine ganz besondere Frau und ein ganz besonderer Mensch, ein Mensch mit großem Ansehen, welches das Ansehen der weltlichen Machthaber weit überragt. Diese ihre Größe wird vom Heiligen Geist bestätigt, indem er Elisabeth zu ihr sagen lässt:

 

Gepriesen und gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen … Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?!“ (Lk 1,42-43)

 

Der Heilige Geist lässt Elisabeth erkennen, dass Maria größer ist, als alle anderen Frauen, ja so viel größer als sie, dass sie sich im Lichte des Heiligen Geistes selbst nicht als würdig betrachtet, von ihr besucht zu werden. Genau das, was der Heilige Geist Elisabeth erkennen lässt, wird, wie bereits aufgezeigt, von ihm nochmal in Apg 1,14 verdeutlicht:

 

Diese alle (die Apostel) verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“

 

Der Heilige Geist nennt hier, wie schon aufgezeigt, die Gruppe der gläubigen und heiligen Frauen, erwähnt Maria aber gesondert. Da gibt es also auf der einen Seite die Gruppe der gewöhnlichen gläubigen und heiligen Frauen, und auf der anderen Seite Maria, die nicht zu ihnen gehört. Der Heilige Geist lässt sie in ihrer Gruppe nicht untergehen, wie z.B. Maria Magdalena, nimmt sie deshalb aus ihrem Kreis heraus, erhebt sie auf diese Weise über sie und bezeichnet so ihre Größe, Einzigartigkeit und Besonderheit. Demzufolge ist Maria – erhoben über alle Frauen – ein einzigartiges leuchtendes Juwel, weshalb der Heilige Geist die hl. Elisabeth ausrufen ließ: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?!“ Dass Maria gemäß der Schrift aber nicht einfach nur bloß groß ist, und bloß größer ist, als alle anderen Frauen, sondern außergewöhnlich groß, enthüllt noch einmal Lk 1,43 auf andere Weise, wo steht, dass Elisabeth sich nicht würdig sah, von der Mutter ihres HERRN besucht zu werden. Denn Elisabeth war nach Lk 1,6 eine vollendete Gerechte, eine vollendete Heilige, die vor Gott „untadelig in allen Geboten und Satzungen des HERRN“ wandelte. Wenn also Maria sogar größer ist, als eine vollendete Gerechte, die aus ihrem Glauben heraus „untadelig in allen Geboten und Satzungen des HERRN“ wandelte, dann ist sie erst recht größer als wir normalen Gläubigen, die wir keineswegs untadelig vor Gott wandeln, wie das die hl. Elisabeth getan hat! Doch damit hört das biblische Zeugnis über die Größe Mariens nicht auf; denn es geht weiter; in Joh 2,12 lesen wir:

 

Darauf zog er nach Karphanaum, er und seine Mutter und seine Brüder und Jünger …“

 

Der Heilige Geist stellt hier durch den Apostel Johannes eine Rangordnung auf: Zuerst kommt Christus, dann seine Mutter und zuallerletzt Jesu Brüder und Jünger; denn nichts, was der Heilige Geist schreiben lässt, ist in der Bibel zufällig. Da er Gott ist, weiß er, was er tut! Nichts tut Gott unbewusst, alles hat seine Bedeutung; alles, was er tut, hat seinen Sinn und Zweck. Der Heilige Geist weist Jesus also den ersten Platz zu, und seiner Mutter den ersten Platz nach ihm, während er Jesu Brüdern und Jüngern den letzten Platz einräumt. Dieselbe Rangordnung sehen wir auch in Joh 19,25:

 

Es standen bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.“

 

Zuerst kommt wieder Jesus, dann wieder seine Mutter und anschließend die Jüngerinnen und gemäß Vers 26 auch der Apostel Johannes. Diese biblische Rangordnung behält die Katholische Kirche bei: Ganz oben steht Jesus Christus (zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist), dann kommt seine Mutter, und nach ihr kommen alle übrigen.

 

Wenn der Heilige Geist nun einen Teil der Jünger – die Apostel – in Apg 1,14 auf den ersten Platz stellt, dann nur, weil sie in der Kirche gemäß 2 Kor 5,20 an Christi Statt walteten, d.h. Christus durch sie in der Kirche regiert hat (vgl. Lk 10,16). Hier steht also wiederum Christus – in seinen Aposteln – am ersten Platz, und Maria, seine Mutter, wiederum am zweiten Platz, weil der Heilige Geist sie gemäß Apg 1,14 als eine ganz besondere christliche und heilige Frau kennzeichnet, die nicht zu den gewöhnlichen gläubigen und heiligen christlichen Frauen zählt. Wenn Maria dann ab Apg 1,15 nicht mehr erwähnt wird, außer noch einmal in Gal 4,4, dann hat das keine Bedeutung, weil der ihr vom Heiligen Geist bis Apg 1,14 zugewiesene erste Platz nach Christus, ihrem Kind, gewahrt bleibt.

 

Wenn also die antimarianischen Protestanten Maria erniedrigen und klein, gering und bedeutungslos machen und unter sich stellen, dann agieren sie gegen die Heilige Schrift, die Maria über uns gewöhnliche Christen und sogar über die vollendeten Heiligen und alle Machthaber stellt.

 

 

 

4.2 Maria, die Königin des Himmels

 

Dass Maria die Königin des Himmels ist, ist christliche Lehre, die aber von den antimarianischen Protestanten als vom antiken Heidentum entlehnt betrachtet wird. Sie haben seit dem 19. Jahrhundert, seit ihr Neo-Protestantismus existiert, nur noch antike heidnische Götter im Kopf, deren einst geglaubten Eigenschaften sie dann auf biblische Personen wie Maria übertragen. Weil das so ist, gibt es kein einziges historisches Dokument, das obige Behauptung belegen würde! Das hat man sich einfach so ausgedacht und kurzerhand für historisch erklärt! Hier wird also ein gedankliches Konstrukt für eine historische Tatsache gehalten! Kommen wir daher zur Realität: Die Katholischen Kirche entnimmt diese christliche Lehre nicht dem antiken Heidentum, mit dem sie nichts zu tun hat, sondern der Heiligen Schrift! Das Elterngebot 2 Mo 20,12 ordnet an, Vater und Mutter zu verherrlichen, was Christus nach Mt 5,17-18 allzeit erfüllt:

 

Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern in Erfüllung zu bringen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein Jota oder ein einziges Häkchen vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen wird.“

 

Dieses Gebot, nach dem man den eigenen Eltern den eigenen Umständen und Möglichkeiten entsprechend das Allerbeste zukommen zu lassen hat, und zwar bis zur äußersten Neige, weil Gott keine halben Sachen will, sondern die Fülle, lässt keine andere Möglichkeit zu, als dass ein König seiner Mutter zu ihrer Verherrlichung dieses Allerbeste gibt, in diesem Fall das Königtum in seinem Reiche, weshalb wir genau das bei Salomon, dem mit Gottes Weisheit erfüllten ersten davidischen König sehen:

 

Batseba (Salomons Mutter) ging dann zum König Salomon … Da erhob sich der König, ging ihr entgegen und verneigte sich vor ihr. Dann setzte er sich auf seinen Thron und ließ auch für die Königinmutter einen Thron hinstellen. Sie setzte sich zu seiner Rechten.“ (1 Kön 2,19)

 

Um das vierte Gebot bis zur Neige zur Erfüllung zu bringen, setzte König Salomon nicht eine seiner Frauen zur Königin seines Reiches ein, sondern seine Mutter, die seither zu seiner Rechten thronte. Seither war es etablierte jüdische Tradition, dass jeder davidische König im Hinblick auf das vierte Gebot seine eigene Mutter zur Königin einsetzte, die dann zu seiner Rechten thronte. Jesus Christus ist nach Lk 1,32 der Sohn Davids, der letzte und ewige davidische König, der, da er das davidische Königtum für alle Ewigkeit fortführt, zur vollständigen Erfüllung des Gebots diese schöne Tradition, die die eigene Mutter bis zur äußersten Neige verherrlicht, weiterführt, so dass es seine Mutter ist, die in Psalm 45 als die Königin seines himmlischen Reiches besungen wird:

 

Die Königstöchter (die heiligen Frauen) stehen da in deinem Schmuck, die Königin zu deiner Rechten in Ofirgold …“ (Ps 45,10)

 

Denn in Hebr 1,8-9 wird uns mitgeteilt, dass dieser Psalm von Jesus Christus, dem König, handelt, der also als letzter und ewiger davidischer König die Königin zu seiner Rechten thronen hat, seine Mutter, was noch vor dem Hintergrund ersichtlich ist, dass die Korachiten als Tempelsänger, von denen dieser Psalm stammt und gesungen wurde, in der Zeit des davidischen Königtums lebten, in der die besagte davidische Königstradition etabliert war, und sie somit als prophetische Sänger vor dem Hintergrund dieser ihnen vertrauten etablierten Tradition die Mutter des Messias-Königs im Sinn hatten: Maria, die sie hier wie folgt besingen:

 

Die Königstöchter stehen da in deinem Schmuck, die Königin zu deiner Rechten in Ofirgold, umgeben von bunter Pracht! Höre, Tochter, und siehe, und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus. Der König verlangt nach deiner Schönheit, denn er ist der Herr, dein Gott, und ihn betet man an. Die Töchter von Tyrus bemühen sich mit Gaben um deine Gunst, alle Reichen des Volkes. Ganz Herrlichkeit ist die Königstochter im Innern, mit goldenem Saume geziert, ist sie mit bunten Kleidern angetan. Hinter ihr her führt man Jungfrauen zum König; ihre Genossinnen bringt man zu dir! Sie werden herzu geführt unter Freude und Jubel, hineingeleitet in den Palast des Königs.“ (Ps 45,10-16)

 

Ein wunderschöner marianischer Psalm-Text, der uns sehr viel über die Königin, die Mutter des Königs Jesus Christus, sagt: Sie ist sehr schön und steht im Himmel da in ihrer Herrlichkeit und Glorie, ist „mit goldenem Saume geziert“ und „mit bunten Kleidern angetan“ und von „bunter Pracht“ umgeben. Man bemüht sich um ihre Gunst; und ihre Genossinnen, die Jungfrauen (heilige und heiligmäßige Ordensfrauen), führt man hinter ihr her; sie sind ihr Gefolge, das man zu Christus, dem König, und in seinen himmlischen Palast führt und bringt, und zwar „unter Freude und Jubel“! In Offb 12 taucht sie

dann wieder auf:

 

Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von 12 Sternen, und sie war gesegneten Leibes und schrie in Wehen und Schmerzen des Gebärens … Und der Drache stellte sich vor die Frau, um ihr Kind zu verschlingen, wenn sie gebären würde, und sie gebar ein Kind, einen Knaben, der alle Völker hirten wird mit eisernem Stabe.“ (Offb 12,1-5)

 

Maria ist mit der Sonne bekleidet; und diese Sonne, diese Quelle des Lichts, die sie bekleidet, ist Gott selbst, „denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild“ (Ps 84,12). Ihre Krone, die aus symbolischen Sternen besteht, sowie der Mond und der Himmel, in dem sie sich befindet, weisen sie als die Königin des Himmels aus.

 

So sehen wir Maria in ihrer ganzen königlichen Herrlichkeit und Majestät als die Königin des Himmels und der Erde zur Rechten ihres Sohnes Jesus Christus, des letzten und ewigen davidischen Königs, thronen.

 

Verneigen wir uns vor unserer Königin und suchen wir nach Ps 45,13 ihre königliche Gunst; und seien auch wir ihr Gefolge, um, wie jene heiligen Jungfrauen, zu Christus, dem ewigen davidischen König, geführt zu werden!

 

 

 

4.3 Maria, die Lade des Neuen Bundes

 

Alles, was im Alten Testament steht, und alles, was zum Alten Bund gehört, hat seine typologische Entsprechung im Neuen Bund. Die Typologie ist eine spezielle biblische Auslegungsmethode, die uns Jesus Christus selbst beigebracht hat, und die daher auch in den neutestamentlichen Briefen angewandt wird. Ein solches Beispiel ist Jesu Aussage, dass sein künftiger dreitägiger Aufenthalt „im Herzen der Erde“ dem dreitägigen Aufenthalt Jonas‘ im Bauch des Fisches entspricht (Mt 12,40). Jonas‘ dreitägiger Aufenthalt im Bauch des Fisches bezeichnet also Jesu dreitägigen Aufenthalt im Grabe typologisch voraus. Der Apostel Paulus wendet diese Methode an, indem er z.B. schreibt, dass die Israeliten in der Wolke und im Meer auf Moses getauft wurden (1Kor 10,1-2), womit er mit dem Wort „getauft“ auf die Taufe des Neuen Bundes anspielt, in der wir auf Christus getauft werden (vgl. Apg 8,16), wobei das Meer das Wasser der Taufe und die Wolke den Heiligen Geist bei der Taufe symbolisieren (vgl. Joh 3,5). Die Taufe der Israeliten in der Wolke und im Meer bezeichnet also die Taufe der Israeliten des Neuen Bundes in Wasser und Geist typologisch voraus. Diese und noch weitere Beispiele im Neuen Testament zeigen, dass alles, was im Alten Testament und im Alten Bund zu finden ist, seine typologische Entsprechung im Neuen Bund hat. Wie man nun diese biblische Bibelauslegungsmethode selbst anzuwenden hat, möchte ich an den folgenden Beispielen vorführen:

 

Das Neue Testament ist die typologische Entsprechung des Alten Testaments, so wie auch der Neue Bund eine typologische Entsprechung des Alten Bundes ist. In 1Mo 4,23-24 ist von Lamech die Rede, der die 77fache Rache verkündete. Er ist ein Anti-Typus für Christus, der die 77fache Vergebung verkündete (Mt 18,21ff). Nach dieser biblischen Bibelauslegungsmethode sind Adam und Eva Antitypen für den neuen Adam und die neue Eva. Und so wie es in der Zeit des Alten Testaments zwei herausragende Persönlichkeiten gab, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurden, so gibt es auch in der Zeit des Neuen Testaments zwei herausragende Persönlichkeiten, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen werden. So, wie Abraham bereit war, Gott seinen Sohn zu opfern, so war auch Gott bereit, seinen Sohn für die Menschen zu opfern. Die zwölf Stammväter Israels des Alten Bundes entsprechen den zwölf geistigen Stammvätern Israels des Neuen Bundes, den 12 Aposteln. So, wie aus Abraham, Isaak und Jakob die zwölf Stammväter Israels hervorgingen, so gingen aus dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist die zwölf Stammväter des neuen Israel hervor – die zwölf

Apostel. Wie nach Offb 7 der Stammvater Dan herausfällt (1Mo 49,16-18), und an seine Stelle der Stammvater Manasse gesetzt wird, so ist auch der Apostel Judas herausgefallen und an seine Stelle der Apostel Matthias gesetzt worden (Apg 1,15-26). Und so, wie das Volk Gottes des Alten Bundes eine Bundeslade hatte, so hat auch das Volk Gottes des Neuen Bundes eine Bundeslade:

 

Da wurde der Tempel Gottes im Himmel aufgetan, und die Lade seines Bundes war zu sehen in seinem Tempel, und es folgten Blitze und Donner, Beben und starker Hagel.“ (11,19)

 

Anschließend wird sie uns enthüllt:

 

Ein großes Zeichen erschien im Himmel, eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. Sie war gesegneten Leibes … Und sie gebar ein Kind, einen Knaben, der alle Völker hirten wird mit eisernem Stabe.“ (Offb 12,1-5)

 

Unsere Lade des Neuen Bundes ist Maria, die himmlische Frau, die ihren Sohn, den Messias, empfangen hat und ihn gebiert, und der als Hirt alle Völker mit eisernem Stabe hirten wird. So, wie Gottes Volk des Alten Bundes eine Bundeslade hatte, so haben auch wir, Gottes Volk des Neuen

Bundes, eine Bundeslade: Maria, die Mutter des Messias. Um nun Maria, die Lade des Neuen Bundes und ihre Funktion zu kennen und zu verstehen, ist es notwendig, die Lade des Alten Bundes zu kennen, da ihr die Lade des Neuen Bundes typologisch entspricht:

 

1. So, wie Gott die Lade des Alten Bundes durch die israelitischen Handwerker schuf, so schuf er selbst die Lade des Neuen Bundes Maria. Sie ist sein ganz persönliches Werk, mit dem er uns dienen will, wie er den Israeliten mit der alten Bundeslade gedient hat.

 

2. In der Lade des Alten Bundes befanden sich das Manna, der Stab Aarons und die Tafeln mit den 10 Geboten. Das Manna steht für Christus, das Himmelsbrot der Neuen Bundes (Joh 6,30-43), der Stab des Priesters Aaron für Christus, den Priester des Neuen Bundes, und die Tafeln mit den 10 Geboten für Christus, den Gesetzgeber! So, wie sich in der Lade des Alten Bundes das Manna, der Stab des Priesters Aaron und die Tafeln mit den 10 Geboten befanden, so befand sich in der Lade des Neuen Bundes, in Maria, Jesus Christus als Himmelsbrot, Priester und Gesetzgeber!

 

3. So, wie die Lade des Alten Bundes Gottes Gegenwart präsentierte, weil Gott nach 3Mo 16,2 „in der Wolke über der Deckplatte auf der Lade“ erschien, und zwar 1 Sam 4,4 zufolge über den Kerubim-Statuen, die auf der Lade angebracht waren, und Gott nach 2 Mo 25,22 von der Deckplatte her zu den Israeliten redete, so präsentiert auch Maria, die Lade des Neuen Bundes, Gottes Gegenwart in einer noch vollkommeneren Art und Weise, da nach Offb 12,1 Gottes Herrlichkeit sie ganz bekleidet, während die Wolke der Herrlichkeit Gottes die alte Bundeslade nur überschattete. Dort also, wo Maria, die neue Bundeslade, ist, da ist Gott höchst persönlich.

 

4. Auf der Lade des Alten Bundes war die Deckplatte aus reinem Gold aufgesetzt, auch „Sühneplatte“ genannt. Sie symbolisiert Christus, der an seinem Leib für unsere Sünden Sühne geleistet hat. So, wie diese heilige Platte auf der Lade des Alten Bundes gesetzt und so mit ihr aufs engste verbunden war, so, als ob die Lade und die Platte eins wären, so ist auch Christus mit der Lade des Neuen Bundes Maria, seiner Mutter, aufs engste verbunden. So, wie die Sühneplatte von der Lade des Alten Bundes und die Lade von der Sühneplatte nicht getrennt ist, so ist auch Christus von seiner Mutter und seine Mutter von ihm nicht getrennt. Sie gehören aufs engste und wesentlich zusammen. Die antimarianischen Protestanten nun trennen Christus von seiner Mutter und seine Mutter von ihm. Das ist so, wie wenn die Israeliten die Sühneplatte von der alten Bundeslade und die alte Bundeslade von der Sühneplatte getrennt und so Gottes Zorn über sich entfacht hätten!

 

5. So, wie die Lade des Alten Bundes das Zeichen für den Bund Gottes mit dem Volk Israel war, so ist die Lade des Neuen Bundes Maria das Zeichen für den Bund Gottes mit uns, seinem Volk des Neuen Bundes.

 

6. So, wie der eigentliche Platz der alten Bundeslade das Allerheiligste des Tempels von Jerusalem war, so ist nach Offb 11,19 der eigentliche Platz der neuen Bundeslade Maria das Allerheiligste des himmlischen Tempels des himmlischen Jerusalems.

 

7. Die Lade des Alten Bundes half den Israeliten gegen ihre irdischen Feinde, die ihre Existenz bedrohten. Moses betete im Angesicht der Lade: „Erhebe dich, Herr, auf dass deine Feinde zerstieben und fliehen vor dir deine Gegner!“ (4 Mo 10,35) So, wie Gott durch die Lade des Alten Bundes den Israeliten gegen ihre Feinde half, so hilft er seinem Volk des Neuen Bundes durch seine neue Bundeslade Maria gegen seine Feinde, die es bedrohen. Beispiel: Als Europa 1571 durch die Osmanen bedroht war, haben die Katholiken im Rosenkranzgebet ihre Bundeslade Maria um Hilfe gerufen. Die Schlacht von Lepanto stand bevor, bei der die katholische Flotte der osmanischen militärisch weit unterlegen war und daher keine Chance hatte, zu siegen. Eigentlich aussichtslos. Europas Zukunft hing daher auf seidenem Faden. Doch in der Gegenwart der Lade des Neuen Bundes, die vom ganzen katholischen Volk im Rosenkranzgebet um Hilfe bestürmt wurde, besiegte die weit unterlegene katholische Flotte die osmanische, und Europa wurde vor der osmanischen Invasion gerettet!

 

Und so ist es kein Wunder, dass Satan die Lade des Neuen Bundes permanent angreift und bekämpft und sie daher so klein und gering und bedeutungslos wie möglich macht, und sie wegzuschwemmen versucht (1 Mo 3,15 + Offb 12,15)! Doch nach Offb 12,16 wird ihm das nicht gelingen. Maria, die Neue Bundeslade, wird triumphieren!

 

Wir Katholiken halten an unserer Lade des Neuen Bundes, die uns Gott gegeben hat, fest. Sie ist so rein, kostbar und heilig, dass ihr eigentlicher Platz das Allerheiligste im Tempel des himmlischen Jerusalems ist! Wie die Israeliten sich die Bundeslade zunutze machten, so machen wir uns unsere Bundeslade ebenso zunutze. Mit ihr siegen wir in allen Schlachten Gottes, manchmal früher, manchmal später, je nach dem, wann wir sie „nutzen“ und wann nicht! Oft nutzen wir sie gegen unsere Feinde, die uns bedrohen, leider nicht, weil wir diese Personen als Feinde nicht erkennen, weil sie sich gut

verbergen und tarnen! Das ist sehr tragisch!

 

 

 

4.4 Maria im Allerheiligsten des himmlischen Tempels

 

Wir haben über Maria, die Lade des Neuen Bundes, vernommen: „Da wurde der Tempel Gottes im Himmel aufgetan, und die Lade seines Bundes war zu sehen in seinem Tempel, und es folgten Blitze und Donner, Beben und starker Hagel.“ (11,19) Beim Lesen dieser Zeilen schwebt dem einen oder anderen Lesern vielleicht ein tatsächliches Tempelgebäude vor. Das geht aber völlig an der Heiligen Schrift vorbei; denn der himmlische Tempel, in dessen Allerheiligsten sich Maria, unsere Bundeslade, befindet, ist Gott:

 

Einen Tempel sah ich nicht in ihr (im Himmel); denn ihr Tempel ist der Herr, Gott, der Allherrscher, und das Lamm.“ (Offb 21,22)

 

Maria, unsere Lade des Neuen Bundes, befindet sich im Himmel also nicht in einem Tempelgebäude, sondern direkt, unmittelbar, in Gott selbst:

 

Ein großes Zeichen erschien im Himmel, eine Frau, mit der Sonne bekleidet ...“

 

Diese himmlische Sonne, die Quelle des himmlischen Lichts, in der sich Maria direkt befindet, ist identisch mit dem Allerheiligsten des himmlischen Tempels, der Gott selbst ist. Das korrespondiert mit 1 Joh 1,5: „Gott ist Licht“. Sein Allerheiligstes, in dem sich die neue Bundeslade befindet, ist nun nichts

anderes als sein göttliches Herz!

 

Überall, wo Maria ist, und wo sie erscheint, da ist Gott, die Sonne, die sie ewiglich umgibt und umhüllt!

 

 

 

4.5 Mariä leibliche Aufnahme in den Himmel

 

Papst Pius XII. verkündete 1950 auf Antrieb und unter der Inspiration des Heiligen Geistes das Dogma "Mariä leibliche Aufnahme in den Himmel". Sofort setzte man im Protestantismus mit dem Gegen- Dogma "Maria ist nicht leiblich in den Himmel aufgefahren" nach. Denn sie sagen, dass das päpstliche Dogma „unbiblisch“ und somit falsch sei. Und wir sagen, dass das protestantische Gegen-Dogma unbiblisch und falsch ist. Zur angeblichen biblischen Beweisführung wenden sie zum einen eine unbiblische

Methode an, und zum anderen ein Jesus- und ein Paulus-Wort:

 

I. Sie sagen: "Nirgendwo steht in der Bibel, dass Maria leiblich in den Himmel aufgefahren ist. Aus diesem Grund ist sie nicht leiblich in den Himmel aufgefahren." Nun, in der Bibel steht auch nicht, dass sie geboren und gestorben wäre. Ebenso steht in der Bibel nicht, dass Jesus bis zu seinem 31. Lebensjahr gegessen hätte. Nach dieser protestantischen Methode ist Maria auf keinen Fall geboren und gestorben und hat Jesus bis zu seinem 31. Lebensjahr nicht gegessen. Von daher sagt diese protestantische Methode gar nichts, weshalb sie von der Bibel selbst auch an keiner Stelle gelehrt wird! Sie ist unbiblisch! Die Bibel ist eben unvollständig. In ihr steht nicht alles drin, weil Sola Scriptura, das die Protestanten vertreten, unbiblisch ist. Nach 2 Thess 2,15, 2 Joh 12 und 3 Joh 13 wurde von den Apostel Vieles auch mündlich überliefert.

 

II. Hier nun das Jesus-Wort: "Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn." (Joh.3,13)

 

1. Hier zeigt sich, dass manche Protestanten die Texte der katholischen Kirche überhaupt nicht lesen, da sie sonst wüssten, dass das von Papst Pius XII. verkündete Dogma nicht sagt, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgefahren ist, sondern mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Denn das ist ein himmelhoher Unterschied! Denn "aufgefahren" bedeutet, dass sie aus eigener Kraft in den Himmel aufstieg; und "aufgenommen" bedeutet, dass sie von Gott in den Himmel genommen

wurde. Hier kritisieren Protestanten also ein Dogma, dass die katholische Kirche überhaupt nicht kennt. Und so kann obiges Jesus-Wort nicht gegen Mariens leibliche Aufnahme in den Himmel angewandt werden, da NUR Jesus Christus in den Himmel auffahren konnte. So etwas kann kein

Geschöpf!

 

2. Des Weiteren zeigt sich hier, dass Protestanten irgendwelche Bibelstellen lose aus der Bibel herausnehmen und dann meinen, damit etwas zu beweisen. So ist schon Satan gegenüber Jesus verfahren (Mt 4,6), und so verfahren auch atheistische und muslimische Apologeten. So etwas hat also keine Bedeutung! Denn jede Bibelstelle muss (a) richtig gelesen werden, was im Protestantismus oft nicht geschieht, und (b) im biblischen Kontext stehen. Wenn wir das in Bezug auf obige Bibelstelle tun, dann sehen wir, wie bereits aufgezeigt, (a) dass Christus in den Himmel auffuhr, und (b) dass es mindestens zwei Personen gab, die in den Himmel aufgenommen wurden: Henoch und Elias, und dazu noch aller Wahrscheinlichkeit nach die vorzeitig von den Toten auferstandenen Heiligen, von denen in Mt 27,52 berichtet wird, da nicht davon auszugehen ist, dass diese vorzeitig Auferstanden nach ihrer Auferstehung "wieder ihr irdisches Leben aufnahmen, also zu ihren Familien zurückkehrten und da weitermachten, wo der Tod ihr Leben unterbrochen hatte."1

 

III. Das besagte Paulus-Wort: „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören.“ (1 Kor 15,22-23) Demzufolge sei Maria nicht mit Leib und Seele in den Himmel „aufgefahren“. Dazu ist zu sagen:

 

1. Es ist nicht klar, ob Maria überhaupt gestorben ist. Die Bibel gibt darüber keine Auskunft. Sollte sie nicht gestorben sein, träfe 1 Kor 15,22-23 grundsätzlich nicht auf sie zu.

 

2. Im biblischen Kontext bedeutet das biblische Wort „alle“ nicht immer buchstäblich ALLE. Dem biblischen Kontext nach kann es auch Ausnahmen geben: In Apg 10,43 lesen wir: „Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen Vergebung der Sünden empfängt.“ Hier sehen wir, dass nicht buchstäblich alle Propheten gemeint sind, da der Prophet Jonas eine Ausnahme ist. Schließlich steht auch in Röm 3,10: „Wie geschrieben steht: ‚Keiner ist gerecht, auch nicht einer“, und doch gibt es Ausnahmen, z.B. Zacharias und Elisabeth (Lk 1,6) und Josef (Mt 1,19); und siehe auch Mt 5,45, wonach Jesus selbst bezeugt, dass es auf der Erde nicht nur böse und ungerechte Menschen gibt, sondern auch gute und gerechte. Es gibt hier also Ausnahmen, obwohl es heißt, dass KEINER gerecht sei, „auch NICHT EINER“! Wenn es also in 1 Kor 5,22-23 heißt, dass ALLE, die zu Christus gehören, auferstehen werden, dann kann es durchaus auch hier Ausnahmen geben, so dass Maria von besagter Aussage ausgenommen sein kann.

 

3. Dass es tatsächlich auch hier Ausnahmen gibt, beweist Offb 11,7-12, wo von den künftigen „zwei Zeugen“ Christi die Rede ist, die ermordet werden und nach dreieinhalb Tagen von den Toten auferstehen und anschließend in den Himmel aufgenommen werden, und so ebenfalls eine Ausnahme

zu 1 Kor 5,22-23 bilden.

 

So sehen wir, dass die Heilige Schrift Mariens leibliche Aufnahme in den Himmel mit keinem Wort verneint, während ihr ausnahmslos alle Protestanten widersprechen. Während die Heilige Schrift bis hierher diese Möglichkeit also zulässt, lassen diese Protestanten diese Möglichkeit nicht zu, was wiederum zeigt, dass der Protestantismus alles andere, nur nicht biblisch ist.

 

Nun will ich biblisch aufzeigen, dass Maria von ihrem Sohn, dem Herrn Jesus Christus, tatsächlich mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde:

 

I. Zu dieser Handlung zwingt das vierte Gebot: "Du sollst Vater und Mutter verherrlichen, damit du lange lebst in dem Lande, das der Herr, dein Gott, dir gibt!" (2 Mo 20,12) Jesus hat dieses Gebot nach eigenem Zeugnis Mt 5,17 erfüllt:

 

"Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern zur Erfüllung zu bringen."

 

Und weil Jesus Christus dieses Gebot erfüllt hat, konnte er den Pharisäern vorhalten:

 

"Da kamen Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu Jesus und fragten: 'Warum übertreten deine Jünger die Überlieferung der Alten? Sie waschen sich ja nicht die Hände vor der Mahlzeit.' Er entgegnete ihnen: 'Warum übertretet ihr selbst Gottes Gebot um eurer Überlieferung willen? Gott hat doch geboten: >Du sollst Vater und Mutter verherrlichen!<, und: >Wer Vater oder Mutter schmäht, soll des Todes sterbenWer zu Vater oder Mutter sagt: Was dir von mir zugutekommen sollte,

erkläre ich zur Opfergabe!<, der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht mehr zu verherrlichen. So setzt ihr Gottes Gebot um eurer Überlieferung willen außer Kraft." (Mt 15,1-6)

 

Jesus hielt dieses Gebot, und ermahnt alle, die es nicht halten, weshalb denn Paulus schreibt:

 

"Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das ist recht. 'Ehre deinen Vater und deine Mutter' - das ist das erste Gebot mit Verheißung -, "damit es dir wohlergehe und du lange lebst auf der Erde'. (Eph 6,1-3)

 

Nach eigenem Zeugnis hat Jesus seine Mutter gemäß dem vierten Gebot verherrlicht, weshalb er sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen haben muss. Das ersieht man auch vor dem Hintergrund, dass Gott in den zehn Geboten den jeweiligen Empfänger seiner Gebote zuerst auf seine Eltern verweist und anschließend auf alle übrigen Menschen. Die eigenen Eltern gehen allen übrigen Menschen, und somit auch dem eigenen Ehepartner und den eigenen Kindern, ausnahmslos vor, weshalb in den Zehn Geboten kein Gebot erteilt wird, auch den eigenen Ehepartner und die eigenen Kinder zu verherrlichen! Dem widerspricht nicht 1 Mo 2,24, wonach ein Mann seine Eltern verlassen und seiner Frau anhangen würde. Denn hier geht es nicht um ein Vorziehen der Ehefrau, sondern um das Vorbeugen von möglichen Konflikten zwischen den Eltern und der Schwiegertochter, bei dem der Ehemann zwischen die Fronten geraten würde. Das ersieht man auch aufgrund der Tatsache, dass der Mann in Anbetracht des vierten Gebots, die Eltern verherrlichen zu sollen, unter seinen Eltern steht, und somit auch dessen Ehefrau, weil sie ja mit ihm EIN Fleisch bildet. Noch deutlicher wird das, wenn wir Eph 5,22ff beachten, wonach die Ehefrau sogar unter ihrem Mann und somit unter seinen Eltern steht, eben weil seine Eltern über ihm stehen. Dies bleibt auch dann der Fall, wenn ein Sohn König wird, wie damals Salomon. Der König steht in Anbetracht des vierten Gebots trotzdem unter seiner Mutter (der Vater ist ja verstorben); er steht lediglich im staatlichen Sinn über ihr. Das ersieht man anhand 1 Kön 2,19, wonach sich der König Salomon vor seiner Mutter verneigt, und damit zeigt, dass er aufgrund des vierten Gebots unter ihr steht:

 

"Batseba ging dann zum König Salomon ... Da erhob sich der König, ging ihr entgegen und verneigte sich vor ihr."

 

Und um als König seiner Mutter Batseba aufgrund des vierten Gebotes die höchstmögliche Verherrlichung auch innerhalb seines Staates zukommen zu lassen, setzte er sie, wie wir bereits gesehen haben, kurzerhand zur Königin ein:

 

"Dann setzte er sich auf seinen Thron und ließ auch für die Königinmutter einen Thron hinstellen. Sie setzte sich zu seiner Rechten." (1 Kön 2,19)

 

Auch hier ersieht man, dass die eigene Frau nicht über den Eltern ihres Ehemannes steht, weil Salomon nicht eine seiner Frauen den königlichen Thron zu seiner Rechten gab, sondern seiner Mutter. Diese Rangordnung teilt uns Jesus dann sogar selbst mit:

 

"Wenn jemand zu mir kommt, aber Vater und Mutter und Frau und Kinder und Bruder und Schwester, ja sogar sich selbst nicht weniger liebt, so kann er nicht mein Jünger sein." (Lk 14,26)

 

Zuerst kommen Vater und Mutter, dann der eigene Ehepartner und die eigenen Kinder und zuallerletzt die Geschwister. Und was hier noch zu sehen ist, ist, dass die eigenen Kinder nach dem eigenen Ehepartner kommen, also wiederum nach ihren Eltern. Damit wird deutlich, dass Christus aufgrund des vierten Gebots moralisch unter seiner Mutter steht, aber "staatlich" gesehen als König in seinem Reich über ihr, und selbstverständlich auch als Gott und Schöpfer, der "über ALLEM" ist (Röm 9,5). Dies verdeutlicht auch Lk 2,51, wonach Jesus seinen Eltern untertan war, weil er aufgrund des vierten Gebots moralisch unter ihnen steht:

 

"Und er zog mit ihnen hinab, kam nach Nazareth und war ihnen untertan."

 

Das vierte Gebot macht also eine Bevorzugung anderer Menschen der eigenen Mutter gegenüber unmöglich, weshalb Jesus Christus seine Knechte Henoch und Elias mit ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel seiner Mutter nicht vorgezogen haben konnte, und ihr ebenso seine „zwei Zeugen“ künftig nicht vorziehen kann, weshalb er auch sie leiblich in den Himmel aufgenommen haben muss, um sein eigenes Gebot, Vater und Mutter zu verherrlichen, zu erfüllen, was im übrigen jedes gute Kind in der Position Christi mit seiner eigenen Mutter auch machen würde, so z.B. wir gläubigen Katholiken. Und sicherlich wird man uns gläubige Katholiken nicht für bessere Erfüller des Gebots halten wollen als Jesus Christus; denn das wäre eine Erniedrigung Jesu Christi, von der unbedingt abzuraten ist. Das vierte Gebot lässt also keine andere Handlung zu.

 

II. Wir sahen, dass Maria gemäß der Heiligen Schrift die Königin des Himmels ist, die zur Rechten ihres Sohnes thront:

 

Die Königstöchter stehen da in deinem Schmuck, die Königin zu deiner Rechten in Ofirgold, umgeben von bunter Pracht! Höre, Tochter, und siehe, und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus. Der König verlangt nach deiner Schönheit, denn er ist der Herr, dein Gott, und ihn betet man an. Die Töchter von Tyrus bemühen sich um deine Gunst, alle Reichen des Volkes. Ganz Herrlichkeit ist die Königstochter im Innern, mit goldenem Saume geziert, ist sie mit bunten Kleidern angetan. Hinter ihr her führt man Jungfrauen zum König; ihre Genossinnen bringt man zu dir! Sie werden herzu geführt unter Freude und Jubel, hineingeleitet in den Palast des Königs.“ (Ps 45,10-16)

 

Nun werden zwei bis vier Untertanen der Königin – Henoch und Elias und die zwei Zeugen – nicht privilegierter sein als sie, ihre Königin. Aus diesem Grund wird ihre Königin genauso mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sein, wie diese ihre Untertanen!

 

III. Das bestätigt auch Offb 19,11, wo Johannes sie als die Lade des Neuen Bundes im Tempel des himmlischen Jerusalems sieht. So, wie die alte Bundeslade aus Akazienholz besteht, so besteht Maria, die neue Bundeslade, aus Fleisch und Blut. So wie es keine alte Bundeslade ohne Akazienholz gab, so gibt es auch keine neue Bundeslade ohne Fleisch und Blut! Sie befindet sich als die Lade des Neuen Bundes - mit Fleisch und Blut also - im Himmel:

 

Da wurde der Tempel Gottes im Himmel aufgetan, und die Lade seines Bundes war zu sehen in seinem Tempel, und es folgten Blitze und Donner, Beben und starker Hagel.“

 

So nämlich, wie die Bundeslade - aus Akazienholz bestehend - in den Tempel des irdischen Jerusalems überführt wurde, so wurde die neue Bundeslade Maria - aus Fleisch und Blut bestehend - in den Tempel des himmlischen Jerusalems überführt. Ihre leibliche Aufnahme in den Tempel des himmlischen Jerusalems ist in der Überführung der alten Bundeslade in den Tempel des irdischen Jerusalems typologisch vorausbezeichnet. Das wird dann auch durch die Enthüllungsvision einen Vers danach bestätigt:

 

Ein großes Zeichen erschien im Himmel, eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. Sie war gesegneten Leibes …“

 

Tatsächlich sieht Johannes Maria, die neue Bundeslade, mit ihrem Leib im Himmel und dort mit Christus, ihrem Sohn, auch symbolisch schwanger.

 

So bezeugt die Bibel selbst, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden ist! Dies geht auch aus der Tatsache hervor, dass die Katholische Kirche zwar die toten Leiber der Heiligen als Reliquien in großen Ehren hält, doch gerade Mariens Leib ist als Reliquie nicht da. Da wir gläubigen Katholiken Maria die höchste geschöpfliche Verehrung zukommen lassen, so müsste man doch erwarten, dass wir gerade Mariens Leib als Reliquie verehren. Doch wir tun es nicht, weil ihr Leib einfach nicht hier ist, da die Kirche ihn sonst als Reliquie schon seit dem ersten Jahrhundert verehren würde. Dasselbe betrifft ja den Leib des Herrn: dieser findet sich hier auf Erden ebenso wenig. Sowohl die Tatsache, dass kein toter Leib Mariens auf Erden existiert, als auch die Tatsache, dass kein toter Leib Jesu auf Erden existiert, beweist, dass ihre Leiber im Himmel sind, so, wie es uns die Bibel

offenbart!

 

So beweist auf der einen Seite die Bibel und auf der anderen Seite die historische Realität, dass nicht nur Jesus Christus mit Leib und Seele in den Himmel eingegangen ist, sondern auch seine Mutter Maria, unsere Lade des Neuen Bundes!

 

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1Theurer, Andreas: Warum werden wir nicht katholisch?, Domius 2012, S.74.

 

 

 

4.6 Wir brauchen Maria

 

Da wir Christen in vielerlei Hinsicht bedroht sind, benötigen wir unsere Lade des Neuen Bundes. Leider wird das von den antimarianischen Protestanten verneint, weshalb mich einer von ihnen einmal gefragt hat:

 

Zeigen Sie mir in der Bibel, wo wir Maria brauchen? Jesus schon! In Johannes 14:6 sagte Jesus (nicht Maria) :…. ich bin der Weg, niemand kommt zum Vater (Jahwe) als durch mich, ‚Jesus Christus‘. Und da

steht nicht Maria!“

 

Die antimarianischen Protestanten vertreten somit das Dogma „Der Christ braucht Maria nicht“! Wir stellen fest, dass die oben vorgebrachten Bibelstellen im gesamtbiblischen Kontext nicht im Widerspruch zu 1 Kor 12,21 stehen, wo Gott den Apostel Paulus schreiben lässt, dass kein Glied des Leibes Christi zu einem anderen Glied des Leibes Christi zu sagen vermag: „Ich brauche dich nicht!“, was also besagt, dass ein Glied des Leibes Christi ein anderes Glied des Leibes Christi, und somit Maria als Glied des Leibes Christi, trotz Joh 14,6 und weiterer Bibelstellen, braucht. Als Glieder des Leibes Christi brauchen wir gemäß 1 Kor 12,21 also auch Maria als Glied des Leibes Christi, da Christus durch alle seine Glieder wirkt; denn dafür sind die Glieder eines Leibes ja da:

Denn gleichwie wir an dem einen Leibe viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle denselben Dienst haben, so sind wir, die Vielen, ein einziger Leib in Christus, im Einzelnen aber untereinander Glieder.“ (Röm 12,4)

 

Auch Maria hat als Glied des Leibes ihres Sohnes, als Königin und Bundeslade, somit ihre eigene dienende Funktion. Auch sie hat einen wesentlichen und zentralen Dienst inne, der uns in 1Mo 3,15 enthüllt wird:

 

Feindschaft werde ich stiften zwischen dir und der FRAU, zwischen deinem Samen und IHREM SAMEN“

 

Maria wurde von Gott zur Feindin, Widersacherin, Rivalin und Gegenspielerin Satans eingesetzt. Ihr zentraler Dienst als Glied des Leibes Christi, als Königin und Bundeslade, besteht darin, Satan und seine Dämonen für die Sache Christi, ihres Sohnes, zu bekämpfen und auszuschalten. Gott hat sie ja nicht zur Zierde zur Widersacherin und Gegenspielerin Satans eingesetzt. Er wirkt durch sie gegen Satan und seine Dämonen für das Werk Christi, ihres Sohnes. Deshalb brauchen wir Christen sie im Kampf gegen die bösen Mächte und Gewalten, auch dann, wenn man es selbst nicht so empfinden,

wahrnehmen oder einsehen sollte. Denn es kommt nicht auf das persönliche Wahrnehmen, Empfinden und Einsehen an, sondern um Tatsachen, die uns Gottes Wort 1 Mo 3,15 direkt vor Augen führt. Wie viel hat Gott durch Maria als die von ihm eingesetzte Feindin Satans schon für den einen oder anderen antimarianischen Protestanten getan, ohne dass er es selbst gemerkt und gewusst hätte und daher alles allein Gott zugeschrieben hat?

 

Weil nun Satan weiß, wen er in MARIA als Glied des Leibes Christi vor sich hat, nämlich seine Feindin, versucht er sie durch seinen antimarianischen „Wasserstrom“ innerhalb der Christenheit aus dem Weg zu räumen:

 

Und die Schlange schleuderte aus ihrem Rachen hinter der Frau Wasser her, gleich einem Strom, um sie vom Strom wegschwemmen zu lassen.“ (Offb 12,15)

 

Dieser antimarianische Wasserstrom aus Satans Inneren ist, wie bereits dargelegt, mit dem Antimarianismus verwirklicht. Mit ihm versucht Satan Maria, die Lade des Neuen Bundes, innerhalb der Christenheit wegzuschwemmen, aus dem Weg zu räumen, damit sich so wenig Christen wie nur möglich ihr zuwenden, ihren Schutz suchen und gegen Satan und seine Dämonen und ihre Mediatoren in Anspruch nehmen. Denn je weniger wir sie für uns nutzen, desto mehr Macht und Einfluss hat Satan in aller Welt und im persönlichen Bereich, auch dann, wenn man aufgrund seines falschen Glaubens von etwas anderem überzeugt ist.

 

Satan, der das Werk Christi zerstören will, wirkt durch den antimarianischen Protestantismus gegen seine Feindin, die das Werk Christi fördern will! Das sollte also nicht länger so sein, weshalb ich den antimarianischen Protestanten empfehlen möchte, ihre Richtung zu ändern und sich Maria, Satans Feindin, zuzuwenden, ihren Schutz vor den bösen Mächten und Gewalten zu suchen und sie zu verteidigen, auch dann, wenn sie der subjektiven Überzeugung sind, auch ohne Maria geschützt zu sein; denn ohne sie wird nach 1 Mo 3,15 niemand geschützt!

 

Maria nimmt als Glied des Leibes Christi folglich Christi einmalige Position nicht weg. Er allein ist der Weg zum Vater und er allein ist der Mittler zwischen dem Vater und den Menschen, sonst keiner. Doch Christus hat gemäß der Lehre in den Paulusbriefen Glieder an seinem mystischen Leib, und somit auch seine Mutter, mit denen und durch die er wirkt! Die Mittlerfunktion, die alle Christen im Himmel und auf Erden als Glieder des Leibes Christi besitzen, ist folglich eine gänzlich andere als die, die Christus

besitzt! Da jeder wahre Christ, und somit Maria, Teil des Leibes Christi ist, so ist er als Teil des Leibes Christi in seine einzigartige Mittlerschaft eingebunden (vgl. z.B. 1 Kor 12,29, Röm 12,4, Jud 22-23).

 

 

 

4.7 Maria, die Mittlerin

 

Es herrscht im Protestantismus die falsche Vorstellung, dass Gott immer und ausnahmslos im Alleingang und direkt helfen und Gnaden schenken würde. Dies entspricht aber nicht der Realität und steht daher auch nicht in der Heiligen Schrift geschrieben, sondern immer das genaue Gegenteil:

 

1. Gott wirkt in der Regel nur dann direkt und unmittelbar, also ohne einen Mittler, wenn ein Geschöpf aufgrund seiner geschöpflichen Natur nicht geeignet ist, etwas auszuführen, was nur er ausführen kann, z.B. das

Heil der Seele, die Erlösung von den Sünden, wohingegen die Spendung der Heils- und Heiligungsgnaden durch geschöpfliche Mittler erfolgt, z.B. bei der Spendung der Taufe (Mk 16,16), des Heiligen Geistes (Apg 8,14-17; 19,6), des Beichtsakraments (Joh 20,22-23 + 1 Joh 1,8-9) und der Krankensalbung (Jak 5,14-15).

 

2. Gott bediente sich Abrahams, Isaaks und Jakobs und ihrer Frauen zur Hervorbringung des Volkes Israel auf den Messias hin. Und so bediente er sich auch der hl. Jungfrau Maria, um den Messias, seinen göttlichen Sohn, in die Welt einzuführen zum Zweck ihrer Erlösung von der Sünde. Um die Welt also zu erlösen, bediente er sich seiner Knechte Abraham, Isaak und Jakob und ihrer Frauen und am Ende seiner heiligen Magd, der Jungfrau Maria. Die ersteren waren somit entfernte und indirekte Mittler und die Jungfrau Maria die unmittelbare, direkte und somit einzigartige Mittlerin! So wurde uns durch

sie Christus und Alles, was er uns erwirkt hat, geschenkt. Dies haben wir ihr und ihrem Ja zu verdanken (Lk 1,38)! Durch sie kamen in Christus das Leben und das Heil in die Welt!

 

3. Im lukanischen Bericht über die Situation bei Elisabeth sehen wir, wie Christus Elisabeth und ihr ungeborenes Kind mit Heiligem Geist erfüllt (Lk 1,41). In Lk 1,15 lesen wir, wie der Engel Gabriel Zacharias, dem Mann Elisabeths, voraussagte, dass er von seiner Frau einen Sohn bekommen und dieser dann schon im Mutterleib von Heiligem Geist erfüllt würde. Nun war Elisabeth bereits sechs Monate schwanger, als Maria Jesus empfing, und doch hatte der Täufer im Leib seiner Mutter den Heiligen Geist zu diesem Zeitpunkt noch nicht, sondern erst dann, als Maria soeben bei ihnen angekommen war (Lk 1,41), was zeigt, dass Gott den Täufer nicht ohne die Anwesenheit seiner Mutter mit Heiligem Geist beschenken wollte. Dies zeigt sich besonders daran, dass er ihn auch einige Tage vorher, als seine Mutter noch nicht bei Elisabeth war, hätte mit Heiligem Geist erfüllen können, aber auch noch vor der Ankunft Gabriels bei Maria, es aber nicht getan hat. Doch Gott, der Sohn, wollte den Täufer nicht einfach nur in Anwesenheit Seiner Mutter mit Heiligem Geist beschenken, sondern im Moment ihres Grußwortes, das sie Elisabeth zukommen ließ; wir lesen:

 

"Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib, und Elisabeth wurde erfüllt von Heiligem Geist ..." (Lk 1,41), und: "Denn siehe, als der Klang deines Grußes an meine Ohren kam, hüpfte

frohlockend das Kind in meinem Leibe." (Lk 1,44)

 

Das bedeutet: Jesus, Gott, wollte den Täufer unbedingt durch das Grußwort seiner Mutter Maria mit Heiligem Geist erfüllen, nicht ohne ihr Wort! Ihr Grußwort war hier der Träger und Übermittler des Heiligen Geistes! Maria wurde hier von Christus als die Mittlerin seiner Gnade benutzt!

 

4. Was sehen wir auf der Hochzeitsfeier zu Kana, von dem uns das Johannesevangelium im zweiten Kapitel berichtet? Oberflächlich betrachtet sehen wir dort lediglich, wie Maria ihrem Sohn die dort entstandene Problematik mit dem fehlenden Wein vorträgt, damit er helfen wolle, was der Herr dann durch das Weinwunder getan hat. Das ist die Oberfläche, die für jeden gewöhnlichen Leser offensichtlich ist, unter der sich aber noch viel mehr verbirgt: Maria war, wie Jesus und seine Jünger, nur ein Hochzeitsgast, der sich, wie sie und alle übrigen Gäste, im Festsaal aufhielt, und mit ihnen am Mitfeiern war. Aus diesem Grund konnte sie genauso wenig etwas vom fehlenden Wein in den Weinkrügen wissen, wie alle anderen Gäste, und sogar noch weniger, als die für den Wein zuständigen Diener, die ständig aus den Weinkrügen schöpften, um die Gäste mit Wein zu versorgen. Und doch wusste Maria als Gast mehr, als die Weinschöpfer, nämlich, dass der Wein ausgegangen war! Dass die Diener tatsächlich nichts von dem in allen Krügen gleichzeitig fehlenden Wein wussten, obwohl sie ständig aus ihnen schöpften, belegt die Tatsache, dass der zuständige Tafelmeister nichts davon wusste. Denn hätten es die Diener gewusst, dann hätten sie ihn als ihren Chef darüber informiert, und er hätte das dem Gastgeber, dem Bräutigam, mitgeteilt. Und eben das war nicht der Fall, weshalb der Tafelmeister dachte, dass der Gastgeber den besseren Wein, den Jesus auf die Vermittlung seiner Mutter hin hervorbrachte, für später aufgehoben hätte.

 

Aus alledem ergibt sich, dass Gott seiner Magd, der Mutter seines Sohnes, offenbart hat, dass sich in jedem einzelnen der Krüge kein Wein mehr befand, und sich der Gastgeber deswegen in einer äußerst problematischen Situation befand, die nach menschlichem Ermessen nicht gelöst werden konnte. Mit dieser Offenbarung, die Gott seiner Magd zukommen ließ, beabsichtigte er, durch sie, durch ihren Glauben, seinen Sohn Jesus Christus dazu zu bewegen, durch ein Wunder einzuschreiten und damit seine Mission

einzuleiten, was Christus dadurch zum Ausdruck brachte, dass er zu seiner Mutter sagte, dass seine Stunde des Wirkens, welches in seiner Passion münden sollte, noch nicht gekommen sei. Alle Gnaden also, die Christus den Menschen während seiner Mission schenkte, und das Heil, das er am Ende seiner Mission mit seiner Passion für die Menschen erwirkte, hat Gott, sein Vater, ihnen auf bezeichnete Weise durch Maria, seine Magd, zukommen lassen wollen. Anders ausgedrückt: Er hat ALLES durch sie initiiert und begonnen!

 

Mit diesen drei Punkten (2,3 u. 4) offenbart uns die Heilige Schrift, wie Gott seine Magd – die Lade des Neuen Bundes - in einzigartiger Weise als die Mittlerin seiner Gnaden gebraucht. Daraus wird ersichtlich, dass sie ein einzigartiges Glied des Leibes Christi, ihres Sohnes, ist. Sie ist der „Hals“ seines Leibes, durch „den“ er als das Haupt alle seine Gedanken, Anordnungen und Gnaden zu den Gliedern des unteren Teils seines Leibes zukommen lässt. Alles geht von Gott aus - durch Maria, seine

einzigartige Magd, die Lade des Neuen Bundes!

 

 

 

 

 

 

5. MARIENS PERSÖNLICHE EIGENSCHAFTEN

 

5.1 Mariens außergewöhnlicher Glaube

 

Die Heilige Schrift sagt uns sehr viel über Maria, auch über ihren Glauben. Zunächst zeigt uns das Lukasevangelium im zweiten Kapitel, dass Maria eine gläubige und fromme Jüdin war, die – im Gegensatz zu den Pharisäern – aus Glauben die Gesetze des Alten Bundes erfüllte, weshalb sie bis zur Passion ihres geliebten Sohnes, des Herrn Jesus Christus, auch jährlich zum Passahfest nach Jerusalem pilgerte. Auch ihr Magnifikat, das sie in Anwesenheit der Mutter des Täufers sprach, zeigt, dass sie die Heilige Schrift bestens kannte; und es zeigt auch, dass sie in der Lage war, mit verschiedenen Formulierungen im Alten Testament, der damaligen Heiligen Schrift, einen neuen theologisch richtigen Text zum Lobe Gottes zu formulieren. Schauen wir uns nun Mariens positive Reaktion, die uns Lk 1,28-38 zeigt, im Vergleich mit Abrahams und Zacharias‘ Reaktionen an:

 

Als Gott seinem Knecht Abraham einen Sohn verheißen hat, dessen Nachkomme der Messias sein würde, glaubte Abraham ohne Zögern, obwohl seine Frau Sara in hohem Alter und unfruchtbar war. Abraham glaubte also, dass Gott mit seiner allmächtigen Kraft seine Frau noch fruchtbar machen und ihm durch sie einen Sohn schenken werde; und eben dieser Glaube, den Abraham hatte, wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet:

 

Denn was sagt die Schrift? – ‚Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm angerechnet zur Gerechtigkeit.“ (Röm 4,3)

 

Dass ein solcher Glaube keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt der Bericht über den Priester Zacharias, den künftigen Vater des Täufers:

 

Da erschien ihm ein Engel des Herrn … und Zacharias erschrak … Der Engel aber sprach zu ihm: ‚Fürchte dich nicht; denn dein Beten wurde erhört und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Johannes nennen …‘ Da sprach Zacharias zum Engel: ‚Woran soll ich das erkennen? Bin ich doch ein alter Mann, und meine Frau ist vorgerückt in ihren Tagen.‘ Der Engel antwortete ihm: ‚Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich wurde gesandt, um zu dir zu sprechen und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Siehe, du wirst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tag, da dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen werden zu ihrer Zeit.“ (Lk 1,11-20)

 

So nun, wie Abraham gerecht und untadelig war, so war das nach Lk 1,6 auch Zacharias. Und wie Sara im Alter vorgerückt und unfruchtbar war, so war das Zacharias‘ Frau Elisabeth ebenso. Und so, wie Gott Abraham einen leiblichen Sohn ankündigte, so kündigte er auch Zacharias einen leiblichen Sohn an. Hier liegt also die gleiche Situation vor. Und doch war Abrahams Glaube größer und stärker als der des Zacharias, weil Abraham Gott ohne zu zögern glaubte, während Zacharias in diesem speziellen Fall ungläubig war. So sehen wir, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass Abraham der Zusage Gottes glaubte. Das bedeutet, dass Abrahams Glaube außergewöhnlich groß und stark war, weshalb Gott ihm seinen außergewöhnlich großen und starken Glauben zur Gerechtigkeit anrechnete. Vergleichen wir nun seinen außergewöhnlich großen und starken Glauben mit dem von Maria:

 

Gott hat durch seinen Engel Gabriel Maria einen Sohn zugesagt, den sie ohne einen Mann empfangen sollte. Dies war nun eine Zusage, die einen weit größeren Glauben abverlangte als die Zusage eines Kindes, dessen Mutter alt und unfruchtbar ist. Aus diesem Grund war der Glaube Mariens weit größer als der in der Heiligen Schrift bezeugte Glaube Abrahams. Deshalb konnte Elisabeth, von Heiligem Geist inspiriert, zu ihr sagen:

 

Selig, die geglaubt hat, dass zur Erfüllung kommt, was ihr vom Herrn gesagt worden ist.“ (Lk 1,45)

 

Weil also Mariens Glaube praktisch größer war als der biblisch bezeugte Glaube Abrahams, so gilt Röm 4,3 erst recht ihr: „Maria glaubte Gott, und es wurde ihr angerechnet zur Gerechtigkeit.“, und zwar zur größeren Gerechtigkeit als Abraham, weil von ihr ein weit größerer Glaube abverlangt wurde als von ihm, weshalb sie allein schon aus diesem Grund größer ist als Abraham. Und je größer der Glaube eines Gläubigen ist, desto mehr Anerkennung bekommt er von Gott! Doch Mariens Glaube, der den des Abraham weit überragt, ließ bei ihr mit der Zeit nicht nach, denn die Heilige Schrift berichtet über sie:

 

Am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen. Da es an Wein fehlte, sagte die Mutter Jesu zu ihm: ‚Sie haben keinen Wein!'“ (Joh 2,1-3)

 

Maria sah, dass sich der Gastgeber aufgrund fehlenden Weines vor einem menschlich gesehen unlösbaren Problem befand. Die Hochzeitsfeier drohte zu platzen, womit sich der Gastgeber, der für zu wenig Wein gesorgt hat, in einer äußerst peinlichen Situation befand. Da Maria nun wusste, dass nach menschlichem Ermessen das Problem nicht gelöst werden konnte, wandte sie sich an den, von dem sie fest glaubte, dass nur er helfen könne: an ihren göttlichen Sohn Jesus Christus! Und diesen ihren Glauben belohnte er ihr, indem er ihren Herzenswunsch erfüllte! Hier wird uns Mariens großer und unerschütterlicher Glaube an ihren göttlichen Sohn enthüllt, der noch dadurch hervorgehoben wird, dass uns gleich darauf in Vers 11 offenbart wird, dass die Apostel im Gegensatz zu ihr an Jesus nicht geglaubt hatten, sie erst zum Glauben an Jesus Christus fanden, als Maria aufgrund ihres großen Glaubens intervenierte und Jesus daraufhin das Weinwunder vollbrachte. Mariens großer und unerschütterlicher Glaube, der den Glauben Abrahams überragt, war hier die Ursache des später aufgekommenen Glaubens der Apostel, wodurch sie hier als Urheberin des Glaubens der Apostel zum Vorschein tritt. Doch der außergewöhnliche Glaube Mariens an ihren göttlichen Sohn wird noch dadurch hervorgehoben, dass Maria im Gegensatz zu den Aposteln ohne Wunder an ihn glaubte, während die Apostel erst ein Schauwunder benötigten, um zum Glauben an ihn zu gelangen. Maria benötigte also keine Wunder von ihrem Sohn, um an ihn zu glauben, die Jünger hingegen schon, was zeigt, dass ihr Glaube weit größer war als der Glaube der Jünger; und er war auch schon deshalb größer als der der Jünger, weil er größer war als der große Glaube Abrahams. Mariens außergewöhnlicher Glaube an ihren Sohn Jesus Christus zeigt sich auch im folgenden Fall: Der Apostel Johannes berichtet in seinem Evangelium:

 

Da sagten seine Brüder zu ihm: ‚Geh weg von hier und zieh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du vollbringst. Denn niemand wirkt im Verborgenen, der öffentlich bekannt sein will. Wenn du solche Dinge zu tun vermagst, zeige dich offen der Welt.‘ Selbst seine Brüder glaubten nämlich nicht an ihn.“ (Joh 7,3)

 

Selbst die „Brüder“ Jesu glaubten nicht an ihn, trotz seiner Wunder, von denen sie wussten. Von seiner Mutter aber wird an keiner Stelle berichtet, dass sie jemals in Zweifel geraten wäre, weshalb wir sie im Gegensatz zu seinen ungläubigen „Brüdern“ glaubend unter dem Kreuz stehen sehen:

 

Es standen unter dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.“ (Joh 19,25)

 

Maria hielt in ihrem großen Glauben und ihrer großen Mutterliebe also die ganze Zeit hindurch an ihren göttlichen Sohn Jesus Christus fest; und sie schämte sich nicht, sich unter dem Kreuz, unter dem Schandpfahl, öffentlich zu ihm als seine Mutter zu bekennen, von dem alle annahmen, er sei ein schändlicher Gotteslästerer, der diese Todesstrafe mit allem Recht verdient hätte. Und so sehen wir sie nach Apg 1,14 als bedeutenden und zentralen Teil der Jerusalemer Kirchengemeinde:

 

Diese alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“

 

Die zentralen Personen innerhalb der Jerusalemer Kirchengemeinde waren gemäß Apg 1,14 die Apostel Jesu, seine Mutter, seine Jüngerinnen und seine inzwischen gläubig gewordenen „Brüder“. In Apg 2,42-47 und 4,32 wird uns dann über das Jerusalemer Gemeindeleben berichtet:

 

Sie verharrten in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten … Alle, die zum Glauben fanden, hielten zusammen und hatten alles gemeinsam … Beharrlich kamen sie Tag für Tag einmütig im Tempel zusammen, brachen zu Hause das Brot und nahmen die Speise in Freud und Lauterkeit des Herzens; sie lobten Gott und standen in Ansehen beim ganzen Volk …“

 

Die Gesamtheit der Gläubigen war ein Herz und eine Seele, und nicht ein einziger nannte von dem, was er besaß, sein eigen, sondern sie hatten alles gemeinsam.“

 

Damit erfahren wir, wie die Muttergottes in der Jerusalemer Gemeinde gelebt hat:

 

Nach Joh 19,27 lebte sie in Jerusalem zusammen mit dem Apostel Johannes, ihrem geistigen Sohn. Sie verharrte in der Lehre der Apostel, die die Lehre ihres Sohnes Jesus Christus ist, und war mit allen anderen Gläubigen ein Herz und eine Seele, und sie mit ihr. Sie ging gemeinsam mit anderen täglich in den Tempel, um dort zu beten, und nahm an der Heiligen Messe und an der Heiligen Kommunion teil, bei der sie den heiligsten Leib ihres göttlichen Sohnes empfing. Wie musste sie sich als Mutter in ihrer mütterlichen Liebe zu ihm dabei gefühlt haben? Ich denke, dass kann nur eine gute Mutter wissen!

 

So sah Mariens eigenes christliches Glaubensleben inmitten der Jerusalemer Kirchengemeinde aus. Später war sie dann mitbetroffen von einer großen Kirchenverfolgung, die in Jerusalem ausbrach:

 

Saulus aber hatte mit zugestimmt bei seiner Hinrichtung. An jenem Tag brach eine große Verfolgung aus gegen die Gemeinde in Jerusalem, und alle wurden versprengt über die Gebiete von Judäa und Samaria, mit Ausnahme der Apostel … Saulus aber misshandelte die Gemeinde, drang in ihre Häuser

ein, schleppte Männer und Frauen weg und lieferte sie ins Gefängnis. Die aber versprengt wurden, zogen durchs Land und verkündeten das Wort Gottes.“ (Apg 8,1-4)

 

Da die Mutter Gottes mit dem Apostel Johannes zusammengelebt hat, gehörte sie zu den wenigen, die trotz dieser großen Verfolgung mutig in Jerusalem geblieben waren. Sie war bereit, für ihren Sohn, den Herrn Jesus Christus, zu sterben und einen Märtyrertod zu erleiden; doch Christus, ihr Sohn, bewahrte sie davor!

 

Bis zu ihrem Heimgang lebte sie fest im Glauben mit ihrem geistigen Sohn, dem Apostel Johannes, zusammen.

 

 

 

5.2 Mariens mystische Gnadengaben

 

Wenn wir die Evangelien-Texte, die über Maria berichten, einfach nur lesen, dann werden wir darin über Maria nur äußerst wenig wahrnehmen. Wenn wir uns mit diesen marianischen Texten hingegen intensiv und näher befassen, werden uns dort noch weit mehr Informationen über sie begegnen, so auch die Tatsache, dass sie mystisch begnadet war, was wir im dritten Kapitel bereits gesehen haben. Ihr wurde auf der Hochzeit zu Kana offenbart, dass der Wein zu Ende war. Sie hatte ganz offensichtlich die Gabe der Weissagung. Betrachten wir auch ihr Magnifikat:

 

Hochpreist meine Seele den Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter; er schaute gnädig herab auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Große Dinge hat an mir getan der Mächtige, und heilig ist sein Name. Sein Erbarmen gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. Er übt Macht aus mit seinem Arm; er zerstreut, die hochmütig sind in ihres Herzens Sinnen. Gewalthaber stürzt er vom Thron und erhöht die Niedrigen. Hungrige erfüllt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer davon. Er nahm sich Israels an, seines Knechtes, zu gedenken seines Erbarmens, wie er zu unseren Vätern sprach, für Abraham und seine Nachkommen auf ewig!“ (Lk. 1,46-55)

 

Um hier das Außergewöhnliche festzustellen, muss man zunächst wissen, dass Maria ihr Magnifikat aus insgesamt vierundzwanzig biblischen Fragmenten und Sätzen zusammensetzte:

 

Vers 46: „Hochpreist meine Seele den Herrn“

Aus: Ps 34,2: „Preisen will ich den Herrn“

 

Vers 47: „und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“

Aus: Hab 3,18: „Aber ich werde im Herrn jubeln, frohlocken über Gott, meinen Retter.“

Und aus: Ps 34,9: „Dann wird meine Seele jubeln im Herrn“

Und aus: 1 Sam 2,1: „Mein Herz jubelt im Herrn“

 

Vers 48a: „er schaute gnädig herab auf die Niedrigkeit seiner Magd“

Aus: 1 Sam 1,11: „Herr der Heerscharen, wenn du die Niedrigkeit deiner Magd ansiehst“

 

Vers 48b: „denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter“

Aus: 1 Mo 30,13: „Ich bin selig, denn die Frauen preisen mich selig.“

Und aus: Ps 72,17: „In ihm mögen sich segnen alle Geschlechter, alle Völker sollen ihn seligpreisen“

 

Vers 49: „Große Dinge hat an mir getan der Mächtige, und heilig ist sein Name.“

Aus: 5 Mo 10,21: „… Gott, der an dir große und furchterregende Dinge getan hat“

Und aus: Ps 111,9: „Heilig und verehrungswürdig ist sein Name.“

 

Vers 50: „Sein Erbarmen gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten.“

Aus: Ps 103,11.13.17: „so groß ist über denen, die ihn fürchten, sein Erbarmen … so erbarmt der Herr sich derer, die ihn fürchten … Doch ewig währt die Huld des Herrn über allen, die ihn fürchten, und seine Treue noch bei Kindeskindern.“

 

Vers 51: „Er übt Macht aus mit seinem Arm; er zerstreut, die hochmütig sind in ihres Herzens Sinnen.“

Aus: Ps 118,15: „Die Rechte des Herrn erhöht, die Rechte des Herrn wirkt Gewaltiges!“

Und aus: Ps 89,11 (Septuaginta): „Du hast den Hochmütigen wie einen Verwundeten erniedrigt, und mit dem Arm deiner Macht hast du deine Feinde zerstreut.“

 

Vers 52: „Gewalthaber stürzt er vom Thron und erhöht die Niedrigen.“

Aus: Sir 10,14: „Den Thron der Fürsten stürzt Gott um und setzt an ihre Stelle die Unterdrückten.“

Und aus: Hi 5,11: „Niedrige setzt er in die Höhe“

Und aus: Hi 12,19: „Er warf Herrscher der Erde um“

Und aus: Ez 21,31: „so spricht der Gebieter und Herr: … Das Niedrige wird erhöht, das Hohe erniedrigt.“

 

Vers 53: „Hungrige erfüllt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer davon.“

Aus: Ps 107,9: „Denn er hat … die hungrige Seele mit Gutem erfüllt.“

Und aus: Hi 12,19: „Der Priester (Reiche) als Kriegsgefangene wegschickt ...“

 

Vers 54: „Er nahm sich Israels an, seines Knechtes, zu gedenken seines Erbarmens“

Aus: Jes 41,8: „Du aber, Israel, mein Knecht, und Jakob, den ich erwählt“

Und aus: Ps 98,3: „Er gedachte seines Erbarmens und seiner Treue für das Haus Israel“

 

Vers 55: „wie er zu unseren Vätern sprach, für Abraham und seine Nachkommen auf ewig!“

Aus: Mi 7,20: „Mögest du Jakob Treue erweisen und Abraham Erbarmen, wie du unseren Vätern geschworen hast“

Und aus: 2 Sam 22,51: „Er … erwies seinem Gesalbten Erbarmen, David und seinen Nachkommen auf ewig“

 

Wenn wir uns nun vor diesem Hintergrund vor Augen führen, wie Maria das aus diesen vierundzwanzig biblischen Fragmenten und Sätzen bestehende Magnifikat in Anwesenheit Elisabeths aus dem Stegreif und innerhalb einiger weniger Sekunden aufgesagt hat, dann stellen wir bei etwas längerer Betrachtung fest, dass sie es unter mystischer Begnadung formulierte, ohne die sie das nie gekonnt hätte. Denn so etwas ist dem menschlichen Geist und Verstand von Natur aus nicht möglich. Probieren Sie das einmal aus: Lernen Sie vierundzwanzig biblische Fragmente auswendig und formulieren Sie dann, wie Maria, mit ihnen aus dem Stegreif und innerhalb von wenigen Sekunden einen neuen theologisch richtigen Text! Sie werden das nicht schaffen! Aber Maria hat das geschafft! Sie hat das von Natur aus Unmögliche geschafft, weil sie durch den Heiligen Geist dazu befähigt worden ist! Sie hat diese mystische Gnadengabe zur Ehre und zur Verherrlichung ihres Gottes besessen, dessen Magd sie ist!

 

Maria hatte also nicht nur die Gabe der Weissagung, mit der sie Dinge wahrnehmen konnte, die man normalerweise nicht wahrnehmen kann, sondern auch die Gabe, mit ihrem Verstand Dinge zu vollbringen, zu denen der Verstand von Natur aus nicht in der Lage ist! Wer weiß, welche außergewöhnlichen Gnadengaben, die sie auszeichnen, sie noch besessen hat?!

 

 

 

5.3 Mariens immerwährende Jungfräulichkeit

 

Eine weitere persönliche Eigenschaft Mariens ist ihre immerwährende Jungfräulichkeit, was Protestanten ablehnen. Ihre Reformatoren sahen es noch anders. Um ihre Position biblisch zu belegen, führen sie meines Wissens fünf Bibelaussagen an, die wir nun biblisch erörtern wollen:

 

I. „Und als die Tage ihrer Reinigung sich nach dem Gesetz des Moses erfüllten, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen, wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn …” (Lk 2,22)

 

Es wird gesagt, dass die im Gesetz Mose vorgeschriebene Reinigung, der sich Maria unterzog, beweisen würde, dass sie bei der Geburt ihres Sohnes Jesus Christus ihre biologische Jungfräulichkeit verloren habe. Dagegen ist zu erwidern:

 

1. In Mt 3,13 steht auch, dass sich Jesus der johanneischen Bußtaufe unterzogen hat, so wie Maria, seine Mutter, der gesetzlich angeordneten Reinigung. Das heißt: So, wie aus der Bußtaufe Christi nicht zu schlussfolgern ist, dass er Sünder war und deshalb die Bußtaufe benötigt hätte, so ist auch aus der Reinigung seiner Mutter nicht zu schlussfolgern, dass sie aufgrund der Geburt ihres Sohnes ihre biologische Jungfräulichkeit verloren habe. Man kann daher schlussfolgern: So, wie sich Jesus gemäß Mt 3,13 als Sündenloser der Bußtaufe unterzog, um „alle Gerechtigkeit [zu] erfüllen“, so unterzog sich seine Mutter aus demselben Grund der vorgeschriebenen Reinigung.

 

2. In Jes 7,14 lesen wir: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären …“ Diese Stelle bezieht der Apostel Matthäus im Heiligen Geist auf Maria und Jesus: „Dies alles ist geschehen, damit erfüllt würde, was gesagt ist vom Herrn durch den Propheten: ‚Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären …“ (Mt. 1,22-23) Nach Matthäus, der vom Heiligen Geist inspiriert war, besagt die von ihm zitierte Jesaja-Stelle, dass die Jungfrau Maria empfangen und geboren hat; sie war also, wie bezeugt, Jungfrau bei der Empfängnis und Geburt Christi.

 

Aus alledem ergibt sich: Maria hat ihre biologische Jungfräulichkeit weder bei der Empfängnis noch bei der Geburt Christi verloren. Sie war unmittelbar nach der Geburt Jesu genauso Jungfrau, wie vorher.

 

II. „Und er (Josef) erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar, und er gab ihm den Namen ‚Jesus‘.“ (Mt 1,25)

 

Man sagt, dass Josef gemäß dieser Stelle keinen Geschlechtsverkehr mit Maria gehabt habe, bis sie Jesus Christus geboren hat. Das würde bedeuten, dass Josef seine Frau Maria danach erkannt hätte. Deshalb sei sie keine immerwährende Jungfrau! Was diese Protestanten nicht wissen, ist, dass das Wort „bis“ im biblischen Sprachgebrauch meistens einen Sachverhalt anzeigt, der sich nur auf den bezeichneten Zeitraum bezieht, über den hinaus keine gegenteilige Auskunft gegeben wird. Dazu einige biblische Beispiele:

 

1. Wenn es in 2Sam 6,23 heißt, dass Michal, die Tochter König Sauls, bis zu ihrem Tod kinderlos blieb, dann heißt das nicht, dass sie nach ihrem Tod Kinder bekam.

 

2. Wenn nach Psalm 110 Christus zur Rechten des Vaters sitzt, bis der Vater ihm seine Feinde unterworfen hat, dann heißt das nicht, dass er danach entmachtet wird.

 

3. Wenn Christus nach Mt 28,20 sagt, dass er alle Tage bis zum Ende der Welt bei seinen Aposteln bleibt, dann heißt das nicht, dass er sie nach dem Ende der Welt verlassen wird.

 

4. Oder wenn Paulus in Phil 2,8 schreibt, dass Christus „bis zum Tod am Kreuz“ gehorsam war, dann heißt das nicht, dass er danach ungehorsam und somit Sünder geworden ist.

 

5. Oder wenn Gott dem Jakob nach 1Mo 28,15 verspricht, er werde ihn nicht verlassen, bis er getan habe, was er ihm versprochen hat, dann bedeutet das nicht, dass er ihn danach verlassen hat.

 

Genauso auch hier: Wenn es heißt, dass Josef seine Frau Maria während ihrer Schwangerschaft nicht erkannt hatte, bis sie einen Sohn – Jesus Christus – gebar, so bedeutet das nicht, dass er sie danach erkannte. Mit dem Wort „bis“ in Mt 1,25 beabsichtigte Matthäus lediglich die in Vers 23 zitierte Prophetie Jes

7,14 zu bestätigen, nach der Maria Jungfrau bei der Geburt Christi sein sollte:

 

Dies alles ist geschehen, damit erfüllt würde, was gesagt ist vom Herrn durch den Propheten: ‚Siehe, die Jungfrau wird ... einen Sohn gebären …“ (Mt. 1,22-23)

 

Indem Matthäus bezeugt, dass Josef Maria „bis“ zur Geburt Christi nicht erkannt hatte, bestätigt er diese Prophetie! Die Frage, ob er sie danach erkannte, stellte sich ihm nicht, weil sie nicht mehr im Blickfeld der von ihm hier behandelten Prophezeiung steht!

 

III. „… und sie (Maria) gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen …“ (Lk 2,7)

 

Da Jesus der erstgeborene Sohn Marias ist, so meint man, habe Maria dieser Aussage zufolge noch mindestens einen Zweitgeborenen gehabt. Das trifft nicht zu, weil das ebenfalls unbiblisch ist. Denn nach 2Mo 13,2 wird der Titel „Erstgeborener“ als das definiert, „was den Mutterschoß als Erstes öffnet“, unabhängig davon, ob danach noch ein weiteres Kind folgt. Das zeigt sich auch an der Tatsache, dass das so definierte erstgeborene Kind einige Zeit später, nach der Reinigung der Mutter,

dem Herrn dargebracht werden sollte, unabhängig davon, ob es noch ein weiteres Kind geben wird oder nicht (was man im Vorfeld ja nicht wissen kann). Weil das so ist, mussten Maria und Josef auf keinen Zweitgeborenen warten, damit Christus der „Erstgeborene“ bezeichnet werden und Gott aufgeopfert werden konnte:

 

Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihm dem Herrn darzustellen, wie im Gesetz des Herrn geschrieben steht: 'Alle männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt heißen'“ (Lk 2,22-23)

 

Aus diesem Grund ist aus Lk 2,7 nicht ersichtlich, dass Maria noch einen Zweitgeborenen hätte. Das war in der damaligen Zeit allen klar! Es ist der Fehler der Protestanten, historische Begriffe und Hintergründe der damaligen Zeit nach

heutigen Maßstäben und Auffassungen zu begreifen. So funktioniert aber kein „biblisch sein“. „Biblisch sein“ beinhaltet, die biblischen Aussagen vor dem Hintergrund der Auffassungen der damaligen Zeit zu verstehen, weil sie auf diesen Auffassungen basieren, und in ihnen eingebettet sind, und nicht auf heutigen. Daher noch ein Beleg zur noch besseren Verdeutlichung für diejenigen, die antike Schriften nach heutigen Auffassungen begreifen: Es heißt: Jesus ist „der Erstgeborene der ganzen Schöpfung, weil in ihm alles erschaffen wurde“ (Kol 1,15; vgl. Hebr 1,6). Er ist der Erstgeborene der ganzen Schöpfung, obwohl es keinen „Zweitgeborenen der ganzen Schöpfung“ geben wird! Beachten wir auch eine 20 km nordöstlich von Kairo gefundene jüdische Inschrift am Grab einer jungen Frau vom 28. Januar 5 v. Chr.: „Bei den Geburtswehen meines erstgeborenen Kindes führte mich das Schicksal an das Ende meines Lebens“.

 

IV. „Und seine Brüder Jakobus, Josef, Simon und Judas? Und sind nicht seine Schwestern bei uns?“ / „Ist er nicht … der Bruder des Jakobus, Joses und des Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern bei uns?“ (Mt 13,55-56 / Mk 6,3)

 

Diesen Bibelstellen zufolge habe Jesus leibliche Brüder und Schwestern gehabt. Maria sei demnach keine immerwährende Jungfrau. Dagegen ist zu erwidern:

 

1. Dem biblischen Sprachgebrauch zufolge muss es sich bei den Bezeichnungen „Bruder“ und „Schwester“ nicht um die Bezeichnung leiblicher Geschwister handeln. Hier einige biblische Beispiele, die das biblisch beweisen:

 

- In 1Chr 23,21–22 heißt es, dass Machli zwei Söhne hatte: Eleasar und Kisch. Eleasars Töchter heirateten nun die Söhne seines leiblichen Bruders Kisch, ihre Cousins, die der Schreiber als „ihre Brüder“ bezeichnet: „Eleasar ... hatte nur Töchter, und diese heirateten die Söhne des Kisch, ihre Brüder“. Ihre Vettern sind gemäß dem biblischen Sprachgebrauch ihre Brüder!

 

- Nach 1Mo 25,20-26 ist Laban der Onkel von Jakob, den Jakob nach 1Mo 25,20-26 aber als seinen „Bruder“ bezeichnet. Sein Onkel ist gemäß dem biblischen Sprachgebrauch sein Bruder!

 

- In 1Mo 27,29.37 setzt Isaak seinen Sohn Jakob über alle seine Brüder. Da Jakob nur einen leiblichen Bruder hatte, so bezeichnet „Brüder“ die gesamte männliche Verwandtschaft Jakobs. Seine nahen und entfernten Verwandten sind gemäß dem biblischen Sprachgebrauch seine Brüder!

 

- Nach 1Mo 13,8 ist Lot der Neffe Abrahams, und doch nennt Abraham ihn “Bruder”: „Es soll doch kein Streit sein zwischen mir und dir, zwischen meinen und deinen Hirten, denn wir sind ja Brüder!“ Der Neffe Abrahams ist gemäß dem biblischen Sprachgebrauch sein Bruder, und ebenso Abraham ihm gegenüber als dessen Onkel.

 

- Wenn es in Ri 20,13 (vgl. auch Lev 25,39) heißt: „Die Benjaminiten wollten nicht auf ihre Brüder, die Israeliten hören“, dann bezeichnet das Wort „Bruder“ die männlichen Volksgenossen. Die eigenen Volksgenossen sind einem gemäß dem biblischen Sprachgebrauch Brüder.

 

- Es heißt in Joh 19,25, dass Maria, die Mutter des Herrn, eine Schwester mit demselben Namen „Maria“ hat. Da niemand seinen Kindern denselben Vornamen gibt, so handelt es sich bei der „Schwester“ der Gottesmutter nicht um eine leibliche Schwester von ihr, sondern um eine Verwandte ab dem 3. Grad, vielleicht um eine Cousine! Diese entfernte Verwandte Mariens ist dem biblischen Sprachgebrauch zufolge ihre Schwester! Es ist also bis hierher unklar, ob es sich bei den „Brüdern“ und „Schwestern“ Jesu um seine leiblichen Geschwister handelt, oder nicht, weshalb man bis jetzt weder das eine noch das andere bejahen kann. Dieser Sachverhalt bleibt bis jetzt völlig offen!

 

2. Die Bibel spricht nirgendwo davon, dass die Brüder und Schwestern Jesu seine leiblichen Brüder und Schwestern wären. Dass es leibliche Brüder und Schwestern Jesu wären, ist nur eine protestantische Idee, die daher, weil sie unbiblisch ist, keine Relevanz hat!

 

3. Des Weiteren spricht das Neue Testament in diesem Zusammenhang an keiner Stelle von „Kindern“ oder von „Söhnen und Töchtern Marias“, sondern ausnahmslos von Brüdern und Schwestern Jesu. Auch das zeigt, dass es sich hier nur um eine protestantische Idee handelt, die mit dem Neuen Testament nichts zu tun hat! Wenn also die Bibel nie von leiblichen Söhnen und Töchtern Mariens spricht, aber von Brüdern und Schwestern Jesu, dann handelt es sich dabei gemäß dem biblischen Sprachgebrauch um Jesu Verwandte ab dem 3. Grad!

 

4. Der Bericht Lk 2,41-52 zeigt, dass Maria tatsächlich keine leiblichen Kinder außer Jesus hatte, da hier bezeugt wird, dass nur Maria, Josef und Jesus jährlich zum Paschafest gingen. Keine Spur von weiteren leiblichen Kindern Mariens! Hätte Maria nun nach Jesu dreizehntem Lebensjahr Kinder bekommen, wären diese zur Zeit der Mission Jesu unter 19 Jahre gewesen, also weit jünger als Jesus. Da die sog. “Brüder Jesu” gemäß den Evangelien aber eine bevormundende Stellung gegenüber Jesus

eingenommen haben, so zeigt das, dass sie älter als Jesus waren, weil im Judentum nur ältere “Geschwister” den Jüngeren gegenüber bevormundend auftraten, nicht umgekehrt. Von leiblichen Brüdern Jesu ist in der Bibel einfach keine Spur zu finden!

 

5. Beachten wir auch Joh 19,26f.: „Als nun Jesus seine Mutter sah und neben ihr stehend den Jünger, den er liebte, sprach er zur Mutter: ‚Frau, siehe, dein Sohn!‘ Darauf sprach er zum Jünger: ‚Siehe, deine Mutter!‘ Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger in sein Eigenes.“ In Anbetracht seines anstehenden Todes übergab Jesus seine Mutter seinem Lieblingsjünger Johannes zur Obhut. Das belegt, dass Maria neben Jesus keine weiteren leiblichen Söhne hatte, weil diese Aufgabe, die Jesus seinem Jünger erteilte, in der damaligen Zeit im jüdischen Kulturkreis diesen Söhnen zugefallen wäre. Wären also „die Brüder Jesu“ seine leiblichen Brüder, dann wären sie es gewesen, die sich nach Jesu Tod um Maria gekümmert hätten, und nicht Johannes, ein Außenstehender! Auch das belegt, dass „die Brüder Jesu“ nicht seine leiblichen Brüder sind. Nun ist mir eine protestantische Philosophie bekannt, welche die oben genannte Tatsache auszuhebeln versucht; es wird argumentiert: Jesus habe seine Mutter ihren leiblichen Söhnen (die in der Bibel nicht bezeugt sind!) nicht in Obhut geben wollen, weil sie ungläubig gewesen wären. Deshalb hätte er sie seinem gläubigen Jünger anvertrauen wollen. Dieses Argument hat vier Haken:

 

a) Maria benötigte keinen Schutz für ihren Glauben, weil ihr Glaube außergewöhnlich groß und stark war, und sogar noch größer als die der Apostel, was z.B. Offb 19,10 belegt, wonach der Glaube des Apostels Johannes kurzfristig erschüttert wurde, weshalb er in dem Engel eine Gottheit betrachtete. Deshalb war der Apostel Johannes zum Schutze des Glaubens Mariens ungeeignet, und doch wurde sie ihm von Jesus übergeben!

 

b) Wie wir aus den Evangelien wissen, waren die ungläubigen “Brüder” Jesu in der gesamten Zeit seiner Mission zusammen mit seiner Mutter unterwegs, beispielsweise nach Mk 3,31, und doch wurde ihr Glaube von deren Unglauben nicht erschüttert! Sie benötigte diesbezüglich absolut keinen Schutz!

 

c) Aus den Auferstehungsberichten der Evangelien wissen wir, dass auch die Apostel nicht an den Auferstandenen geglaubt haben, obwohl er ihnen seine Auferstehung angekündigt hatte. Sollte also Jesus jemandem seine Mutter anvertrauen, der nicht an seine Auferstehung glauben und später zwei Mal einen Engel für eine Gottheit halten sollte? Wo ist hier also der Unterschied zu Jesu ungläubigen „Brüdern“? Wir sehen, dass das besagte protestantische Argument einfach nicht aufgehen will!

 

d) Es trat aber nach der Auferstehung Christi eine Zeit ein, in der sowohl die Apostel als auch Jesu Brüder zum Glauben fanden, weshalb wir sie alle nach Apg 1,14 gläubig vereint in der Erwartung des Heiligen Geistes sehen: „Diese alle (die Apostel) verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ Aus all dem ergibt sich, dass es Jesus gar nicht nötig hatte, seine Mutter dem Apostel Johannes in Obhut zu geben, aber er musste es tun, weil es keine andere Alternative gab, weil seine Mutter keine weiteren leiblichen Söhne hat!

 

6. Matthäus und Markus berichten in Mt 27,56 und Mk 15,40 von Jakobus und Josef/Joses, die die Söhne einer Maria sind: „Unter ihnen (den Frauen) war Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Josef …“; „Auch Frauen schauten von weitem zu, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus des Jüngeren und des Joses ...“ Matthäus und Markus bezeugen damit,

 

(a) dass diese beiden „Brüder“ Jesu keine leiblichen Brüder von Judas und Simon sind, die ebenfalls als „Brüder Jesu“ genannt werden, d.h. dass sie eine andere Mutter haben als sie. Das bedeutet, dass zwei der vier Brüder Jesu somit nicht Maria, die Mutter Jesu, zur Mutter haben.

 

(b) dass die Mutter des Jakobus und des Joses nicht die Mutter Jesu, sondern eine andere Maria ist. Diese andere Maria ist nach Mk 15,41 Jesus nachgefolgt, „als er noch in Galiläa war“, und hat ihm gedient, was auf seine Mutter gemäß Mk 3,31-35 nicht zutrifft. Des Weiteren stand Jesu Mutter nahe beim Kreuz, so dass er mit ihr reden konnte, während die Mutter des Jakobus und Joses „von ferne“ zuschaute (Mt 27,55, Mk 15,40). Bei dieser anderen Maria handelt es sich somit ganz offensichtlich um Maria, die Schwester der Mutter Jesu: „Es standen bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.“ (Joh 19,25) Die Mutter des Jakobus und Joses ist die Frau des Klopas, eine entfernte Verwandte der Mutter Jesu, die hier als ihre Schwester bezeichnet wird. Die Brüder Jesu Jakobus und Joses sind folglich keine leiblichen Brüder Jesu, und auch keine leiblichen Brüder von Judas und Simon, der anderen beiden Brüder Jesu, sondern seine und ihre entfernten Verwandten!

 

7. Übrig bleiben Jesu Brüder Judas und Simon. Waren sie Jesu leibliche Brüder? Auf keinen Fall, sondern ebenfalls seine entfernten Verwandten, und zwar aus ganz einfachen Gründen: In allen Textstellen, die die Brüder Jesu namentlich bezeichnen, sehen wir folgendes: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?“ (Mt 13,55, Mk 6,3) Es sind hier zwei Dinge feststellbar:

 

a) „Die Nazarener zählen hier voll ungläubigen Erstaunens über den Ruhm Jesu offenbar seine allernächsten Verwandten auf, beginnend mit dem 'Zimmermann', den sie für seinen Vater hielten, und seiner Mutter Maria. Nach der Aufzählung von Vater und Mutter müsste man unmittelbar die leiblichen Geschwister erwarten ... Nun kommen aber nach Vater und Mutter in der Aufzählung sofort Jakobus und Josef, von denen wir nach den obigen Ausführungen wissen, dass es nichtleibliche 'Brüder' Jesu waren. Es widerspräche nun jeglicher Logik, wenn nach der Nennung dieser zwei entfernteren Verwandten noch leibliche Geschwister Jesu genannt würden.“2 Heißt: Die leiblichen Geschwister gehören an den Anfang, und nicht entfernte Verwandte; die entfernteren Verwandten gehören an den Schluss!

 

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2Neidhart, Dr. Ludwig: Die „Brüder“ Jesu: Hatte Maria mehrere Kinder oder lebte sie stets jungfräulich?, S. 8.

 

 

b) Die Einwohner Nazareths hätten, wenn es sich bei Simon und Judas um leibliche Brüder Jesu handeln würde, diesen die entfernten Verwandten Jesu (Jakobus und Joses) überhaupt nicht beigesellt. Sie hätte gesagt: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Simon und Judas?“ Sie hätten in Anbetracht dessen Jakobus und Joses als nichtleibliche Brüder Jesu weggelassen und nur die leiblichen genannt! Doch keine Spur davon! Daraus ergibt sich: „Waren die erstgenannten 'Brüder' Jakobus und Josef keine leiblichen Geschwister Jesu, so waren erst recht auch die letztgenannten 'Brüder' Simon und Judas und die danach noch genannten 'Schwestern' keine solchen.“ (Neidhart) - Das stimmt, auch die „Schwestern“ nicht!, da sonst ALLEIN diese genannt worden wären: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns?“

 

8. Dass Maria keine weiteren leiblichen Söhne außer Jesus hatte, wird obendrauf noch durch die Beobachtung untermauert, dass Jesus an keiner Stelle „ein Sohn“ Marias oder „ein Sohn“ Josefs genannt wird, sondern immer, ausnahmslos: „DER Sohn“:

 

a) Mt 13,55: „Ist das nicht DER Sohn des Zimmermanns?

 

b) Joh 6,42: „Ist dieser nicht Jesus, DER Sohn Josefs?“

 

c) Lk. 2,7: „Sie gebar DEN Sohn von ihr, den Erstgeborenen“.

 

d) Mk 6,3: „Ist dieser nicht … DER Sohn Marias …?“

Hätten Maria und Josef noch mehr Söhne gehabt, dürfte es über Jesus an keiner einziger Stelle heißen, dass er DER Sohn Marias und Josefs ist, sondern EIN Sohn von ihnen:

 

Ist das nicht ein Sohn des Zimmermanns?

Ist dieser nicht Jesus, ein Sohn Josefs?“

Sie gebar einen Sohn von ihr, den Erstgeborenen“.

Ist dieser nicht … ein Sohn Marias …?“

 

Doch keine Spur davon! Damit bezeugen Lukas und die Einwohner Nazareths, dass Jesus nicht ein Sohn von mehreren ist, sondern der Sohn, der einzige!

 

9. Beachten wir, was Maria nach Lk 1,34 sagt: Nachdem der Engel Gabriel ihr ein Kind, den Messias, verheißen hat, fragte sie ihn:

 

Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkennen werde?“

 

Maria sagt es hier ganz offen: Sie erkennt keinen Mann – generell!, obwohl sie mit Josef verlobt war und ihn bald heiraten wird. Deshalb wundert sie sich, wie sie einen Sohn empfangen sollte, der ihr vom Engel gerade eben angekündigt worden ist. Sie sagt also selbst, dass sie Zeit ihres Lebens Jungfrau bleibt! Sie hat das gemäß dem mosaischen Gesetz selbst beschlossen:

 

Gelobt eine weibliche Person dem Herrn etwas, oder legt sie sich ein Keuschheitsgelübde auf, solange sie noch ledig im Hause ihres Vaters lebt, so sind ihre Gelübde gültig …, doch muss ihr Vater von dem Gelübde und ihrer Enthaltung … erfahren und dazu schweigen. Wehrt der Vater an dem Tage, da er davon hört, so haben alle ihre Gelübde und Keuschheitsgelübde … keine Gültigkeit … Und wenn sie etwa die Frau eines Mannes wird, während ihre Gelübde auf ihr lasten …, so haben ihre Gelübde und ihre Enthaltung … Gültigkeit, doch muss ihr Mann an dem Tage, da er davon erfährt, schweigen. Wehrt ihr Mann an dem Tage, da er davon erfährt, so macht er das Gelübde … ungültig …“ (4 Mo. 30,4-9)

 

Da Maria mit diesem ihrem Gelübde, das sie getätigt hatte, vor Gott verpflichtet war, es zu halten, konnte sie, als sie mit Josef verlobt war und ihre Ehe bevorstand, dem Engel mit aller Sicherheit sagen, dass sie von keinem Mann ein Kind bekommen wird! Maria ist ihrem eigenen Zeugnis zufolge immerwährende Jungfrau!

 

V. „Entfremdet bin ich meinen Brüdern und ein Fremder geworden den Söhnen meiner Mutter.“ (Ps 69,22)

 

Manche Protestanten führen diesen Psalm an, um zu beweisen, dass Jesus sehr wohl leibliche Brüder gehabt hätte, weshalb Maria keine immerwährende Jungfrau sein könne. Sie beziehen diesen Psalm deshalb auf Jesus, weil er in Mt 27,34.48 auf ihn bezogen wird. Dazu ist zu sagen: In Ps 69,22 sind die Söhne Mariens aus jenen unter IV.1-9 genannten Gründen nicht ihre leiblichen Söhne. Die Bibel teilt uns in Offb 12,17 mit, wer diese ihre Söhne sind:

 

Da wurde der Drache zornig auf die Frau und machte sich auf, Krieg zu führen mit ihren übrigen Kindern, mit denen, die Gottes Gebote halten und festhalten am Zeugnis Jesu.”

 

Nach Offb 12,17 hat Maria geistige Söhne, von denen Jesu Jünger welche waren, und denen Jesus während und nach seiner Passion ein Fremder geworden war, und sie deshalb nicht an seine ihnen von ihm selbst prophezeite Auferstehung von den Toten glaubten, auch dann nicht, als ihnen die Frauen vom Auferstandenen berichteten. So sehr ist ihnen Jesus fremd geworden, und das auch noch nach allem, was sie mit ihm erlebt hatten. Somit bezieht sich Ps 69,22 nicht auf leibliche Söhne Mariens, die es nicht gibt, sondern auf geistige Söhne Mariens, die Jünger, die geistigen Brüder Jesu!

Die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens ist biblisch bezeugt. Als Gottes Magd hat Maria Gott, ihrem Herrn, - dem mosaischen Gesetz gemäß - um des Himmelreiches willen ein Keuschheitsgelübde gelobt, und Gott hat ihr ihre biologische Jungfräulichkeit bei der Geburt ihres Sohnes Jesus Christus bewahrt!

 

 

 

5.4 Maria, die Gottesmutter

 

Wir Katholiken verehren Maria auch als die Mutter Gottes, weil es etwas unbeschreiblich Großes, Einzigartiges, Bedeutendes und Erhabenes ist, die Mutter Gottes zu sein. Das wusste man damals noch in einem Kulturkreis, in dem man den Wert und die Bedeutung einer Mutter kannte. Die Bibel ist voll von solchen Zeugnissen. Auf unfruchtbare Frauen wurde daher herabgeschaut, während fruchtbare Frauen hoch geehrt und geachtet wurden.

 

Die Bedeutung der Mutter kannte man noch lange Zeit auch im Protestantismus, bis der größte Teil der Protestanten ab dem 19. Jh. dem Geist des Säkularismus verfiel. Mit seinem Einzug in die Welt durch die „Aufklärung“ und vor allem später durch die auf ihm basierte 68er Kulturrevolution ist die Bedeutung der Mutter in der protestantischen Gesellschaft völlig abhandengekommen. Hätten die Juden vor 2000 Jahren gewusst, wer Jesus ist, hätten sie nicht nur ihn auf Händen getragen, sondern auch seine Mutter. Man hätte in ihr ein einzigartiges leuchtendes Juwel gesehen, weil sie von Gott zum Größten, was einem Geschöpf und einer Frau widerfahren kann, ausersehen wurde – zur Mutter Gottes, des Messias! Deshalb konnte Maria selbst einschätzen, dass Gott GROSSE DINGE an ihr getan hat:

 

Große Dinge hat an mir getan der Mächtige, und heilig ist sein Name.“

 

Es ist kein KLEINES Ding, dass Gott sie sich zur Mutter erwählt und gemacht hat, sondern ein GROSSES Ding! Aus diesem Grund werden von Elisabeth Maria und Jesus gleichermaßen gepriesen, wobei sie sich zugleich nicht als würdig erachtet, von Maria, der erhabenen Messias-Mutter, besucht zu werden:

 

Gepriesen und gesegnet bis du mehr als alle anderen Frauen, und gepriesen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?!“ (Lk 1,42-43)

 

Aus demselben Grund stellt Johannes, wie bereits aufgezeigt, sie auf den ersten Platz nach Jesus, und lässt Lukas sie nicht in der Gruppe der gewöhnlichen gläubigen Frauen untergehen, sondern nennt sie gesondert von ihnen:

 

"Diese alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern." (Apg 1,14)

 

Aber die Neo-Protestanten ahnen das schon, dass Maria aufgrund ihrer Gottesmutterschaft ein einzigartiges leuchtendes Juwel unter den Geschöpfen ist. Weil sie ihr diese besondere Ehre nicht zugestehen wollen, sprechen sie ihr ihre Gottesmutterschaft ab. Dadurch wollen sie sie klein, gering und bedeutungslos machen. Denn was sei besonderes dabei, die Mutter eines bloßen Menschen zu

sein? Nichts! Dass sie dadurch Jesus klein, gering und bedeutungslos machen, fällt ihnen dabei offenbar nicht auf! Denn wenn es nichts Besonderes ist, die Mutter eines Menschen (Jesu) zu sein, so ist auch dieser Mensch (Jesus) nichts Besonderes, weil er ja nur ein Mensch ist! Damit wird dem Messias sein Gott-Sein abgesprochen, und zwar von denselben, die sonst darauf beharren, dass Jesus Gott ist! Aber wegen Maria, seiner Mutter, ist er auf einmal nur ein unbedeutender Mensch! Mehr

nicht!

 

Andere versuchen die Gottesmutterschaft Mariens dadurch abzuhaken, dass sie sagen, dass Maria keine Göttin sei, die zusammen mit Gott Vater den Sohn (Jesus) hervorgebracht hätte, so als ob das irgendjemand lehren oder behaupten würde, und als ob der ewig seiende Gott nicht in der Lage wäre, sich inmitten von Zeit und Raum eine Frau auszuwählen, um ihr Sohn zu werden, wie er das vor 2000 Jahren getan hat, und diese Frau, die sein eigenes Geschöpf ist, ab diesem zeitlichen Moment fortan zur Mutter zu haben! Das sind alles sehr merkwürdige Gottesvorstellungen, die uns da im Protestantismus begegnen!

 

Nun aber ist der Sohn nicht Mensch, sondern Gott, Gott mit zwei Naturen, der göttlichen und der menschlichen Natur. Seine Person bleibt aber Gott, und nur Gott. Und als Mutter ist man immer die Mutter einer Person, und nicht nur die Mutter des Leibes. So etwas gibt es nicht, weshalb Maria die Mutter der zweiten göttlichen Person, die Mutter Gottes, ist, und nicht nur die Mutter eines als bedeutungslos eingestuften Leibes, der ohne seine Person gekreuzigt wurde! Das sind sehr

merkwürdige Philosophien, die uns hier im Protestantismus begegnen, Philosophien, die kein Hand und Fuß haben!

 

Andere wiederum erkennen, dass diese Philosophie weit ins Irreale abgeht, weshalb sie, um Maria klein und bedeutungslos zu machen, gezwungen sind, Jesus in zwei Personen aufzuspalten: in eine göttliche Person auf der einen Seite, mit der Maria nichts zu tun habe, und in die menschliche Person auf der anderen Seite, die von Maria empfangen und geboren und an ihrer Mutterbrust genährt wurde. Auf diese Weise werden zwei Jesusse produziert: der Gott Jesus und der Mensch Jesus! Welcher der beiden Jesusse dann gekreuzigt wurde, darf man raten!

 

Aufgrund der eigenen Abneigung gegen Maria werden, wie wir sehen, Irrlehren über Irrlehren philosophiert und produziert! Wir Katholiken bleiben somit besser bei dem ein-personalen Jesus, bei Gott mit seinen zwei miteinander vereinten, aber nicht vermischten Naturen, und somit bei seiner Mutter!

 

 

 

5.5 Maria, die Sündlose

 

Mit dem Aufkommen des Neo-Protestantismus sind immer mehr Protestanten davon abgerückt, dass Maria ohne Sünde ist. Um das irgendwie biblisch erscheinen zu lassen, sagen sie, dass nur Jesus ohne Sünde sei, weshalb Maria nicht ohne Sünde sein könne. Wenn man sie im Hinblick auf diese Behauptung wegen ihres eigenen Sola Scriptura nach einem biblischen Beweis fragt, verweisen sie auf die folgenden Bibelstellen:

 

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem ebenso versucht worden ist, doch ohne Sünde blieb.“ (Hebr 4,15)

 

Und ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Sünden hinweg zunehmen, und dass in ihm keine Sünde ist.“ (1 Joh 3,5)

 

Doch was sehen wir hier? Wir sehen hier, dass in diesen Bibelstellen nicht steht, dass Jesus Christus ALLEIN sündenlos ist. Das große protestantische Wort „ALLEIN“, das überall in der Bibel erblickt wird, obwohl es dort nirgendwo zu sehen ist, wird sich hier einfach dazu gedacht, womit man sein eigenes Sola-Scriptura-Prinzip verlässt und dadurch das wird, was dieselben Protestanten der katholischen

Kirche unterstellen: UNBIBLISCH!

 

Fakt ist also, dass es keine einzige Bibelstelle gibt, die besagen würde, dass Jesus Christus ALLEIN ohne Sünde ist. Trägt man dies vor, verweist man auf Röm 5,12 und 3,22-23:

 

Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod, und der Tod ist auf alle Menschen übergegangen, weil alle gesündigt haben.“ (Röm 5,12)

 

Es ist ja kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.“ (Röm 3,22-23)

 

Wenn also Sünde und Tod von Adam auf ALLE Menschen übergingen, so wurde auch Maria befleckt empfangen. Und weil alle Menschen sündigten, so habe auch Maria gesündigt. Sagen diese Bibelstellen tatsächlich aus, dass somit auch Maria befleckt empfangen wurde und sündig war? Wenn wir diese Bibelstellen für sich allein betrachten, erwecken sie tatsächlich diesen Eindruck. Doch der Schein trügt, denn man nimmt diese Bibelstellen aus dem biblischen Kontext heraus, stellt sie in den Kontext des besagten protestantischen Dogmas, wonach ausnahmslos alle Menschen sündig seien, und macht sie damit unbiblisch. Im biblischen Kontext jedoch sehen diese Bibelstellen gänzlich anders aus:

 

1. Im biblischen Kontext bedeutet das biblische Wort „alle“ nicht immer buchstäblich ALLE. Dem biblischen Kontext nach kann es auch Ausnahmen geben, was ich am folgenden Beispiel aufzeigen will: In Röm 3,10 lesen wir: „Keiner ist gerecht, auch nicht einer“, was aussagt, dass alle Menschen ungerecht sind. Doch nun erfahren wir von der Heiligen Schrift, dass es auch Ausnahmen gibt:

 

damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,45)

 

denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr anschauet, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr höret, und haben es nicht gehört.“ (Mt 13,17)

 

Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, gedachte, sie heimlich zu entlassen.“ (Mt 1,19)

 

Beide (Zacharias u. Elisabeth) waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn.“ (Lk 1,6)

 

Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?“ (1Petr 4,18)

 

Es gibt hier also Ausnahmen, obwohl es heißt, dass KEINER gerecht sei, „auch nicht einer“! Wenn es also heißt, dass von Adam Sünde und Tod auf alle Menschen übergegangen sind, und alle Menschen sündigen, so kann es also durchaus auch Ausnahmen geben, weil das biblische Wort „alle“, wie hier zu sehen ist, nicht immer buchstäblich alle meinen muss. Deshalb ist aus Röm 5,12 und Röm 3,22-23 nicht

ersichtlich, dass auch Maria Sünde in sich hatte!

 

2. Wenn wir die Bibel kennen, dann stellen wir fest, dass es mindestens einen Menschen gibt, der ohne Sünde ist, und zwar Melchisedek:

 

Er steht da ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, ohne Anfang der Tage und ohne Ende des Lebens“ (Hebr 7,3)

 

Weil Melchisedek nicht von Adam abstammt (vgl. Röm 5,12), so konnten Sünde und Tod nicht auf ihn übergehen. Er ist also sowohl ohne Erbsünde als auch ohne persönliche Sünde, wie Jesus Christus, und daher auch ohne Tod.

 

3. Doch auch Hiob, ein Adamit, war ohne persönliche Sünde, da Gott über ihn bezeugt:

 

Ein Mann lebte im Lande Uz, sein Name war Hiob; und dieser Mann war fromm und recht, gottesfürchtig und dem Bösen fern.“ (Hi 1,1)

 

Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Es gibt ja seinesgleichen keinen auf Erden: fromm und recht, gottesfürchtig und dem Bösen fern!“ (Hi 1,8)

 

Bei all dem hat Hiob nicht gesündigt und gegen Gott nichts Törichtes geäußert.“ (Hi 2,22)

 

Hast du auch acht gehabt auf meinen Diener Hiob? Niemand kommt ihm auf Erden gleich. Untadelig ist er und rechtschaffen, fürchtet Gott und hält sich vom Bösen fern. Und wiewohl du mich bewogen, ohne Grund ihm zu schaden, ist er noch immer gefestigt in seiner Frömmigkeit.“ (Hi 2,3)

 

Hiob war also dem Bösen, d.h. der Sünde, fern, nach Hi 42,12 bis zu seinem Tod, da er nach seiner Prüfungszeit, in der er sich sündenlos bewahrt hatte, von Gott bis zu seinem Tod noch weit mehr gesegnet worden ist als in seinem Leben vor seiner Prüfungszeit. Er hat nie gesündigt. Er war ohne Sünde! Denn jede sündige Tat ist böse, da sie sonst nicht Sünde wäre!

 

So zeigt uns die Heilige Schrift, dass es neben Jesus noch andere Menschen ohne Sünde gibt. Und somit besteht rein biblisch betrachtet (Sola Scriptura) die Möglichkeit, dass es noch weitere Menschen ohne Sünde gibt, z.B. Maria, die Mutter Gottes, wie es Gott durch seine Kirche lehrt. Sie kann auf der Basis dessen, was wir bis hierher biblisch festgestellt haben, durchaus recht haben, während sich die Protestanten mit ihrem Dogma „Maria mit Sünde“ wegen ihres Sola-Scriptura-Prinzips auf jeden Fall als unbiblisch entpuppen, weil sie mit diesem Dogma etwas lehren, was die Bibel selbst nicht sagt!

 

Im Folgenden werde ich aufzeigen, dass die Bibel nicht nur die Möglichkeit einräumt, dass Maria ohne Sünde ist, sondern dass sie das tatsächlich mitteilt. Doch vorab eine wichtige Anmerkung dazu: Mariens unbefleckte Empfängnis und Sündenlosigkeit wird in der Heiligen Schrift nicht in Form von Lehrsätzen in lexikalischer Form mitgeteilt, wie das auch bei einigen Lehren so ist, die antimarianische Protestanten richtigerweise vertreten, sondern hauptsächlich in Form von zwingenden Ableitungen bestehender biblischer Aussagen sowie in Form von typologischen Entsprechungen. Damit man das versteht, möchte ich zwei Beispiele dazu anführen:

 

Zwingende Ableitungen

 

Eines Tages kamen Sadduzäer zu Jesus und stellten ihm Fragen. Als Bibel akzeptierten sie nur die fünf Bücher Mose. Sie glaubten weder an ein Leben nach dem Tod noch an die Auferstehung der Toten. Bezüglich der Auferstehung der Toten stellten sie Jesus eine Frage, die er ihnen in Mt 22,29-30 beantwortet. Um sie nun biblisch über den Zustand der Toten zu unterrichten, musste er sich auf die von ihnen akzeptierte Bibel beschränken, die keine direkte Aussage über den Zustand der Toten mitteilt, stattdessen aber eine indirekte; er verweist auf 2Mo 3,6: „Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?“ Und gleich nach diesem Bibelzitat erfolgt die zwingende Ableitung daraus: „Er ist doch nicht der Gott von Toten, sondern von Lebenden.“ (Mt 22,32), womit also ausgesagt ist, dass Abraham, Isaak und Jakob nicht tot sind, sondern leben. Anhand dieses Beispiels wird ersichtlich, dass diese Bibelauslegungsmethode, die im Neuen Testament oft vorkommt, biblisch ist und daher zu akzeptieren ist! Wer sie nicht akzeptiert, ist dann nicht einfach nur unbiblisch, sondern auch gegen die Heilige Schrift, Gottes Wort, und somit gegen Gott positioniert, zumal die Bibel auch keine protestantische Wunschkiste ist, an die man daher eigene protestantische Maßstäbe zu setzen hätte!

 

Typologische Entsprechungen

 

Die Typologie ist, wie bereits dargelegt, eine spezielle biblische Auslegungsmethode, die uns Jesus Christus beigebracht hat. Da diese biblische Bibelauslegungsmethode bzgl. dieses hier behandelten Themas wichtig ist, möchte ich die bereits dazu getroffenen Aussagen an dieser Stelle wiederholen:

 

Ein Beispiel dieser Methode ist Jesu Aussage, dass sein dreitägiger Aufenthalt „im Herzen der Erde“ dem dreitägigen Aufenthalt Jonas‘ im Bauch des Fisches entspricht. (Mt 12,40) Jonas‘ dreitägiger Aufenthalt im Bauch des Fisches bezeichnet also Jesu dreitägigen Aufenthalt im Grabe typologisch voraus.

 

Der Apostel Paulus wendet diese Methode an, indem er z.B. schreibt, dass die Israeliten in der Wolke und im Meer auf Moses getauft wurden (1 Kor 10,1-2), womit er mit dem Wort „getaut“ auf die Taufe des Neuen Bundes anspielt, in der wir auf Christus, den neuen Moses, getauft werden (vgl. Apg 8,16), wobei das Meer das Wasser der Taufe und die Wolke den Heiligen Geist symbolisieren (vgl. Joh 3,5). Die Taufe der Israeliten in der Wolke und im Meer bezeichnet also die Taufe der Israeliten des Neuen Bundes in Wasser und Geist typologisch voraus. Diese und noch weitere Beispiele im Neuen Testament zeigen, dass alles, was im Alten Testament und im Alten Bund zu finden ist, seine typologische Entsprechung im Neuen Bund hat. Wie man nun diese biblische Bibelauslegungsmethode selbst anzuwenden hat, möchte ich an den folgenden Beispielen aufzeigen:

 

Das Neue Testament ist die typologische Entsprechung des Alten Testaments, so wie auch der Neue Bund eine typologische Entsprechung des Alten Bundes ist.

 

In 1Mo 4,23-24 ist von Lamech die Rede, der die 77fache Rache verkündete. Er ist ein Anti-Typus für Christus, der die 77fache Vergebung verkündete (Mt 18,21ff).

 

Nach dieser biblischen Bibelauslegungsmethode sind Adam und Eva Typen für den neuen Adam und die neue Eva.

 

Und so wie es in der Zeit des Alten Testaments zwei herausragende Persönlichkeiten gab, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurden, so gibt es auch in der Zeit des Neuen Testaments zwei herausragende Persönlichkeiten, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen werden.

 

So, wie Abraham bereit war, Gott seinen Sohn zu opfern, so war auch Gott bereit, seinen Sohn für die Menschen zu opfern.

 

Die zwölf Stammväter Israels des Alten Bundes entsprechen den zwölf geistigen Stammvätern Israels des Neuen Bundes – den 12 Aposteln.

 

So, wie aus Abraham, Isaak und Jakob die zwölf Stammväter Israels hervorgingen, so gingen aus dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist die zwölf Stammväter des neuen Israel hervor – die zwölf Apostel.

 

Wie nach Offb 7 der Stammvater Dan herausfällt (1 Mo 49,16-18), und an seine Stelle der Stammvater Manasse gesetzt wird, so ist auch der Apostel Judas herausgefallen und an seine Stelle der Apostel Matthias gesetzt worden (Apg 1,15-26).

 

So, wie der Alte Bund eine Bundeslade hatte, so hat auch der Neue Bund eine Bundeslade.

 

Auch diese Bibelauslegungsmethode darf somit nicht abgelehnt werden, weil sie von Christus selbst stammt.

 

Kommen wir nun zur biblischen Beweisführung für Mariens unbefleckte Empfängnis und Sündenlosigkeit:

 

I. Das vierte Gebot

 

Das vierte Gebot, das Gott gegeben hat, lautet:

 

Du sollst Vater und Mutter verherrlichen, damit du lange lebst in dem Lande, das der Herr, dein Gott, dir gibt!“ (2 Mo 20,12)

 

Dieses moralische Gebot Gottes zeigt uns Gottes persönliche Einstellung und Haltung: Er ist absolut dagegen, dass die Kinder ihre Eltern nicht verherrlichen, woraus zwingend hervorgeht, dass Gott, der Sohn, seinem eigenen moralischen Gebot entsprechend handelt, weshalb wir genau das von ihm vernehmen:

 

Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern zur Erfüllung zu bringen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein Jota oder ein einziges Häkchen vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen wird.“ (Mt 5,17-18)

 

Und weil der Sohn Gottes dieses sein eigenes moralisches Gebot zur Erfüllung bringt, konnte er den Pharisäern vorhalten:

 

Warum übertretet ihr selbst Gottes Gebot um eurer Überlieferung willen? Gott hat doch geboten: ‚Du sollst Vater und Mutter ehren!‘, und: ‚Wer Vater oder Mutter schmäht, soll des Todes sterben‘. Ihr aber sagt: ‚Wer zu Vater oder Mutter sagt: Was dir von mir zugutekommen sollte, erkläre ich zur Opfergabe!‘, der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht mehr zu ehren. So setzt ihr Gottes Gebot um eurer Überlieferung willen außer Kraft.“ (Mt 15,1-6)

 

Der Sohn Gottes hielt dieses sein Gebot, und ermahnt alle, die es nicht halten! Deshalb schreibt Paulus:

 

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das ist recht. ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter‘ – das ist das erste Gebot mit Verheißung -, „damit es dir wohlergehe und du lange lebst auf der Erde‘. (Eph 6,1-3)

 

Demzufolge hat der Sohn Gottes gemäß seinem eigenen Gebot, d.h. gemäß seiner eigenen persönlichen Einstellung und Haltung, seine Mutter, die er sich von Ewigkeit her gedacht und konzipiert hat, bis zur Neige verherrlicht, was bedeutet, dass er ihr das Bestmögliche zukommen ließ; denn Gott macht keine halben Sachen, sondern er wirkt und gibt in Fülle, tut alles bis zur äußersten Neige – seinen eigenen Geboten entsprechend.

 

Da nun das vierte Gebot, das die Eltern allen übrigen Menschen vorzieht, dazu drängt, der eigenen Mutter das Allerbeste zu geben, so wird auch der Sohn Gottes seiner Mutter das Allerbeste zukommen lassen haben; er wird sie – gemäß seinem Gebot – vor Erbsünde und Sünde bewahrt haben, so wie das jeder gläubige Katholik aufgrund des Eltern-Gebots tun würde, wenn er diese Möglichkeit hätte. Denn welches Kind, das seine Mutter wirklich liebt und daher das vierte Gebot halten und daher bis zur Neige erfüllen will, würde sie, wenn er diese Möglichkeit hätte, nicht vor Erbsünde und Sünde bewahren? Dies trifft besonders auf Gott, den Sohn, zu, der ja nichts anderes, als die Sünde hasst, da diese ihren Ursprung in Satan, seinem Widersacher, hat, weshalb er auf der Basis seines eigenen Gebots schon gerade deshalb seine Mutter vor dem, was ihm verhasst ist und was satanisch ist, bewahrt haben muss! Denn wer würde seine eigene Mutter nicht vor Satanischem bewahren wollen? Das vierte Gebot „zwingt“, drängt zu einer solchen guten Handlung! Wer die moralischen Gebote Gottes nicht oberflächlich liest und als bloße aus Buchstaben bestehende Wörter begreift, hinter denen keine Liebe steckt, und die man als Gläubiger daher mechanisch zu tun hätte, wie das die Pharisäer so begriffen haben, sondern als Ausdruck der Liebe, der wird dies verstehen, denn die Liebe gibt den Eltern das Allerbeste – immer, ausnahmslos!

 

II. Mariens Name Kecharitomene

 

Nach Lk 1,49 sprach Maria in Gegenwart ihrer Base Elisabeth in ihrem Magnifikat, dass Gott „große Dinge“ an ihr, an ihrer Person, getan hat, also nicht bloß ein großes Ding, sondern mindestens zwei, was also besagt, dass er an ihr, an ihrer Person, nicht nur die Jungfrauengeburt getan und sie so zu seiner Mutter gemacht hat, sondern noch mindestens ein weiteres „großes Ding“, bei dem es sich nun um kein anderes „großes Ding“ handeln kann, als jenes, welches ihr einige Tage zuvor durch den Engel

Gabriel offenbart wurde:

 

Sei gegrüßt, Kecharitomene, der Herr ist mit dir!“ (Lk 1,28)

 

Die Offenbarung dieses anderen großen (nicht kleinen) Dings steckt in „Kecharitomene“. „Kecharitomene“ ist nun nichts anderes als der von Gott Maria gegebene Name, weshalb der Engel sie nicht mit ihrem bürgerlichen Namen „Maria“ anredet, sondern mit diesem; und das hat eine große Bedeutung. Eltern geben ihren Kindern einen Namen, z.B. Else oder Heinz, ohne mit dieser Namensgebung etwas über ihr Kind aussagen zu wollen. Das war in der Zeit des Alten Testaments und des Alten Bundes anders, was wir an den folgenden Beispielen sehen:

 

1. Als Sara ihren Sohn gebar, gab ihm sein Vater Abraham den Namen „Isaak“ (1Mo 21,3), der bedeutet: „Gott hat zum Lachen gebracht“, was darauf beruht, dass Abraham nach 1Mo 17,17 lacht, als ihm Gott ankündigt, seine Frau Sara werde ihm einen Sohn gebären. Und in 1Mo 18,12 ist es Sara, die lacht, als sie hört, wie ihrem Mann von Gott angekündigt wird, dass sie innerhalb eines Jahres einen Sohn von ihm empfangen werde. Mit dem Namen „Isaak“ bezeichnet Abraham seinen Sohn als denjenigen, durch dessen Ankündigung Gott ihn und seine Frau zum Lachen gebracht hat.

 

2. In 1Mo 29,31-32 lesen wir, wie Gott Lea, einer der Frauen Jakobs, die Gnade schenkt, einen Sohn zu empfangen und zu gebären, weil sie von Jakob weniger geliebt wurde als ihre Schwester Rachel. Aufgrund dieser ihr geschenkten Gnade nennt sie ihren ihr von Gott geschenkten Sohn „Ruben“, der „Jahwe hat mein Elend gesehen“ bedeutet. Mit dem Namen „Ruben“ bezeichnet Lea ihren Sohn als

denjenigen, durch den Gott ihr Elend aufgehoben hat.

 

Kinder bekamen in biblischen Zeiten von ihren Eltern einen Namen, der über sie etwas aussagt. Gott tat dies im Hinblick auf einige Personen genauso, nur im Gegensatz zu den Eltern im vollkommenen Sinn, weil er immer alles vollkommen tut. Seine Namensgebungen sagen über die jeweilige Person das, was diese IST, zu was er sie gemacht hat. Wissenschaftlich ausgedrückt: Seine Namensgebungen sind

Zuweisungen eines verbalen Zugriffsindexes auf eine Informationsmenge über die jeweiligen Individuen. Hier ein Beispiel: „Abram“ war der frühere bürgerliche Name Abrahams. Doch mit seiner Ankündigung, er würde Abram zum Vater einer Völkermenge machen, gab Gott ihm den Namen „Abraham“ = „Vater der vielen Völker“ (1 Mo 17,4-5). Der Name „Abraham“, den Gott Abram gab, sagt also über ihn, dass er der Vater vieler Völker ist. Das IST Abraham also – der Vater vieler Völker! Genauso verhält es sich mit dem Namen „Kecharitomene“, den Gott Maria gegeben hat: Sie IST Kecharitomene! Sie ist das, was dieser ihr von Gott gegebene Name sagt; sie ist das als Person, was somit ihre gesamte Existenz, ihr ganzes Sein umfasst und somit mit ihrer Empfängnis zu tun hat, bei der sie, die Kecharitomene, von Gott geschaffen wurde.

 

In diesem Zusammenhang ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass dieses Wort als Partizip Perfekt Passiv hier einen von Gott gemachten Zustand feststellt, der in der Vergangenheit – ganz am Anfang - begonnen und da auch abgeschlossen worden ist und seither fortbesteht. Da nun Maria als Person Kecharitomene IST, so nimmt ihr ihr von Gott gegebener Name tatsächlich auf den Zeitpunkt ihrer Erschaffung (Empfängnis) Bezug, bei welchem sie die geworden ist, als die sie von Gott durch den Engel genannt worden ist: Kecharitomene.

 

Was bedeutet nun „Kecharitomene“?

 

In protestantischen Übersetzungen wird das Wort unvollkommen und schwach und somit falsch übersetzt, und zwar bloß mit „Begnadete“. Doch als Partizip Perfekt deutet das Wort eine Fülle an im Sinne von „ganz und gar“ bzw. diese schwingt in ihm mit, wie in Eph 1,6, wo es heißt, dass uns der Vater in seinem Sohn „begnadet“ hat, und zwar nicht zu 1/2, zu 1/3, zu 1/4 oder zu 1/5, wie Protestanten meinen, sondern in Fülle, ganz, vollständig, weshalb das Wort in Eph 1,6 korrekt mit „voll begnadet“ zu übersetzen ist, und nicht mit „begnadet“. Und „voll begnadet“ bedeutet, dass Gott jedem von uns durch seinen Sohn Jesus Christus seine ganze Gnade zukommen lässt, und nicht bloß nur einen Teil von ihr! Und „ganze Gnade zukommen lassen“ bedeutet, dass Gott einem Christen die von Christus erwirkte Erlösung in Fülle zukommen lässt, der jeweiligen Person entsprechend – heißt: jede christliche Person bekommt nicht dieselbe Fülle der Gnade, sondern nur die Fülle der Gnade, die in ihn hineinpasst, so wie Trinkgläser verschiedener Größen: Auf dem Tisch stehen zwei Gläser mit demselben Umfang bis oben hin gefüllt mit Wasser, wobei aber das eine Glas größer als das andere ist, so dass zwar beide Gläser bis oben hin voll mit Wasser sind, aber das eine Glas aufgrund seiner Größe mehr Wasser enthält als das andere, weil es kleiner ist. Deshalb gibt es gemäß der Heiligen Schrift vollendete Gerechte, d.h. vollendete Heilige, und unvollendete Gerechte, d.h. unvollendete Heilige. Der vollendete Heilige ist wie das große Glas, und der unvollendete Heilige wie das kleine Glas; beide sind bis oben hin vollgefüllt mit der Gnade Christi, doch besitzt der vollendete Heilige mehr Gnade, als der unvollendete Heilige, weshalb der vollendete Heilige mit seiner Gnadenfülle ein vollkommenes heiliges Leben führt, während der unvollendete Heilige aufgrund seiner geringeren Gnadenfülle ein unvollkommenes heiliges Leben führt.

 

Der Name Mariens „Kecharitomene“ besagt somit, dass Maria diese Fülle der Gnade als erste Frucht der Erlösung von Gott bereits vor dem Erlösungsopfer Christi, ihres Sohnes, und noch vor seiner Empfängnis empfangen hatte, während wir sie nach seinem Erlösungsopfer empfangen. Somit wird ausgesagt, dass Maria vorerlöst worden ist, und zwar, wie oben aufgezeigt, zum Zeitpunkt ihrer Empfängnis, ihrer Erschaffung, da ihr ihr von Gott gegebener Name auf ihre Existenz, auf ihr Sein,

Bezug nimmt, das mit ihrer Empfängnis begonnen hat, und bei der sie die geworden ist, als die sie von Gott genannt worden ist: Kecharitomene.

 

Des Weiteren muss darauf verwiesen werden, dass das Wort im Partizip Passiv steht und somit – um die Nuance des griechischen Wortes wiederzugeben – nicht „voll der Gnade“ oder „voll begnadet“ bedeutet, sondern „Gnadenvoll Gemachte“, was vor dem Hintergrund, dass sich Mariens Name „Kecharitomene“ auf ihren Seinszustand, auf ihre Existenz, bezieht, wiederum bedeutet, dass sie genauso von Gott, dem Sohn, im Moment ihrer Zeugung gemacht worden ist – gnadenvoll -, was nichts anderes bedeutet, als dass ihr in diesem Moment das zuteil wurde, was z.B. einem Heiden, der zum christlichen Glauben findet, nach seiner Bekehrung zuteil wird: Dieser Heide wird infolge seiner Bekehrung durch die Fülle der ihm geschenkten Gnade Gottes von der Erbsünde befreit, wobei aber die Folgen der beseitigten Erbsünde fortbestehen, was sich an der Anfälligkeit für Sünde und Krankheit zeigt, während Kecharitomene bei ihrer Zeugung durch die ihr zugekommene Gnadenfülle vor der Erbsünde bewahrt worden ist; und da sie, anders als der konvertierte Heide, nie mit der Erbsünde in Berührung gekommen ist, war sie auch frei von den Folgen der fehlenden Erbsünde und somit frei von der Anfälligkeit zum Sündigen, was dann damit korrespondiert, dass das Wort „kecharitomene“ als Partizip Perfekt Passiv einen von Gott gemachten Zustand feststellt, der in der Vergangenheit, in diesem Fall bei Mariens Zeugung, begonnen und abgeschlossen worden ist, und seither fortbesteht, so dass sie fortan ohne Sünde war. Und das ist eines der „großen Dinge“, von denen sie sagt, dass Gott sie an ihr getan hat!

 

Wichtige Anmerkung:

 

Von Protestanten wird, um das oben Dargelegte zu verschleiern, das Wort des Engels „du hast Gnade gefunden bei Gott“ mit seinem Wort „Sei gegrüßt, Kecharitomene“ in Verbindung gebracht, und auf dieser Verwässerung basierend gesagt, Maria sei nur dadurch begnadet worden, dass sie die Gnade empfing, Jesu Mutter zu werden. Doch das Wort „begnaden“ ist ein anderes Wort, als „Gnade finden“. Das Wort „begnaden“ bedeutet, jemandem die Gnade zuteilwerden lassen, während das Wort „Gnade finden“ bedeutet, vor jemandem bestehen können, von ihm anerkannt und angenommen werden. Während also in Lk 1,28 gesagt wird, dass Maria von Gott in der Vergangenheit und dort abgeschlossen gnadenvoll gemacht worden ist, wird in Lk 1,30 gesagt, dass die von Gott gnadenvoll gemachte Maria von Ihm anerkannt und angenommen worden ist, weil sie sich vor Gott bewährt hat, weil sie sich in ihrer ihr von Gott gegebenen Gnadenfülle sündenlos bewahrt hat!

 

III. Eine vollendete Gerechte erkennt sich als unter Maria stehend

 

Nach Lk 1,41 wurde Elisabeth, die Mutter des Täufers, von Heiligem Geist erfüllt, der sie nach Vers 42 dazu antrieb, Maria zusammen mit ihrem göttlichen Kind zu preisen. Wie Vers 43 zeigt, ließ der Heilige Geist Elisabeth folgendes erkennen:

 

Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt.“

 

Sie erkennt aufgrund ihrer Erleuchtung durch den Heiligen Geist, dass sie unter Maria steht, und dass Maria so viel erhabener ist, als sie, dass sie sich nicht als würdig betrachtet, von ihr besucht zu werden. Was besagt das? Um das festzustellen, müssen wir beachten, dass Elisabeth gemäß Gottes Wort Lk 1,6 eine vollendete Gerechte, eine vollendete Heilige, war, weil sie vor Gott „untadelig in allen Geboten und Satzungen des HERRN“ wandelte. Das heißt: Wenn sich schon Elisabeth als vollendete Gerechte im Lichte des Heiligen Geistes nicht würdig betrachtete, von Maria besucht zu werden, dann muss Maria noch weit vollkommener sein, als sie, was somit Mariens Sündenlosigkeit impliziert, da nur ein Sündenloser so erhaben sein kann, dass sich selbst ein vollendeter Gerechter im Lichte des Heiligen Geistes unter ihn stellen muss!

 

IV. Psalm 45,10-16

 

In Psalm 45 heißt es über Maria, die Königin des Himmels:

 

Die Königstöchter stehen da in deinem Schmuck, die Königin zu deiner Rechten in Ofirgold, umgeben von bunter Pracht! Höre, Tochter, und siehe, und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus. Der König verlangt nach deiner Schönheit, denn er ist der Herr, dein Gott, und ihn betet man an. Die Töchter von Tyrus bemühen sich um deine Gunst, alle Reichen des Volkes. Ganz Herrlichkeit ist die Königstochter im Innern, mit goldenem Saume geziert, ist sie mit bunten Kleidern angetan. Hinter ihr her führt man Jungfrauen zum König; ihre Genossinnen bringt man zu dir! Sie werden herzu geführt unter Freude und Jubel, hineingeleitet in den Palast des Königs.“ (Ps 45,10-16)

 

1. Anfangs ist von den Königstöchtern die Rede, d.h. von den Töchtern des himmlischen Vaters, des Königs, von den heiligen Frauen, von denen eine Maria Magdalena und Elisabeth sind. Gleich darauf ist die Rede von der Königin, von Maria, die ebenfalls als „Tochter“ und in Vers 14 als „Königstochter“ bezeichnet wird. Sie wird hier also als einzigartige Tochter Gottes hervorgehoben, weil sie nicht zu der

Gruppe der anderen Königstöchter gezählt, sondern gesondert von ihnen erwähnt wird. Dasselbe sehen wir bei Christus: Gott hat gemäß der Bibel viele Söhne, aber nur ihn als seinen einzigartigen Sohn. Das ist sehr aufschlussreich: So, wie in der Bibel kein einziger Mann als Einzelner Sohn Gottes bezeichnet wird, außer Christus, so wird in der Bibel auch keine einzige Frau als Einzelne als Tochter Gottes bezeichnet, außer hier Maria. Auf diese Weise stellt die Heilige Schrift sie Beide parallel gegenüber, so dass anzunehmen ist, dass Maria als Gottes Tochter genauso sündenlos ist, wie Christus als Gottes Sohn, da Beide in der Bibel aus dem Kreis der gewöhnlichen Söhne und Töchter Gottes sonst nicht herausgenommen wären!

 

2. Die Tatsache, dass Maria, die Tochter Gottes, nicht zu den vollendeten heiligen Töchtern Gottes gezählt wird, sondern gesondert, außerhalb ihrer Gruppe, und auf diese Weise einzigartig hervorgehoben wird, zeigt diesen Sachverhalt noch anderweitig auf: Steht Maria hiernach als Tochter Gottes außerhalb der Gruppe der vollendeten Töchter Gottes, so bedeutet das, dass Maria noch vollkommener sein muss, als jene, was somit wiederum Mariens Sündenlosigkeit impliziert, da nur ein

Sündenloser höher steht, als die vollendeten Heiligen, die, wie Ps 45,10 anzeigt, unter Maria, ihrer Königin, stehen, wie die vollendete Gerechte Elisabeth, die zu eben diesen in Ps 45,10 genannten Töchtern Gottes gehört.

 

3. Nach Ps 45,12 verlangte Gott nach der Schönheit Mariens, was sich selbstverständlich nicht auf eine äußere Schönheit Mariens bezieht, sondern auf ihre innere Schönheit, die wiederum ihre Sündenlosigkeit impliziert, (a) weil eine mit Sünde behaftete Seele für Gott nicht schön ist, und (b) da in der Bibel keine andere Frau in solchem Kontext als schön vor Gott bezeichnet wird, nur sie. Sie ist also einzigartig schön. Und im Hohelied erkennen wir Katholiken die dort erwähnten zwei

Hauptpersonen als Jesus Christus, den neuen Adam, und als seine Mutter Maria, die neue Eva, von der es in Hld 2,2 heißt, dass sie „die Lilie unter den Dornen“ ist, die Sündenlose unter den Sündigen, und Hld 4,7, dass sie „ganz schön“, „ohne Makel“, ohne Sünde, ist. Und in Ps 45,3 heißt es von Jesus Christus, dass er der Schönste aller Menschenkinder ist, so dass er in seiner Sündenlosigkeit schöner ist als seine Mutter in ihrer Sündenlosigkeit, und zwar deshalb, weil er als Gottmensch die Gebote

vollkommener erfüllen konnte als sie als bloßer Mensch. Es gibt daher die folgende Rangordnung in der Schönheit: Wir unvollendete Heilige sind aufgrund unserer Unvollendetheit wenig schön; die vollendeten Heiligen sind aufgrund ihrer Vollendung in der Heiligkeit schön; die sündenlose Mutter Gottes ist aufgrund ihrer Sündenlosigkeit besonders schön, und Christus ist, weil er als Sündenloser seine eigenen Gebote vollkommener erfüllt, der Schönste.

 

4. In Vers 14 des Psalms heißt es über Maria: „Ganz Herrlichkeit ist die Königstochter im Innern, mit goldenem Saume geziert, ist sie mit bunten Kleidern angetan.“ Sie ist im himmlischen Palast äußerlich „ganz Herrlichkeit“, was somit auf ihr Inneres hinweist; denn ist sie äußerlich ganz herrlich, so muss sie auch innerlich ganz herrlich sein, da Gott den innerlichen Zustand eines Menschen entsprechend belohnt oder bestraft, so dass hier die äußerliche Herrlichkeit Mariens in Fülle auf ihre innere Herrlichkeit in Fülle hinweist, die Gott ihr entsprechend mit äußerlicher Herrlichkeit in Fülle belohnt hat, was wiederum mit Hld 4,7 korrespondiert, wo sie als „ganz schön“ und als „ohne Makel“ bezeichnet wird. Die ganze innere Herrlichkeit Mariens ist dann ihre Sündenlosigkeit; denn nur ein Sündenloser ist innerlich GANZ herrlich, GANZ schön, während wir gewöhnlichen Christen aufgrund unserer Sünden innerlich nicht GANZ herrlich, nicht GANZ schön sind, sondern nur teilweise und geringfügig.

 

V. Was uns die Lade des Alten Bundes über Maria sagt

 

Offb 12 enthüllt uns Maria als die Lade des Neuen Bundes. Durch die Identifizierung Mariens als die Lade des Neuen Bundes können wir ihre persönlichen Eigenschaften erkennen, da Gott sie nach dem Sinnbild der alten Bundeslade gemacht hat. Schauen wir daher, wie die alte Bundeslade nach Gottes Anordnung gemacht wurde. Daraus können wir dann ersehen, wie Gott seine neue Bundeslade Maria gemacht hat. Es heißt über den Bau der alten Bundeslade in 2Mo 25,10f: „Verfertige eine Lade aus Akazienholz … überziehe sie mit reinem Gold von innen und außen …“

 

1. Die alte Bundeslade, die Maria, die neue Bundeslade, typologisch vorausbezeichnet, sollte aus dem unverweslichen Akazienholz hergestellt werden. Das verweist auf Mariens Empfängnis, in deren Moment Gott sie, seine neue Bundeslade, gemacht hat. Das unverwesliche Akazienholz bezeichnet Mariens menschliches Fleisch, welches somit die Verwesung nicht schauen würde, wie das

unverwesliche Akazienholz der alten Bundeslade es nicht schaute, was anzeigt, dass Mariens Leib, wie ursprünglich Evas Leib, nicht unter der Macht des Todes, der Verwesung und der Sünde gestanden hat, so wie auch Christi Leib (vgl. Apg 2,24-27), der ja nur deshalb starb, weil er getötet wurde, aber ansonsten nicht gestorben wäre; aber auch er schaute die Verwesung nicht (Ps 16,10).

 

2. Das reine Gold nun, mit dem die Lade aus Akazienholz überzogen werden sollte, symbolisiert die Sonne, mit der Maria, die neue Bundeslade, nach Offb 12,1 bekleidet ist: „… eine Frau, mit der Sonne bekleidet …“ Die Sonne, die die neue Bundeslade Maria bekleidet, entspricht dem reinen Gold, mit dem die alte Bundeslade bekleidet war. Doch wie die Herstellung der alten Bundeslade zeigt, würde Maria, die neue Bundeslade, bei ihrer Erschaffung auch von Innen mit der Sonne bekleidet werden, wie die alte Bundeslade von Innen mit dem reinen Gold. Das heißt: Mariens menschliches Fleisch ist seit ihrer Erschaffung, seit ihrer Empfängnis, von Innen und Außen mit dem göttlichen Licht bekleidet, so dass bei ihrer Zeugung die Erbsünde aufgrund des göttlichen Lichts, das ihr Fleisch vom Innersten her schützte, auf sie nicht übertragen werden konnte, „denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild!“, sagt Ps 84,12! Und das ist ihre Unbefleckte Empfängnis!

 

VI. Die neue Eva

 

Wie eingangs dargelegt, ist alles im Alten Testament und im Alten Bund Vorhandene eine typologische Entsprechung zu dem, was im Neuen Bund gegeben ist. So wissen wir von Paulus, dass Adam der Anti- Typus zu Christus, den neuen Adam, ist. So, wie nun Adam ein Anti-Typus ist, nämlich zu Christus, so ist Eva der Anti-Typus zur neuen Eva, die als Gegenbild zu Eva, die der Schlange die Hand gereicht hat, mit Satan in Feindschaft steht:

 

Feindschaft werde ich stiften zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen …“ (1 Mo 3,15)

 

Nach dem Sündenfall Evas, bei der sie der Schlange die Hand gereicht hat, kündigte Gott Evas Gegenbild an, die FRAU, die mit der Schlange in Feindschaft steht. In Offb 12 kommen diese Frau, die neue Eva, und ihr hier prophezeiter Same wieder vor. Die Bibel identifiziert sie, wie wir gesehen haben, als Maria und Jesus! Hier in Offb 12 sind also alle vorhanden wie in 1Mo 3,15: Die Schlange, die mit der Frau in Feindschaft steht, die Frau, die mit ihr in Feindschaft steht, und ihr Same, der aus ihrem leiblichen Sohn, dem Knaben, und dem Rest ihres Samens, den wahren Christen, besteht. Und das sagt uns jetzt sehr viel über Maria, die neue Eva:

 

1. So wie Eva der Schlange ihre Hand reichte, so ist die Hand Marias, der neuen Eva, gegen die Schlange ausgerichtet. Der Same Mariens, der neuen Eva, ist Christus, der neue Adam. So, wie die jungfräuliche Eva infolge ihres zur Schlange gesprochenen Ja’s das Unheil gebar, so gebar die jungfräuliche neue Eva infolge ihres zum Engel Gabriel gesprochenen Ja's das Heil (Lk 1,38). Dazu zwei Kirchenväter:

 

Irenäus von Lyon (+ 202/203): „So wurde auch der Knoten des Ungehorsams der Eva durch den Gehorsam Mariens gelöst; denn was die Eva durch ihren Ungehorsam angebunden hatte, das löste die Jungfrau Maria durch ihren Glauben.“

 

Tertullian (+ 220): „Allein auch hier verlangt der innere Zusammenhang der Sache, dass Gott sein Bild und Gleichnis, welches in des Teufels Gefangenschaft geraten war, durch ein entsprechendes Verfahren wieder befreite. In eine Jungfrau nämlich, was ja noch Eva war, hatte das Wort, welches den Tod bewirkte, Eingang gefunden. Das Wort Gottes, welches das Leben aufrichten sollte, musste ebenfalls in eine Jungfrau eingehen, damit, was durch ihr Geschlecht verloren gegangen war, durch dasselbe Geschlecht wieder zum Heile gelange. Eva hatte der Schlange geglaubt, Maria glaubte dem Gabriel. Was jene durch ihren Glauben sündigte, hat diese durch ihren Glauben wieder gut gemacht.“

 

Da Christus, der neue Adam, nun das Gegenbild zum sündig gewordenen Adam ist, so ist er ohne Erbsünde und Sünde. Und da Maria, die neue Eva, das Gegenbild zur sündig gewordenen Eva ist, so ist sie ohne Erbsünde und Sünde.

 

2. Maria, die neue Eva, wird von Gott ausdrücklich als Satans Rivalin, Widersacherin und Gegenspielerin bezeichnet, die er dazu gemacht hat. Daraus leitet sich direkt ab, dass Maria ohne Satans Samen (ohne Erbsünde) und ohne seine Werke (ohne Sünden) ist, weil sie sonst nicht seine Widersacherin sein könnte, weil Satan der Vater jeder Sünde ist, und jede Sünde an Satan bindet, und man ihm mit jeder Sünde die Hand reicht, und dies somit nicht auf Maria zutrifft, weil sie ja seine Feindin, Rivalin, Widersacherin und Gegenspielerin ist! Als Feindin, Rivalin, Widersacherin und Gegenspielerin Satans steht Maria Satan entgegengesetzt: So wie Satan, ihr Widersacher und Rivale, voll Sünde ist, so ist sie als seine Feindin, Widersacherin, Rivalin und Gegenspielerin bar jeder Sünde.

 

Die Heilige Schrift bezeugt und impliziert mehrfach, dass Gott seine künftige Mutter, die er sich von Ewigkeit hergedacht und konzipiert hat, bei ihrer Erschaffung vor der Erbsünde bewahrt und sie dabei voll begnadet und so das vierte Gebot bis zur Neige erfüllt hat, so dass sie im Verlauf ihres Lebens ohne weiteres ohne Sünde leben konnte. Wenn sie dann in ihrem Magnifikat Lk 1,46 von Gott als ihren Retter spricht, dann ist er das allemal: Er hat sie vor dem drohenden Übel, der Erbsünde, gerettet.

 

 

 

5.6 Dürfen wir Maria um Hilfe bitten?

 

Eine freikirchliche Christin stellte mir einmal die folgende Frage:

 

Ich habe eine Frage, wo steht in der Bibel, dass man die heilige Jungfrau Maria um Hilfe bitten soll.“

 

Meine Antwort:

 

Das steht in der Bibel nur im Kontext anderer Bibelstellen! Im zweiten Buch Samuel sehen wir, wie König David zu zwei Verstorbenen gesprochen hat:

 

Wie weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan! Du warst mir so lieb! Köstlicher war deine Liebe mir als die Minne der Frauen!” (2 Sam 1,26)

 

Deine Hände waren nicht gebunden, deine Füße nicht in Ketten gelegt! Wie man vor Verbrechern fällt, so fielst du!” (2 Sam 3,34)

 

Auch der Apostel Petrus sprach zu einer Verstorbenen:

 

Tabita, steh auf!“ (Apg 9,40)

 

Nach dieser Anrufung der Verstorben wurde Tabita mit ihrem Leib wieder vereinigt.

Auch der Herr als Menschensohn (Mensch) redete zu einem Verstorbenen:

 

Und es erschienen ihnen Mose und Elija im Gespräch mit Jesus.” (Mt 17,3)

 

Das heißt, wir dürfen zu Jenseitigen sprechen! Dazu kommt noch, dass wir ihnen, wie David, frei heraus sagen dürfen, was uns am Herzen liegt! Und dann lese man, was der Apostel Jakobus schreibt:

 

„… betet füreinander … Viel vermag das hingebende Gebet eines Gerechten.“ (Jak 5,16)

 

Und um das zu verdeutlichen, zeigt es uns Jakobus am Beispiel des Propheten Elias:

 

Elias war ein Mensch, gleichgeartet wie wir; er betete inständig, dass es nicht regnen möge, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht über das Land. Da betete er abermals, und der Himmel spendete Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor.“ (Jak 5,17-18)

 

So also ist das Gebet eines vollendeten Gerechten, eines Heiligen, zu dem wir nach Hebr 12,23 hingetreten sind, so mächtig, dass es in Bezug zu besonders schwerwiegenden Problemen von Gott erhört wird. Das zeigt uns auch Jer 15,1:

 

Der Herr sprach zu mir: ‚Wenn auch Moses und Samuel vor mein Antlitz träten, so würde mein Herz sich diesem Volke nicht mehr zuwenden.“

 

Aus diesen Worten Gottes geht hervor, dass die Fürsprache der verstorbenen Propheten Moses und Samuel, zweier vollendeter Gerechter, besonders mächtig ist. Deshalb ist es sehr sinnvoll und weise, wenn wir die heilige Maria, die heiligen Engel und die Heiligen um ihre Fürbitte für uns bitten. Wenn es bei Jeremias dann heißt, dass Gott in dem speziellen Fall auf die Fürsprache von Moses und Samuel ausnahmsweise nicht hören würde, dann bezieht sich das nur im Hinblick auf die Unbußfertigen, die trotz der Gebote Gottes, die sie kennen, immerfort im Bösen wandeln wollen. Denen wird Gott sein Antlitz niemals zuwenden, auch auf die Fürsprache großer Heiliger nicht, deren Fürbittgebet sonst so mächtig ist!

 

Wenn wir also 2Sam 1,26, 2Sam 3,34, Apg 9,40 und Mt 17,3 im Kontext Jak 5,16 und Jer 15,1 lesen, dann dürfen und sollten wir Maria, die Engel und die Heiligen darum bitten, für uns zu beten und uns auf diese Weise zu helfen! Wir katholischen und orthodoxen Christen tun es, weil wir aus Erfahrung den Vorteil dieser Praxis kennen! Dies möchte ich den Protestanten zum Abschluss dieses Buches ebenfalls empfehlen! Möge Sie der liebe Gott segnen!

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